Picea abies - Gemeine Fichte

 
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Picea abies - Gemeine Fichte

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Gepostet: 11.01.2014 - 09:42 Uhr  ·  #1
Picea abies - Gemeine Fichte

Familie: Pinaceae (Kiefernartige)

Pflanzengruppe: Picea (Fichten

Andere Namen: Gewöhnliche Fichte, Rottanne, Rotfichte

Herkunft:
Man findet sie an den Alpen bis Skandinavien, vom Balkan bis Rußland, weiter nach Osten hin in sibirische Fichte übergehend. Die gemeine Fichte ist der einzige Vertreter seiner Gattung in Mitteleuropa. Sie fehlt nur auf den Britischen Inseln, ebenso auf der Iberischen Halbinsel. Sie bevorzugt winterkaltes, feuchtes Kontinental- und Gebirgsklima. Im Schweizer Wallis ist sie bis 2200 m Höhe zu finden. Sie ist mit 28 % Waldanteil die häufigste Baumart Deutschlands.

Alter: Sie wird bis zu 600 Jahre alt.

Habitus:
Sie wird standortsverschieden 20 - 40 Meter hoch, in Ausnahmefällen über 50 m. Der Stammdurchmesser kann bis zu 1,5 m betragen.
Die Zweige sind quirrlig angeordnet. In der oberen Stammhälfte sind die Äste aufwärts ausgerichtet, in der unteren nach unten gebogen. Die Krone ist eher regelmäßig und kegelförmig.
Freistehende Fichten sind fast bis zum Stammfuß hin beastet. Man nennt diese "Mantelfichten."
Im Reinbestand stehende haben eher unbeastete, gerade Stämme.

BLätter/Nadeln:
Die Nadeln stehen ausscliesslich an Langtrieben, sie sind stechend spitz und im Querschnitt vierkantig.
Ist der Baum gesund, können die Nadeln 4-7 Jahre alt werden, im Hochgebirge auch älter. Sie werden 1 - 2 cm lang und 1 mm dick.

Blüte:
Der Baum wird mit 30 - 40 Jahren mannbar, er erreicht dann seine Blühfähigkeit. Jüngere Bäume besitzen anfangs nur weibliche Blüten. Zur Hauptblütezeit werden riesige Mengen von Pollen ausgeschüttet, was man als Schwefelregen bezeichnet.
Nur alle 4 Jahre entwickeln sie Blütenknospen, im Gebirge kann es 7 Jahre dauern. Geschieht dies öfter, kann es an Kälte, Nährstoff-oder Wassermangel liegen. Man spricht dann von "Angstblüte!"

Frucht/Samen/Samenreife:
Die Zapfen benötigen etwa 1 Jahr zur Samenreife. Sie werden 10 - 15 cm lang und 3 - 4 cm stark. Nach der Reife werden die Zapfen abgeworfen. Vorher entleert sich er Zapfen von den Samen.
Innerhalb eines Jahres reift der Samen, alle 3 -4 Jahre findet eine Samenmast statt, eine reichliche Samenproduktion. Die kleinen Samen sind nur 3 - 5 mg schwer. Sie enthalten Öl als Reservestoff, ein typisches Merkmal bei Windausbreitung. Selbst bei Windstille kann der Same bis 300 m weit fliegen. Dann tragen auch noch Tiere zur Vermehrung bei. Spechte und Eichhörnchen bearbeiten auf Futtersuche die Zapfen und setzen dadurch die Samen frei.

Rinde/Borke:
Die Rinde ist bis zum Alter von ca. 80 Jahren kupferbraun und in feinen, dünnen Schuppen ablösend. Bei älteren Bäumen dunkelrötlich, in kleinen, harten, rundlichen Platten abspringend.
In Gebirgslagen weist die Rinde eher Grautöne auf.

Wuchsbedingungen:
Mit zunehmendem Alter benötigen Fichten mehr Licht. Sie verursachen in Reinbeständen Bodenversäuerun durch ihre sich schlecht zersetzende Nadelstreu. Zur Zeit der esten Fröste ist die Fichte bereits gegen Kälte von ca. - 20° Grad gewappnet. Im tiefsten Winter sogar gegen -60° Grad. Im Frühjahr, wenn die Tage länger werden, nimmt die Kälteressistenz ab und der Baum wird empfindlich gegen Spätfröste.

