Ich hab' das gerade vor ein paar Tagen erst nachgeschaut:
Agaven stammen (wie Yuccas) aus der Neuen Welt, während Aloen aus Afrika und Arabien stammen.
Das das Bild von 1504 sein soll, ist das mit der Agave zwar nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich. Bei einer biblischen Darstellung würde ich auch eher erwarten, daß die Pflanzen entweder einheimisch sind, oder den Nahen Osten repräsentieren
(mit Ausnahme von späteren Bildern, die den Garten Eden oder eine betont luxuriöse Umgebung darstellen, da könnten Neuweltpflanzen als Ausdruck von Reichhaltigkeit/Reichtum dienen).
Zitat geschrieben von Suedblume
Ich hätte es eher für den Blütenstand einer Aloe gehalten...und dann sind wir im frühen Frühjahr. Das würde auch die Abwesenheit der Früchte am Baum erklären.
Zu einem holländisches Still-Leben des 17 Jhdts hat mir mal jemand erklärt, die Maler hätten zwar naturgetreu gemalt, aber wollten natürlich die Pflanzen in ihrer schönsten Form (sprich: blühend oder fruchtend) darstellen, d. h. man kann sich auf Bildern nicht darauf verlassen, daß die Blüte-/Reifezeitpunkte stimmen. Hat man eine Pflnaze sicher bestimmt, und sie blüht, kann man daraus nicht schließen, daß eine zweite Pflanze nicht X oder nicht Y sein kann, weil sie zum selben Zeitpunkt (nicht) blühen oder Früchte tragen würde.
Ich weiß nicht, ob das für Giorgiones Zeit auch gilt, ist aber anzunehmen, wenn die Symbolik einer Pflanze (die ja ggfs. eher in der Blüte oder in der Frucht repräsentiert wird) wichtiger ist, als die Pflanze selbst.
Was mich an ein weiteres Problem erinnert hat: in der Bibel werden ja einige Pflanzen und Tiere erwähnt, von denen man bis heute nicht weiß, welche uns bekannten Pflanzen ihnen entsprechen (Stichwort "Manna"). Ein Maler könnte also in einer biblischen Darstellung, wenn er bestimmte "biblische" Pflanzen verwenden wollte, u. U. auch "frei" interpretiert haben und die ein oder andere Pflanze so dargestellt haben, wie er sie sich vorgestellt hat.
Falls es weder eine einheimische, noch eine unbekannte "biblische" Pflanze ist, könnte das Problem aber in ähnlicher Form auch für "real existierende" Pflanzen aus dem arabischen Raum gelten, wenn der Maler mal Jahre zuvor eine Zeichnung / einen Stich eines Reisenden gesehen hatte, und sich nur dunkel daran erinnert, oder sich an Gemälden seiner Vorgänger orientiert, so daß von "Kopie zu Kopie" wichtige Merkmale der Pflanze verfälscht wurden. Oder er kennt nur die getrocknete Pflanze aus einer Apotheke oder einer Wunderkammer, und versucht daraus das Aussehen einer lebenden Pflanze zu rekonstruieren.