Unkraut vs. Wildkraut / Spontanflora

 
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Linnaea

Ich fange dieses Thema jetzt mit Absicht in der Kategorie "Treffpunkt und Stammtisch" an, weil ich keine inhaltlich-gärtnerischen, sondern eher "formale" Hintergedanken habe...

An und für sich bin ich ein absoluter Fan dessen, was gerne mal als "Unkräuter" bezeichnet wird: Die kleinen Wildkräuter am Wegesrand, die von vielen gar nicht wahrgenommen werden.
Allerdings hab ich jetzt gerade für drei Wochen einen Ferienjob in einem Botanischen Garten, und meine Hauptaufgabe besteht darin, Unkraut zu jäten. In diesem Zusammenhang hatte ich mit meinem Chef vorgestern folgendes Gespräch (in etwa):

* "Die Winden find ich besonders schlimm."
- "Die wird man nie los!"
* "Hast du schon mal ein Unkraut gehabt, dass man los wird???"

Daraus ergab sich für uns eine neue Definition von Unkraut:

Unkraut sind die Pflanzen in einem Garten, die man nie los wird, obwohl man sie gern loswerden würde.

Wie definiert denn ihr das Wort Unkraut?
Und welchen Titel bekommen die entsprechenden Pflanzen, wenn ihr sie nicht in ihrer Rolle als Unkraut ansprecht? (also z. B. wie in der Überschrift "Wildkraut", "Spontanflora" oder so)
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Donky Kong

Ich bezeichne alles als Unkraut was ich nicht im Beet haben möchte . Doch unter einem Ahorn habe ich eine Wildblumenwiese gesät. Dabei habe ich Teilweise Sachen gefunden, die ich im Beet als Unkraut bezeichnen würde wiedergefunden.
Also ich würde sagen das liegt im Auge des Betrachters
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Rouge

Bei mir gibt es keine Un-, sondern nur Wildkräuter ... und über die freue ich mich besonders, weil

1. sie den Rasen auflockern (optisch) und durch ihre Blattstruktur fester machen (praktisch)
2. sie in unseren Gärten meistens leider keine Daseinsberechtigung haben und doch meistens (Wildes Stiefmütterchen z.B.) die Mutterpflanzen unserer "ach-so-schönen-Diven" sind und
3. Falter zum Eierlegen und andere Fraßinsekten meistens eigentlich die Wildkräuter bevorzugen, aber durch die Verbannung dieser aus dem Garten keine andere Wahl haben, als an unsere "Besonderheiten" zu gehen
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walmar

Unkräuter sind: unbeliebte Kräuter, die da wachsen, wo man sie nicht haben möchte.
So meine Mentorin, die mich damals aufmerksam machte, wie schön die Kräuter bzw. Wildkräuter seien.
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Roadrunner

 [M]
Tja, das ist so unterschiedlich, wie meine Gartenbereiche. Im Gemüsebeet sind Wolfsmilch, Franzosenkraut, Brennnessel, Distel, Hahnenfuss und Winde eindeutig Unkraut und kommen weg. Wilde Minze, Löwenzahn und Vogelmiere toleriere ich manchmal...

Auf dem Totholzstapel in dem Igel, Frösche, Weinbergschnecken und Heckebraunelle leben, ist die Winde das grüne Blätterdach. Im Wildpflanzenstreifen dürfen alle leben, die Disteln und Brennnesseln sind dort Nährpflanzen für Schmetterlingsraupen. In der Wiese sind Klee, Löwenzahn, Gänseblümchen, Braunelle und Butterblumen für die Bienen und Hummel da (die netterweise dann auch alle meine Obstbäume auf der Wiese befruchten)...
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Rouge

yep Roadrunner ... in meinen Beeten, wo ich meine ganzen Stauden / Zwiebeln / Sommerpflanzen drinnen hab, möchte ich auch NUR diese Pflanzen haben ... aber auch in meinem kleinen Garten ist es möglich, daß sich die Wildkräuter Nischen zurückerobern können ... wie z.B. der Rasen (was eh nie einer war ) ... und ich hab auch später - wenn ich irgendwann mal mit der Gartengestaltung fertig werden sollte - vor, einen Flecken wild wachsen zu lassen, einfach, weils trotzdem irgendwie schön ausschaut und vor allem natürlich
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Linnaea

@Rouge: Das ist genau auch meine Meinung!

