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Erholen - Erleben - Erfahren
Vom Wiederaufbau zur Nachhaltigkeit
Jubiläen und Jahrestage geben immer gern Anlass zu Chroniken, Bestandsaufnahmen und Erinnerungen. Am 30. April 2009 feiert der Dortmunder Westfalenpark sein 50-jähriges Bestehen, und die Chronik dieser grünen Lunge der Ruhrmetropole ist ein perfektes Beispiel für die nachhaltige Entwicklung eines städtischen Naherholungsbereichs. Als Gelände für die Bundesgartenschau (BUGA) 1959 angelegt bzw. wiederhergestellt, wurde der Westfalenpark durch zwei weitere BUGAs erweitert und zählt mit seinem vielfältigen Unterhaltungs-, Freizeit- und Informationsangebot noch heute zu den beliebtesten Ausflugszielen für Kinder, Eltern und Großeltern im Ruhrgebiet.
Eintrittskarten für Ehefrauen
Viele Großeltern können sich heute noch gut daran erinnern, wie sie selbst als Kind die BUGA 1959 mit ihren Eltern besuchten. Damals gab es gelbe Dauer-Eintrittskarten zum Preis von fünf DM für Kinder. Ehefrauen konnten eine rosafarbene Dauerkarte für zehn DM lösen und ihre Ehemänner mussten als "Haushaltungsvorstand" eine grüne Eintrittskarte für fünfzehn DM kaufen. So war das eben damals vor 50 Jahren im Wirtschaftswunder-Deutschland. Das einsetzende Wirtschaftwunder war zugleich der Auslöser für einen steigenden Bedarf an Erholungsflächen für die Bevölkerung. Nach den harten Kriegs- und Nachkriegsjahren ging es den Leuten wirtschaftlich besser und jetzt wollten die hart arbeitenden Menschen wieder Spaß, Freude und Unterhaltung haben. Gerade im Ruhrgebiet, dem damaligen industriellen Herzen des Landes, war der Wunsch nach Erholungsflächen und Grünanlagen sehr groß. Die Dortmunder Stadtväter beschlossen daher, sich um die Ausrichtung der fünften Bundesgartenschau zu bewerben. Der noch immer vom Krieg gezeichnete 11 Hektar große Kaiser-Wilhelm-Hain aus dem Jahre 1894 sollte dazu für die BUGA 1959 nicht nur wiederhergestellt werden, sondern als Stadtpark zum "Erholen, Erleben und Erfahren" noch schöner und prächtiger werden als jemals zuvor. Die Parkplaner wollten der Bevölkerung aber nicht nur grüne innerstädtische Landschaften und blühende Blumenbeete bieten. Sie wollten das Wirtschaftswunder auch durch moderne Architektur und Technik symbolisieren. So entstanden für die BUGA der Fernsehturm, die Klein- und Sesselbahn, vielfältige Wasserspiele sowie das Parkcafé im typischen Architekturstil der 50er Jahre. Vieles davon wurde über ein halbes Jahrhundert erhalten und schenkt den Besuchern des heutigen Westfalenparks eine kleine Zeitreise in die 50er Jahre, als es eben noch besondere Eintrittskarten für den Haushaltungsvorstand und seine Ehefrau gab.
Natur und Architektur
Schon zehn Jahre nach der ersten Dortmunder BUGA war der Westfalenpark 1969 erneut Schauplatz einer Bundesgartenschau. Der Namenszusatz "Euroflor" signalisierte ein internationales Ereignis, in dessen Mittelpunkt zeitgemäße Gartenthemen wie Hausgartengestaltung, Balkonbegrünung und Kübelbepflanzung standen. Doch auch in architektonischer Hinsicht sollte diese BUGA wieder neue Akzente setzen. Das vom Architekten Günter Behnisch errichtete Sonnensegel gilt nach wie vor als Experimentalbau einer freitragenden Dachkonstruktion. Nachdem Behnisch auf der BUGA 1969 die Machbarkeit einer solchen Deckenkonstruktion bewiesen hatte, wurde das Münchner Olympiastadion nach diesem Vorbild gebaut. Anlässlich dieser zweiten BUGA in Dortmund wurde der Westfalenpark auf der westlichen Seite um zehn Hektar erweitert. Ein Teil dieses neuen Geländes wurde für die Einrichtung des Deutschen Rosariums genutzt, das gemeinsam von der Stadt Dortmund und dem Verein Deutscher Rosenfreunde (VDR) auf der BUGA gegründet wurde. Aufgrund widriger Standortbedingungen musste das Rosarium 1987 innerhalb des Westfalenparks umziehen und wurde im Kaiserhain neu angelegt.
