Warum Bäume nicht verbluten

 
Pflanzenprofessor*in
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Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 10.10.2013 - 06:28 Uhr  ·  #1
Warum Bäume nach Verletzungen und Rückschnitten nicht verbluten

Wenn ein Lebewesen sich verletzt, dann blutet es und läuft Gefahr an dieser Verletzung zu sterben. Man nennt diesen unkontrollierten und nicht zu stoppenden Blutaustritt mit Todesfolge "Verbluten". Bei Bäumen ist dies ähnlich. Im Falle einer Verletzung tritt ebenfalls Flüssigkeit aus, dies führt in der Regel anhand der Parenchymzellen aber nicht zum Sterben der Pflanze.


Drei Hoftüpfel sind in diesem 3-D mikroskopischen Querschnitt aus Kiefernholz zu sehen. Die mit Zellulose erscheinen in grün und mit Pektin in rot. Das Bild wurde mit einem speziellen Mikroskop aufgenommen, das eine nie zuvor beobachtet Verteilung von Pektin in Ring-Strukturen in der Nano-Ebene zeigt, Diese zeigt, wie Bäume den Saftfluss kontrollieren um das Eindringen von Luft in die Stämme zu verhindern.
Bildnachweis: Media Relations, 101-B Media Building, (0109), Blacksburg, VA 24061


Das Bluten der Bäume

Auch Bäume können bluten. Wenn man sie beispielsweise im Frühjahr beschneidet, dann tritt an der Schnittstelle oftmals eine flüssige Substanz aus. Man bezeichnet sie als den sogenannten "Saftstrom". Dieser verschließt die Stelle meistens wieder schnell und der Baum hat keine Nachteile. Ein Beschneiden kann den Baum zum Wachsen anregen, kosten ihn jedoch auch viel Kraft. Einige Baumarten, wie der Walnussbaum bluten stärker. Hier kann man noch einige Stunden nach dem Beschneiden ein Auslaufen des Saftstormes beobachten. Daher sollte man ihn nur reduziert und mit Vorsicht beschneiden. Es kann passieren, dass der Baum sogar einige Tage benötigt, um die Schnittstelle zu verschließen.

Eine Studie klärt auf

In der Septemberausgabe des "American Journal of Botany" wird von der neuesten Studie über das Phänomen der Blutungen bei Pflanzen berichtet. Barry Goodell, ein Professor an der Universität in Virginia, hat mit seinem Team das Phänomen erforscht. Hierfür haben die Wissenschaftler sich verletzte Pflanzenteile unter einem Hochleistungsmikroskop angesehen. Für das Verständnis ist die Nanostruktur der Zellen entscheidend. Dieser Aufbau hilft der Pflanze Verletzungen zu überstehen. Der austretende Saftstrom ist kein Nachteil für den Baum, sondern hilft ihm dabei, die Schnittstelle wieder zu verschließen.

Die Nanoebene

Wenn ein Baum eine Verletzung hat, dann versucht er diese Stelle zu verschließen. Eine Möglichkeit ist es, den Wundbereich abzuschotten. Die sogenannten Parenchymzellen des Holzes sorgen für diese Abschottung. Sobald die Membran der Zellen verletzt ist, tritt die Flüssigkeit aus. Diese ist klebrig und tritt solange aus, bis die Stelle wieder verschlossen ist. Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass Pektin für den Verschluss verantwortlich ist. Es bildet eine Kappe um die Stelle und schließt sie erfolgreich ab. Die Wissenschaftler färbten in ihrem Versuch die Zellulose und das Pektin in verschiedenen Farben, um zu erkennen, wie diese Reparatur genau von statten geht. Sie konnten beobachten, dass das Pektin die verletzte Stelle ringförmig umlagerte und einen kreisförmigen Verschluss am Rande der Verletzung bildete. Diese Erkenntnis war auch für die Wissenschaft neu, da sie zuvor nicht gewusst hatte, welche große Rolle Pektin bei diesen Vorgängen spielt. Ein Teil dieses Stoffes bildet einen Saum an der Öffnung, der Großteil wird jedoch in die Verletzung gezogen, um als Blockade zu wirken. So wird die Verletzung erfolgreich abgedämmt und ein unkontrollierter Austritt verhindert. Bäume können eine Vielzahl an kleineren und größeren Beschädigungen erlangen. Diese werden von der Pflanze dadurch bemerkt, dass an der betroffenen Stelle Luft eintritt und Saft austreten kann. Hierdurch findet eine Änderung der Druckverhältnisse statt. Es kann auch passieren, dass an durch die Verletzung Wasser in das innere der Pflanze eintritt. In diesem Fall bildet das Pektin eine gelartige Substanz, so dass auch hier die Stelle erfolgreich verschlossen werden kann. Dieses Geld reduziert die Größe der Zellen am Rande der Verletzung und weniger Wasser kann eindringen.
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 27.10.2014 - 05:40 Uhr  ·  #2
Das ist auf jeden Fall mal ein spannender Beitrag :D
Sagt mal kennt ihr die Webseite [url=http://www.thujasmaragd.net/][/url]? Eine Bekannte hat mir die Seite empfohlen.

