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Seitentriebe bei Pfropfung und Veredelung

Die richtige Pflanzenpflege, Pflanzenschnitt, Veredelung ...
Worum geht es hier: Richtige Pflanzenpflege, schneiden und veredeln...
Die richtige Pflege von Pflanzen umfasst das Düngen (welcher Dünger und wie oft düngen), Schneiden (wie schneiden und wann wird geschnitten), Wässern (wieviel Wasser und wie oft gießen), Standort der Pflanze (wieviel Licht oder Schatten), Boden (welche Erde oder Substrate), Überwinterung (wie überwintern und bei welchen Temperaturen, winterharte oder nicht), Veredelung (welche Technik zum veredeln, okulieren, anplatten oder pfropfen).
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Vielleicht ist die Antwort auf meine Frage recht banal:
Wieso wächst du Unterlage bei gepfropften Pflanzen eigentlich nicht weiter? Als Beispiel könnte ich nennen Erdbeerkaktus oder E. cristata gepfropft auf irgendeiner Euphorbia (meist lactea).

Würde die Unterlage prinzipiell wieder wachsen, wenn man den gepropften Teil entfernen würde? Es sollte doch für eine Euphorbia nicht zu schwer sein sich zu verzweigen und dann weiterzuwachsen, oder? Woran scheiterts denn nun?

lg marie
Zuletzt geändert von Gluggsmarie am Fr 21 Jan, 2011 14:53, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragDo 20 Jan, 2011 20:05
Prinzipiell kann die Unterlage ohne weiteres weiterwachsen.

Sind z.B. "Augen", Glochidien oder Triebstellen an der Unterlage, können hier ganz normale Triebe herauswachsen.

Diese "Wildtriebe" sollten dann aber entfernt werden, da ansonsten die Kraft nicht mehr in den Pfröpfling geht, sondern in die neuen Triebe der Unterlage.

Wird der Pfröpfling entfernt, treibt die Unterlage an den Triebstellen wieder aus und wächst als normale Pflanze weiter.
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BeitragDo 20 Jan, 2011 22:48
Aber warum entstehen diese Wildtriebe fast immer nur dann, wenn man das gepfropfte entfernt? Dieses Phänomen gibt es ja auch bei Gehölzen. Sobald man die Veredelung wegschneidet treibt die Unterlage munter aus. Ich weiß jetzt zwar nicht, ob man Gehölze mit Sukkus vergleichen kann, aber du weißt wie ich das meine, oder?

Hat das Veredelte beispielsweise die Fähigkeit, die Unterlage hormonell zu unterdrücken (so wie bei Bananenmutter+Kindel)?

lg marie
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BeitragDo 20 Jan, 2011 22:56
Nein. Die Unterlage und der Pfröpfling bilden ja quasi eine Einheit. Und der Pfröpfling wächst ja munter. Bei der Unterlage kommt nur an "wir wachsen, alles okay". Daher treibt sie nicht oder nur sehr selten seitlich neu aus, bildet aber fleißig Wurzeln.

Schneidest du den Pfröpfling runter merkt die Unterlage plötzlich "Ui, man hat uns die Rübe abgeschnitten - schnell verzweigen und weiterwachsen" ganz genau wie auch eine normale Pflanze. Dann aktiviert sie schlafende Augen und treibt seitlich neu aus.

Das ist jetzt schon seeehr unwissentschaftlich erklärt - aber ich denke es ist im Großen und Ganzen korrekt.

