Absterbende gelbe Hamamelis

 
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Absterbende gelbe Hamamelis

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Gepostet: 18.01.2012 - 16:15 Uhr  ·  #1
hallo !

meine gelbe zaubernuss ist etwa 25 jahre alt, also schon ein recht stattliches exemplar.
seit ca. 8-10 jahren beobachte ich ein langsames absterben der äste von der spitze her.
das äußert sich in jährlichem kleinerwerden der blätter bis schließlich gar kein austrieb mehr stattfindet. standort : beet, volle sonne. vor - und nachmittags auch leichter schatten.
manchmal kommt noch einmal ein schwacher neutrieb, der aber dann ebenfalls abstirbt.
auf den ästen befinden sich zahlreiche blattflechten, was aber m.e. nichts mit dem "sterben" der pflanze zu tun hat. diese flechten siedelten sich schon recht früh auf dieser hamamelis an.
boden :
das pflanzsubstrat wurde ständig verbessert , u.a. mit ED73 erde ( mehrere säcke untergearbeitet ) sodass es eigentlich auch daran nicht liegen dürfte. also sauer genug. die pflanze wurde auch in heißen sommer-perioden regelmäßig gewässert.
die pflanze steht frei, als solitär, im beet . somit hat sie keine konkurrenz anderer gehölze zu "fürchten". im abstand von ca. einem meter (!) um die pflanze haben wir rasen, der natürlich öfter begangen wird.
an den blättern sind, außer dass sie jährlich kleiner werden, keine pilz- oder viruskrankheiten zu erkennen. auch am fuß der pflanze kann ich keine großpilze , hallimasch ect., entdecken. die abgestorbenen großen äste habe ich mittlerweile entfernt.
trotzdem blüht die pflanze, wenn auch wesentlich spärlicher als in früheren jahren, regelmäßig noch.

ich habe dieses phänomen schon des öfteren bei älteren zaubernüssen , vor allem in vorgärten wo sie ja besonders augenfällig sind, beobachtet. sie sterben einfach langsam ab.

wer kann mir eine erklärung für dieses zaubernuss-phänomen liefern ?

würde mich über eine antwort sehr freuen.

vg. werner
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Re: Absterbende gelbe Hamamelis

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Gepostet: 18.01.2012 - 16:55 Uhr  ·  #2
Hallo Werner,

ich habe verschiedene Erfahrungen und Beobachtungen zur Hamamelis in den Gärten gemacht.
Einerseits verträgt sie keine Staunässe (graben und nachschauen).
Manchmal sind Wühlmäuse schuld (Löcher / Eingänge in der Umgebung).
Zu niedriger PH-Wert und zu viel Humus (übermäßige Bodenpflege).
Zu hoher Kalkgehalt in den unteren Bodenschichten.
Zu schattiger Standort.
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Re: Absterbende gelbe Hamamelis

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Gepostet: 18.01.2012 - 22:31 Uhr  ·  #3
Moin,

eine Ursache, an die man kaum denkt, die aber oft für ein langsames Absterben verantwortlich ist, ist noch aus den Kindertagen der Pflanze. In der Anzucht werden die Wurzeln oft von den Baumschulern korkenzieherartig eingedreht. Den genauen Grund hat mit ein Kollege mal genannt, komme aber gerade nicht drauf . Wenn wir bei uns Gräser oder andere Stauden teilen und die Teilstücke haben zu lange Wurzeln, die nicht geschnitten werden sollen, drehen wir sie auch um die Basis der Pflanze, damit sie besser zu topfen geht. Bei Stauden kein Problem, denn die Wurzeln verholzen nicht und haben kaum ein sekundäres Dickenwachstum. Bei Gehölzen sieht das anders aus. Die um den Stamm gedrehten Wurzeln erwürgen die Pflanze bei ihrem Wachstum regelrecht. Viele Gehölze, die ich bei uns im Verkauf zur Verbesserung der Qualität einschlage, haben diese Drehwurzeln und ich muss den Topf-Ballen oft aufreissen und die Wurzeln entwirren. Vor allem bei Gehölzen mit mitten- oder spitzenwüchsigen (mesoton und akroton) Wachstum (Bäume, Magnolien, Hamamelidaceae) ist das ein großes Problem.
Eine andere Möglichkeit ist eine zu tiefe Pflanzung. Bei besagten Gehölzen sollte der Wurzelansatz immer mindestens mit der Bodenoberfläche abschliessen. Es sollte mit der Zeit ein Wurzelstuhl wie bei den Bäumen im Wald entstehen. Bei zu tiefer Pflanzung entwickeln sich oft Büschel aus Adventivwurzeln und diese können dann bei ihrem Dickenwachstum die empfindliche Rinde des Wurzelstuhls aufreissen. Auch bleibt die Borke dort viel dünner und in beiden Fällen können Pilze eindringen, die dann die Pflanze langsam abtöten.
Beide Ursachen zeigen sich oft in langsamen Dahinsiechen der Pflanze.