Hab sie allerdings erst überflogen, da ich bisher noch keine Zeit hatte.

Danke schonmal für eure Infos :)
Obergärtner*in
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 27.10.2014 - 13:51 Uhr  ·  #3
Toller Beitrag, danke Frank!

Wir haben mal einen Weinstock zurückgeschnitten, der daraufhin zwei Wochen lang geblutet hat. Ist das normal?
Pearl Of Green
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 27.10.2014 - 17:38 Uhr  ·  #4
wenn der weinstock ab februar im saft steht, ist das ausbluten normal
Pflanzenprofessor*in
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 21.11.2014 - 16:40 Uhr  ·  #5
Bei einigen Pflanzen - nicht nur beim Walnussbaum - ist das Phänomens des Ausblutens durch die Winterliche Saftverschiebung bedingt. Das bedeutet, dass die Pflanze bereits zum Winter hin Wasser zieht und der Saft zu fließen beginnt. Schneidet man nun im Frühjahr "schießt" der aufgestiegene Saft einfach nach. Deshalb bluten solche Wunden noch lange nach. Schnittmaßnahmen werden daher in den Herbst verlegt.
Beispiele der Winterlichen Saftverschiebung sind u.a.
- Acer (Ahorn)
- Aesculus (Kastanie)
- Alnus (Erle)
- Betula (Birke) -> sicher das krasseste Beispiel
- Carpinus (Hainbuche) -> z.T.
und die bereits erwähnte - Juglans (Walnuss)

lg
Henrike
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 06.10.2015 - 15:32 Uhr  ·  #6
Ein toller Beitrag! Die meistn Menschen sollten sich aber trotzdem damit befassen, dass es Bäumen schmerzt, wenn man sie schneidet. Namen hinein zu ritzen ist ja für viele immer noch lustig, scheint es mir.
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 24.05.2017 - 19:04 Uhr  ·  #7
Murrays Aussage würde ich doch eher anzweifeln...

Aber ein sehr interessanter Artikel insgesamt! Auch dass es durch das Pektin diesen Schutz vor dem Eindringen von Wasser gibt, wusste ich bisher nicht.
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 07.06.2017 - 13:50 Uhr  ·  #8
Schon interessant, das Bäume da auch eine Art Wundheilung haben. Würde mich mal interessieren wie das evolutionär zu erklären ist
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 29.06.2017 - 10:06 Uhr  ·  #9
Die Wunder der Natur sind immer wieder beeindruckend - wir wissen immer noch so wenig. Bäume sind für mich so faszinierend, sie bieten so viel und sind so unterschiedlich. Es begeistert mich einfach, wie die Natur so viel Kreativität erzeugen kann.
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 01.07.2017 - 12:38 Uhr  ·  #10
Sehr beeindruckend. Wir haben bei uns in der Nähe einen See, bei dem das halbe Gewässer mit toten Bäumen gefüllt ist. Die Bäume waren natürlich schon dort bevor der See da war. Nun ragen nur noch die "toten Bäume" aus dem Wasser. So lang ich denken kann sieht es dort so aus, ohne dass die Bäume umkippen oder abknicken. Es ist einfach nur faszinierend.

Gruß Maik
Pflanzendoktor*in
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 20.08.2017 - 14:10 Uhr  ·  #11
Servus Maik,

das wird dann wohl vermutlich ein Stausee sein?

Alles Gute

Max
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 11.09.2017 - 14:17 Uhr  ·  #12
Das habe ich noch nicht gewusst, danke für den interessanten Post.
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 11.07.2018 - 23:42 Uhr  ·  #13
[quote="MaxM"]Servus Maik,

das wird dann wohl vermutlich ein Stausee sein?

Alles Gute

Max[/quote]


Ich bin zwar nicht Maik aber er hat es erwähnt, den Stausee meine ich ,)
Azubi
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Re: Warum Bäume nicht verbluten

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Gepostet: 19.08.2018 - 12:58 Uhr  ·  #14
Sehr interessanter Artikel, wie ich finde, wenngleich man dieses Phänomen ja überall in der Natur, insofern man mit dem Auge der Achtsamkeit hinschaut, wahrnehmen kann.

Der Grund hierfür ist eigentlich logisch: Würde Pflanzen, Sträucher, Bäume sofort verbluten und somit sterben, insofern durch Stürme etc. die Äste beschädigt würden, würde es binnen weniger Jahre eine so unwahrscheinlich große Menge an toter, überall herumliegender Biomasse geben, sodass das Quaos vorprogrammiert wäre. :-)
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