Romantik statt Substanzerhaltung
"Aller guten Dinge sind Drei" mag man sich auch in Dortmund gedacht haben, als sich die Stadt gegen Ende der achtziger Jahre um die Ausrichtung der BUGA 1991 bewarb. Die Zeit zwischen der zweiten und dritten Dortmunder Bundesgartenschau wurde aufgrund knapper Finanzmittel überwiegend zur Substanzerhaltung der Anlagen des Westfalenparks genutzt. Zu dieser Zeit war der Park eher wegen seiner vielen attraktiven Veranstaltungen bekannt und beliebt. Mit der dritten BUGA wurde den Gartenanlagen und den Gebäuden der ersten beiden Gartenschauen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Zu den wichtigsten Veränderungen zählte dabei der Rückbau der breiten Promenaden zu schmalen Wegen, auf denen die Besucher nun auch in ruhigere und romantische Parkbereiche gelangen. Für die BUGA 1991 und auch in den folgenden Jahren wurde das Rosarium weiter ausgebaut. Heute können sich die Besucher an einer Rosensammlung aus über 3.000 verschiedenen Sorten in 38 Stationen, so zum Beispiel einer Kletterrosenwand, einer Roseninsel und einem Jugendstilrosengarten, erfreuen.
Breites Freizeitangebot im Grünen
Im Laufe der Jahre ist der Westfalenpark auf stattliche 70 Hektar gewachsen und zählt damit aktuell zu den größten innerstädtischen Parkanlagen in Europa. Darüber hinaus ist das Gelände von drei Bundesgartenschauen ein exzellentes Beispiel für den Nachhaltigkeitsfaktor, der ein wichtiges Ziel jeder BUGA ausmacht. Durch die fortwährende Weiterentwicklung des Parks, auch nach der eigentlichen Laufzeit der BUGAs, können sich Besucher jeden Alters heute über sehr vielfältige Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten freuen. Das Informationsangebot im Westfalenpark reicht vom Kochbuchmuseum über das Brotbacken in einem Backhaus aus dem 18. Jahrhundert, einer Kunstgalerie im Torfhaus und dem Sonnenenergieforum eines regionalen Energieversorgers bis zur Himmelsbeobachtung in der Sternwarte. Kinder hingegen haben viel Spaß auf der Trampolinanaloge "Frog Jump", im Puppentheater oder auch im Kindermuseum "mondo mio!", in dem noch bis Mitte April 2009 eine Mitmach-Ausstellung zum Thema "Vielfalt und Toleranz" läuft. Aber auch die Pflanzen- und Gartenfreunde kommen bei einem Besuch des Westfalenparks auf ihre Kosten: Das AGARD-Naturschutzhaus, der geologische Garten, das Rosarium und nicht zuletzt der "Florians Garten" bieten neben den zahlreichen Zier- und Grünflächen des Parks intensiven Kontakt zur Natur.
Beispielhafte Nachhaltigkeit
In dem breiten Angebot des Westfalenparks stellt der "Florians Garten" eine Besonderheit dar: Als "Modellanlage eines nachhaltigen Stadtparks" ist diese Gartenanlage im wahrsten Sinne des Wortes ein Muster für die ideale Gestaltung von öffentlichem Grün und demonstriert damit auf dem intensiv genutzten ehemaligen BUGA-Gelände vorbildliche Nachhaltigkeit. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Nachhaltige Stadtparks", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, ist der 12.000 m² große "Florians Garten" konzipiert und angelegt worden. Neben dem botanischen Obstgarten in Heilbronn zählt der Dortmunder "Florians Garten" zu den beiden einzigen Modellanlagen des BMBF-Forschungsprojekts. In diesem Jahr wird die Anlage mit über 45.000 Stauden, Gräsern und Farnen sowie mehr als 90.000 Blumenzwiebeln neue Akzente setzen. Damit auch die nachfolgende Generation für grüne Themen sensibilisiert wird, bietet der "Florians Garten" viele spannende Erlebnisse für Kinder. In Zusammenarbeit mit dem AGARD-Naturschutzhaus im Westfalenpark und der Natur- und Umweltschutzakademie NRW wurde im letzten Jahr die Veranstaltung "Kinder brauchen Naturerfahrung" initiiert. In diesem Jahr können die Kinder unter dem Motto "Naschgarten" die Bereiche des "Florians Garten" in den verschiedenen Jahreszeiten entdecken. Das spielerische Heranführen von Kindern und Jugendlichen an Natur- und Umweltthemen und die Sensibilisierung für grüne Gestaltung unseres städtischen Lebensraums hat gerade unter dem Nachhaltigkeitsaspekt einen hohen Stellenwert. Nicht zuletzt deshalb sind auf jeder BUGA interessante Angebote für junge Besucher zu finden.
DBGG
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