Die Flechten auf den Ästen sind zwar keine Schädlinge, aber wenn sie auf die dünnen Zweige wandern, kann man sagen, das es dem Wirt absolut nicht gut geht.

Wäre das eine Möglichkeit?
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Re: Absterbende gelbe Hamamelis

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Gepostet: 19.01.2012 - 17:03 Uhr  ·  #4
hallo frank,
hallo stefan !
ich danke euch für eure stellungnahme !

wühlmäuse kann ich eigentlich ausschließen, die wenigen, die mal im garten waren, haben wir eliminiert und ich habe auch nie mehr löcher gesehen. ( unsere katze hat den rest besorgt
kalk in tieferen bodenschichten kann ich leider nicht kontrollieren, bzw. ist mir zu aufwendig. da liegen teilweise größere steine sehr tief in der erde( 1 - 1,5 meter )
an staunässe glaube ich auch nicht; wir haben einen guten "gartenboden" mit guter "krümelstruktur" bis in tiefere schichten. da "klebt und pappt" es eigentlich nicht. der ph-wert tendiert im taunus in jedem fall zum sauren bereich hin - optimal für zaubernüsse. allerdings mit spuren von kalk. ist ja auch nicht verkehrt. ( chinesische enziane kann ich nur im trog halten
ed73 ist eine sehr gute basiserde (aussaat-erde) mit minimalem nährstoffgehalt , ph-wert im leicht sauren bereich und eignet sich m.e. sehr gut für die bodenverbesserung ( humusanreicherung ) da habe ich bestimmt nichts falschgemacht. diese "bodenpflege" wurde auch nur einmal durchgeführt.
standort ist volle sonne mit etwas teilschatten morgens und abends. also optimal.

---
auf die behandlung der pflanze vor dem einkauf hat man keinen einfluss.
das klingt sehr plausibel und einleuchtend und als laie bzw. kunde in dieser hinsicht ist man da "aufgeschmissen".
sehr gut, dieses gehört (gelesen) zu haben ! gärtner, die dieses prozedere vornehmen, sind sicher davon überzeugt.
zu tiefe bzw. zu hohe pflanzung kann bei pflanzen fatale folgen haben. ich achte da zwar immer darauf, aber gut, es noch einmal explizit hier gelesen zu haben, dass es auch bei der zaubernuss eminent wichtig ist.

lieber stefan,
ich bin mir nach deinen letzten sätzen fast sicher, dass ich die pflanze vor 25 jahren in der falschen höhe in den boden gesetzt habe! ein "wurzelstuhl" war nie zu entdecken ; dafür aber seit herbst vergangenen jahres porlinge, die ihre fruchtkörper an der basis - und nur dort ! - entwickelt haben.
dieser pilz treibt also schon etliche jahre in der zaubernuss sein unwesen und bildet erst jetzt die ersten fruchtkörper aus. welche art es ist, kann ich - als pilzfachmann - sicher demnächst sagen.
ist aber wohl nicht relevant, denn diese porlinge verursachen alle eine braun- oder weißfäule und töten die pflanze langsam ab.
also genau das, was du ggf. als ursache angesehen hast: eindringen eines pilzes infolge falscher pflanzung. passt hundert pro.

beim nächsten male wird alles besser.....

vg. werner

ps. kann ich an derselben stelle wieder eine neue hamamelis setzen - natürlich richtig gepflanzt - oder ist das riskant ?
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Neben den verbreiteten Schädlingen wie Blattläuse, Spinnmilben, Wollläuse, Schmierläuse, Schildläuse, Thripse, Weiße Fliege und Trauermücken gibt es auch häufige Pilzerkrankungen wie echten und falschen Mehltau, Rost und Schimmel, die zu Flecken und Schäden an der Pflanze führen. Neben den chemischen Mitteln wie Insektizide und Fungizide gibt es auch oft gute Hausmittel zu Bekämpfung der Krankheiten oder Schädlinge. Ein optimaler Standort bezüglich Licht und Boden, die richtige Erde oder ein neues Substrat sowie regelmäßiges Düngen können eine Pflanze stärken und unanfälliger gegen Schädlingsbefall und Krankheiten machen.

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