Manche Unterlagen treiben gerne trotzdem immer wieder aus - zB normaler Hasel auf den Korkenzieherhasel veredelt wurde. Diese Wildaustriebe sollte man aber eben wegschneiden, wie Dieter schon schreibt, weil sie sonst Kraft kosten, die dann der Pfröpfling nicht mehr zur Verfügung hat. Irgendwann würde der dann abgestoßen/verdrängt werden und absterben.
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BeitragDo 20 Jan, 2011 23:02
=D> Ich find's ganz toll und verständlich erklärt, ZiFron :wink:
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BeitragDo 20 Jan, 2011 23:15
Ja, gut erklärt ist es!
Ich fragte mich halt immer, warum die Unterlage (jetzt muss ich wieder das Euphorbia Beispiel nehmen) nicht einfach paar Seitentriebe macht. Das gepfropfte "Ding" ist ja fast immer Photosynthese-Unfähiger Ballast! Nur ein Seitentrieb würde reichen, dass meine gepfropften Pflanzen mir innerhalb kürzester Zeit übern Kopf wachsen, weil die Pflanze dann halt wieder Energie-Überschuss hat und das dann ins Wachstum steckt. Aber du sagst ja diese Pfropfung bildet eine so gute Einheit, dass die Unterlage es nicht "rafft". Und da sie unter normalen Umständen nicht so weit unten am Stamm spontan verzweigen würde macht sie es hier auch nicht... :idea:

Korkenzieherhasel ist ein gutes Beispiel was ich auch schon aufführen wollte. Die bodennahen Wildtriebe sind ja unerwünscht und überwuchern schnell den Rest. Ist meine Schlussfolgerung richtig, dass man bei der Unterlage in erster Linie darauf achten muss, dass die nicht spontan am Stamm verzweigt? Wird tatsächlich danach ausgewählt?
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BeitragFr 21 Jan, 2011 14:22
Möchte mal versuchen die Dinge etwas zu klären.
Grundsätzlich sieht es so aus, dass immer die Unterlage der dominierende Teil einer Pflanze - die veredelt wurde - bleibt!
Dazu gibt es unterschiedliche Gründe:
1) Die Unterlage ist in der Regel viel vitaler und robuster - was das Wachstum angeht.
2) Dazu kommt bei vielen Pflanzen, dass eben diese Unterlage auch aus dem Wurzelbereich neue Triebe bildet, die dann mit der Zeit die Veredlung überflügeln.
Beispiel : Hasel, Rosen und andere.
3) Die Veredlung ist ja oft eine zierende Mutation einer Pflanzenart, die durch Blüte, Blattfarbe oder Zwergwuchs bestechen kann und deshalb nicht so stark wächst.
Will man nun diese Spielarten besonders hervorheben, so ist es eben dringend notwendig, ihnen den Platz einzuräumen, der dafür notwendig ist! Bedeutet: Wildtriebe der Unterlage - ob aus dem Wurzelbereich kommend, oder Austriebe am Stamm - möglichst umgehend entfernen.
Das gilt im Grundsatz bei allen Pflanzenarten die veredelt werden.

Auch bei Obstgehölzen gilt das in gleicher Weise.

Des Öfteren kann man an Gehölzen die Veredlungsstellen auch noch nach langen Jahren erkennen, dann, wenn Unterlage und Veredlung nicht gleich stark wachsen - sich u.U. auch nicht besonders gut vertragen - z.B. schwächer wachsende Unterlage und stärker wachsende Veredlung oder umgekehrt.

Vielleicht hilft das ja zum besseren Verständnis.

In diesem Sinne
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BeitragFr 21 Jan, 2011 14:52
Hallo Niklas,

vielen Dank auch dir für deine Hilfe! Du schreibst zwar nicht viel in diesem Forum, aber wenn du was schreibst dann ist das A+, ich lerne viel dazu!

Des Öfteren kann man an Gehölzen die Veredlungsstellen auch noch nach langen Jahren erkennen, dann, wenn Unterlage und Veredlung nicht gleich stark wachsen - sich u.U. auch nicht besonders gut vertragen - z.B. schwächer wachsende Unterlage und stärker wachsende Veredlung oder umgekehrt.


