Allgemeines zur Anzucht aus Samen

 
Nebet Wadjet
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Allgemeines zur Anzucht aus Samen

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Gepostet: 23.10.2007 - 16:58 Uhr  ·  #1
Weil hier ja doch immer mal wieder bestimmte Fragen auftreten...... basierend auf eigenen Erfahrungen....

Zur Bananenanzucht:
Zunächst ist es wichtig, dass das Saatgut einigermaßen frisch ist, denn Musasamen verlieren schnell an Keimfähigkeit, je älter sie sind.
Man hat die Möglichkeit, sie etwas anzufeilen, um die Samenhülle durchlässiger zu machen. Ich nehme hierzu eine alte Feile oder altes Schmirgelpapier und reibe die Samen vorsichtig einzeln darüber. Etwas Fingerspitzengefühl ist gefragt, die Schale sollte auch nur leicht angeraut werden....., am besten von allen Seiten, wobei ich die runde helle Stelle

ausspare, denn hier heraus soll sie ja mal keimen.....
Anschließend kommen die Samen ins lauwarme Wasserbad- ich stelle das Töpfchen auf die Heizung und lasse sie mindestens 2 Tage schwimmen und schön vorquellen.
Wenn die Zeit um ist, kommen sie direkt in Torftöpfchen mit Anzuchterde und dann werden sie schön kuschelig warm (ca. 22-28°C) gestellt in ein kleines Gewächshaus mit geschlossenem Deckel. Es sollte auf jeden Fall feucht, aber auf keinen Fall zu nass sein.
Nun beginnt das Warten, es kann 2 Monate oder länger dauern bis sich das hier zeigt:


Allgemein zur Anzucht von hartschaligen Samen:
Z.B. Johannisbrotbaum, Korallenstrauch, Annona-Arten etc.
Die lasse ich immer in sehr warmen Wasser vorquellen, mindestens 2-3 Tage.
Und dann ab in reines Perlite oder Anzuchterde, je nachdem, welche Möglichkeiten man hat.
Ich stelle die auch schön hell, warm und sorge für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit, am besten in einem Minigewächshaus.

Allgemein zu Samen in Fruchtfleisch:
Als beste Methode das Fruchtfleisch bei Samen von Passionsfrüchten, Kiwis, Pitahayas, Guaven, Feijoas etc. zu entfernen, hat sich folgendes bewährt:
auf Küchenpapier wird die Frucht zerteilt und das Fruchtfleisch vorsichtig auseinandergerieben. Dann leicht antrocknen lassen und immer wieder zwischen dem Küchenpapier reiben, bis der Samen vollständig vom Fruchtfleisch entfernt ist. Ist zwar etwas aufwändig und dauert auch seine Zeit, aber ungemein effektiv.

Das war es mal fürs Erste, weitere Tipps kommen nach und nach....
Nebet Wadjet
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Materialien zur Anzucht

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Gepostet: 24.10.2007 - 09:13 Uhr  ·  #2
Als nächstes möchte ich mich mal den verschiedenen Anzuchtmaterialien zuwenden.

Es gibt:
- Torftöpfchen in unterschiedlichen Größen
- Torfquelltöpfchen oder Jiffy
- Kokohum
- Anzuchterde
- Perlite

und natürlich noch viel mehr Blähton, Seramis, etc...)- das sind aber die gängisten, die ich verwende.


Torftöpfchen (bei mir immer mit Anzuchterde):


Da gerade Musasamen leider nicht in Perlite keimen, verwende ich für diese oder andere größere Samen Toftöpfchen, wenn ich gerade nicht Kokohum zu r Hand habe, die ich mit Anzuchterde befülle.
Beim Umtopfen in ein größeres Gefäß muß man die Pflänzchen nicht aus den Toprftöpfchen holen, sondern sie einfach zusammen mit diesen in den neuen Topf setzen.

Zu Torf und Torfersatzprodukten:
http://www.abfallwirtschaft.st…ersion.pdf


Torfquelltöpfchen:

Die gibt es in gepreßter Form.

Ich geb sie dann immer mit der offenen Seite nach oben in ein mit warmen Wasser befülltes Gefäß zum Aufquellen. Das dauert ein paar Minuten, dann saugen die sich voll und können verwendet werden.