Hehe, aber in einem Botanischen Garten sollte halt an einer Stelle, an der das Etikett zu einer exotischen Art steht, halt nicht flächendeckend Vogelmiere, durchsetzt mit einzelnen exotischen Pflänzchen, wachsen - und dann muss die Vogelmiere eben an dieser Stelle immer mal wieder dran glauben...
Aber so macht Jäten Spaß: großflächig! Da sieht man wenigstens, was man geschafft hat...
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stella_riamedia

ich kann auch pflanzen wie cleome spinosa, cosmeen, amaranthus cruentus, den roten fuchsschwanz & etliche andere pflanzen, die wir als zierpflanzen in unsere gärten holen, in die unkrautecke stellen. von wegen einjährig. dank klimawandel haben wir die inzwischen jedes jahr wieder. klar, es ist nicht schwierig, die zu jäten, aber man wird schon nachdenklich. irgendwann werden dann halt auch noch andere, schwerer zu bekämpfende pflanzen zur pest. wär ja nicht das erste mal (man siehe giersch, jap. staudenknöterich, indisches springkraut, oxalis corniculata).

brennesseln haben bei mir immer einige ecken, wo sie wuchern dürfen, nur in beeten nicht. genausowenig wie löwenzahn, oder unsere wildkräuter wie gundermann, veronica & gänseblümchen, um mal die gängigsten zu nennen. die sind sehr belebend, vor allem im rasen. ausserdem kann ich immer frisch pflücken um einen hübschen blütentee zu brauen. die sind mir viel zu wertvoll, um sie als unkraut zu beschimpfen.

wenn irgendwo viel wolfsmilch steht, dann ist das zwar schon unkraut (weil's da nicht hingehört), zeigt mir aber auch, dass es vielleicht ein plätzchen ist, wo sich andere, staudenwolfsmilche wohlfühlen würden. wenn da viel fingerkraut wuchert, mag es ein schöner ort für rosen sein. dann sag ich 'danke für den tipp & tschüss' . winden grab ich ganz gern hinterher (wenn sie sich nicht gerade zwischen rosen angesiedelt haben ).

im prinzip ist unkraut für mich also alles, was am falschen platz wächst, oder zuviel raum erobert, andere pflanzen bedrängt oder eine mir verhasste pflanze & das können auch zierpflanzen sein & deshalb wäre wildkraut nicht immer die richtige bezeichnung. spontanflora & wildkraut muss ja nix sein, das man loswerden will.

was mir auffällt ist, dass sich die unkrautflora jahresweise ändert. abgesehen von einigen, die nie verloren gehen, wie die vogelmiere oder das franzosenkraut, hatten wir im letzten jahr ein absolutes top unkraut, den windenknöterich. in diesem jahr scheint die wolfsmilch tonangebend zu sein. ist euch das auch schonmal aufgefallen?

& apropos botanischer garten . ich war kürzlich wieder in hohenheim, & es gibt keine große artenvielfalt, was unkräuter angeht, aber was da wächst, hat's in sich. in den tulpenbeeten, wo ja in der richtung jetzt nix mehr los ist, haben fingerhirse, ackerschachtelhalm & winde unter den schildchen der verschiedensten tulipas ein flächiges bild abgegeben. aber die erde will halt nicht nackig sein. ist auch verständlich. sie braucht das als schutz.
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gudrun

 [M]
Also bei mir kann alles bis zu einem gewissen Maß in den Beeten bleiben
bis auf Oxalis corniculata!
Da muß ich unwahrscheinlich hinterher sein zum Entfernen, den das ist ausbreitungsfreudiger als alles andere

Brennesseln, Disteln, Gänseblümchen, Löwenzahn habe alle ihre Stellen,
wo sie auch recht ungehemmt dürfen
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aceituna

Bei mir zählt alles, was wo wächst, wo ich es nicht haben will und sich stark vermehrt/wächst / "unausrottbar" ist zu Unkraut, jedenfalls in meinem Garten. Dazu gehören Löwenzahn, obiger Hornsauerklee, Giersch etc... aber auch irgendsoeine Salbei-Art, die fleißigen Lieschen (?) die sich in meinem einem Beet nicht vertreiben lassen und auch Mahonien (dornige Blätter) und am mancher Stelle Walnuß-bäumchen oder --- nicht hauen --- Rosen.
Dafür guck' ich mir so manches Kraut an, warte was draus wird und entscheide dann, ob es bleiben darf oder nicht.
LG
Ursula
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Rouge

vor allem, weil die Mahonien (so schön sie im Frühling auch blühen mögen oder jetzt die blauen Beeren haben) sich durch Vogelkot leider im ganzen Garten ausgebreitet haben ... in dem Beet, das wir jetzt ab September/Oktober neu gestalten wollen, sind sage und schreibe im Moment 35 (!!!) Mahoniensträuchlein drin ... auf ca. 20 m² ... und DA will ich sie nicht haben ... ich brauch den Platz schließlich für ein paar andere Stauden. Und abgesehen davon siehts in so 'nem kleinen Garten wie dem unseren doch langweilig aus, wenn sonst nix mehr (außer ca. 15 Rosenbüschen - alle rosa ) blüht ...

Ich mags halt bunt im Garten und in den Beeten und Kästen ... Und es sollte, wenn möglich, das ganze Jahr über ein bißchen blühen.

Fazit: So gesehen, sind die Mahonien ebenfalls Unkraut ... ebenso wie die ganzen rosa Rosen ... weils einfach zu viel ist ...

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