Dazu hätt ich gleich eine Frage: Ist das der Grund, warum man bei vielen Zierkirschen Wucherungen an der Veredelungsstelle (verursacht durch Agrobacteria??) findet? Häufig haben diese Kirschen einen mächtigen Stamm, der von den Relationen her gar nicht zu den veredelten Ästen passt. Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch an der Veredelungsstelle Risse entstehen, wo Bakterien eindringen können :-k

edit: @Moderation, war das ok dass ich den Titel des Threads nachträglich geändert habe, damit es besser zum Threadinhalt passt?
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BeitragFr 21 Jan, 2011 15:44
Hallo - Gluggsmarie -

Es gibt einen Beitrag der - Veredlungsstellen im Alter - beschreibt - auch mit Bildern dazu. Doch hier bekommst Du ein paar ganz speziell für Dich mit passender Beschreibung:

http://green-24.de/forum/viewtopic.php? ... highlight= Diese Seite zeigt dir das noch einmal.
Bilder über Seitentriebe bei Pfropfung und Veredelung von Fr 21 Jan, 2011 15:44 Uhr
Veredlungsstellen 7.jpg
Das ist eine schwach wachsende Zierkirsche als Strassenbegrünung gepflanzt.
Veredlungsstellen 6.jpg
..... und hier kannst Du die Veredlungsstelle am gleichen Baum sehen - wobei der Stamm deutlich stärker gewachsen ist.
Veredlungsstellen 8.jpg
Dieses Bild zeigt einen Apfelbusch auf schwach wachsender Unterlage. Ganz deutlich ist das zu erkennen an dem dicken Knoten direkt über dem Boden.
Veredlungsstellen 1.jpg
Gleichmäßig stark dagegen sind hier Unterlage und Veredlung gewachsen und doch ist die Stelle der Veredlung auch an so alten Bäumen noch gut zu erkennen - Blutbuche rund 150 Jahre alt -.
Walnuss 35 Jahre alt.jpg
Auch gleichmäßig stark gewachsen ist hier Unterlage und Veredlung. Der Baum - Walnuss ist rund 35 Jahre alt -. Die Unterlage ist - Schwarznuss - und zeichnet sich, durch die ganz andere Rindenstruktur, deutlich ab.
Veredlungsstellen 3.jpg
Nochmal zu Blutbuchen - auch hier gibt es ganz deutliche Unterschiede zwischen Unterlage und Veredlung.
Veredlungsstellen 2.jpg
Noch einmal Blutbuche - eben anders rum. Auch die beiden sind runde 150 Jahre alt.
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BeitragFr 21 Jan, 2011 16:35
:shock: Die 1. Blutbuche und die Walnuß sind ja schon der Hammer ... das sieht aus, als wäre der Baum abgeschnitten worden und dann wieder zusammengesetzt 8)
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BeitragFr 21 Jan, 2011 17:04
Hochinteressant :shock:


Und sehr gute Erläuterungen, auch für so totale Laien wie mich.
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BeitragFr 21 Jan, 2011 17:12
Ja, ich bin auch total beeindruckt! Tolle Fotos =D>
Hatte immer gedacht die Wucherungen der Veredelungsstelle ist durch Backies verursacht. Dass es doch "nur" die unterschiedlichen Wuchsgeschwindigkeiten sind, daran hätte ich nie geglaubt...
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BeitragFr 21 Jan, 2011 17:14
Verrückt! Im Stadtpark Nürnberg stehen auch ein paar Blutbuchen, die ganz ähnlich aussehen. Und bei uns in der Straße sind es Robinien.

Danke für die Fotos!"
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BeitragFr 21 Jan, 2011 17:34
ich finde den gesamten Thread hochinteressant :wink: Tolles Thema :D
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BeitragFr 21 Jan, 2011 18:16
Gluggsmarie hat geschrieben: Dass es doch "nur" die unterschiedlichen Wuchsgeschwindigkeiten sind hätte ich nie geglaubt...

Manche Verwachsung ist sogar typisch für die jeweilige Kombination. Die Stammknolle des gezeigten Apfels tritt auf bei Verwendung der Unterlage M9 auf, ist also unterlagentypisch, das Zierkirschenbild ist typisch für die Sorte 'Kanzan' und bei den Süßkirschen gibt es ein sehr auffälliges Überwallungsmuster, ich meine bei 'Souvenir de Charme', so dass man diese Sorte schon von weitem erkennt (Foto mach ich noch bei Gelegenheit, obwohl, bei den alten Bäumen weiß man nie, ob sie beim nächsten Besuch noch stehen) .
Grüße H.-S.
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