Aber bitte vorher noch einmal vorsichtig auspressen, sonst sind sie zu naß und die Samen können verschimmeln.


Kokohum:

Gibts in Form dieser länglichen Briketts und besteht aus gepreßten Kokosnussfasern.

Die sind ganz schön hart und manchmal braucht man ja nur einen kleinen Teil. Mein Tipp: Trotzdem alles in warmen Wasser ca. 5 Minuten vorquellen lassen: das ganze Brikett in einen großen Eimer, ca. 4l Wasser dazu- ergibt 7l Kokohumerde. Anschließend gut ausdrücken, damit das überschüssige Wasser abläuft. Es sollte nur leicht feucht sein.
Danach kann man sich so viel nehmen, wie man gerade braucht. Der Rest wird wieder getrocknet, bei Bedarf feucht gemacht und verwendet werden.

Vorteile:
- Kokohum ist übrigens ganz leicht grundgedüngt und torffrei.
- pH-neutral
- nimmt Feuchtigkeit schnell auf und hält sie lange (wegen der Faserfestigkeit)
- reines Pflanzenfasersubstrat
- sehr locker, Pikieren (Pflänzchen vereinzeln) funktioniert ohne größere Probleme

Hervorragend ist es auch zur Untermischung von Blumenerde geeignet...


Anzuchterde:
Anzuchterden sollten keimfrei und nährstoffarm sein.

Um die Keimfreiheit wirklich zu gewährleisten, kann man die Erde in ein mikrowellenfestes Gefäß geben und bei 700 Watt ca. 6 Minuten, bei 900 Watt ca. 3 Minuten bruzeln lassen. Die Erde sollte aber vorher immer angefeuchtet werden!
Das kann man übrigens auch mit normaler Erde machen, um z. B. zu verhindern, dass sich irgendwelche Larven, die sich darin eingenistet haben, zum Ausbrüten kommen- Trauermückenlarven!


Perlite:
Hierbei handelt es sich um ein mineralisches Substrat, das aus natürlichem Vulkangestein hergestellt wird.

Es wird auf über 1000°C erhitzt, dabei schäumt es durch seinen hohen Wassergehalt auf das 15- bis 20fache seines Ausgangsvolumens auf.
Vorteil:
- keimfrei, keine organischen Materialien darin enthalten
- keine Nährstoffe
- locker und leicht, Samen lassen sich gut pikieren, ohne die Wurzeln zu verletzen
- feine Poren speichern Wasser ganz ausgezeichnet
- erhöhte Luftdurchlässigkeit
- pH-neutral

Ich fülle das Perlite in eine Anzuchtschale (mit oder ohne Deckel) oder in verschließbare Gefrierbeutel,

gebe Wasser dazu bis es sich schön vollgesaugt hat, warte kurz und gieße das überflüssige Wasser wieder vorsichtig ab. Fertig ist die Keimbox. Samen hinein und dann wird das Ganze an einen warmen kuscheligen Ort gestellt.
Der Vorteil von den geschlossenen Gefäßen ist, dass man kein Wasser nachgießen muß, da die Feuchtigkeit wegen der ausgezeichneten Speicherkapazität im Inneren erhalten bleibt.

Übrigens alles zur Anzucht gibts auch im Shop:
http://www.green24.de/pflanzen…index.html
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Samen & Anzucht & Vermehrung

Worum geht es hier?
Vermehrung, Anzucht und Aufzucht von Pflanzen...
Vermehrungsarten (wie kann ich eine Pflanze vermehren), Saatgut (in welcher Erde, wie zur Keimung bringen, Samen ernten), Aussaat (wann aussäen, Temperatur zum Keimen, wie viel Licht und Luftfeuchtigkeit, welches Wasser und wie oft gießen), Pikieren (wann teilen, Wurzeln trennen und vereinzeln, wie und wann umpflanzen), Stecklinge (wann schneiden und wie anschneiden), Anzucht (welches Substrat, im Gewächshaus oder Freiland), Düngen von jungen Pflanzen, Blüte und Frucht (wann kommt das erste Blatt, die erste Blüte oder Früchte).

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