Wurzeln:
Die Wurzelbildung ist von der Bodenbelüftung abhängig.
Bei hohem Grundwasserspiegel oder Staunässe flache Wurzelbildung und daher besteht Windwurfgefahr.

Standortansprüche:
Die Fichte stellt nur hinsichtlich der Wasserversorgung hohe Anforderungen. Die Böden müssen gut durchlüftet bleiben. Klimatisch bevorzugt sie nicht zu heisse Sommer und winterkaltes Kontinental- und Gebirgsklima. Gering sind ihre Nährstoffansprüche.

Substrat:
Ein pH-Wert von 5 - 6 wäre ideal

Lebensgemeinschaften/Symbiosen:
Die gemeine Fichte geht mit vielen Pilzarten eine Art Lebensgemeinschaft ein. Diese nennt man Mykorrhiza. Das Mycel des Pilzes versorgt den Baum mit Mineralstoffen und Wasser. Dieser leitet wiederum an den Pilz organische Stoffe weiter, die er für sein Wachstum benötigt. Zu den Pilzen zählt der spitzhütige Knollenblätter, der Fliegenpilz, der gelbe Knollenblätter, der Perlpilz und der narzissengelbe- und graue Wulstling. Aber auch Speisepilze leben in Symbiose mit der Fichte, Steinpilz und Maronenröhrling z.B., dann die Ziegenlippe, der Schönfußröhrling,, der Gallenröhrling und der Rotfußröhrling. Auch der Ockertäubling reiht sich hier ein.

Krankheiten und Schädlinge:
Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiet ist die gemeine Fichte anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge. Geschwächte Bäume ziehen die Borkenkäfer an, den Buchdrucker und den auf jüngere Bäume spezialisierten Kupferstecher. Ungeeigente Böden verursachen die qualitätsmindernde Rotfäule. Liegt viel vom Sturm gefälltes Holz im Wald herum vermehrt
sich darin der Buchdrucker und kann bei hoher Population auch gesunden Bäumen gefährlich werden. Trockene Jahre sind ideal für den Käfer, die Bäume schwächeln und er wird ihrer habhaft.

Besonderheiten/Wissenswertes:
Sehr viele Vogelarten sind bei ihrer Nahrungssuche auf gute Deckung angewiesen. Das bieten ihnen immergrüne Fichtenwälder. Für Meise, Kleiber, Baumläufer, Rotkehlchen, Tannen- und Eichelhäher, Waldohreule, Waldkauz, Sperber, Mäusebussard und Habicht sind sie der beste Lebensraum. Ohne die Nadeln der Fichte könnte sich das selten gewordene Auerwild im Winter nicht ernähren.

Verwendung:
Fichtenholz ist vielseitig, man kann es für die Papier und Zellstoffverwendung nutzen. Ausserdem ist es gutes Bauholz, man verwendet es für Bohlen, Bretter, Balken, Kanthölzer, Dickholz, früher auch für den Gerüstbau. Ebenso werden daraus Möbel, Türen, Furniere und Leimplatten gefertigt. Allerdings sollte man es hauptsächlich für den Innenbau verwenden, da es wenig witterungsbeständig ist.
Bis in die 60er Jahre hinein war die gemeine Fichte der vorherrschende Weihnachtsbaum in Deutschland. Sie nadeln aber schnell ab nach dem Einschlag und wurden daher durch die Blaufichte und Nordmanntanne ersetzt.

Medizinische Bedeutung:
Bereits im späten Mittelalter konnte man in Kräuterbüchern über die medizinische Anwendbarkeit der Fichte lesen.
Das Abkochen der Zapfen und die dadurchentsehende Brühe beseitigt Warzen.
Das Harz ist gegen Steinleiden, Hüftschmerzen und lindert Wundschmerz.
Tee aus Fichtensprossen reinigt das Blut und hilft bei Gicht, Rheumatismus, Magenkrämpfe und Hautleiden.
Es ist nachgewiesen, dass aus der Fichte gewonnene ätherische Öle eine auswurffördernde Wirkung haben- Fichtenöl wird sogar in der modernen Medizin eingesetzt.

Allgemeine Anzuchtsanleitung:
Baumsamen, zumindest solcher von Arten der gemäßigten Breiten tragen keimhemmende Stoffe in sich, die es abzubauen gilt. Dieses Abbauen wird stratifizieren genannt. Der Samen kommt dabei für eine bestimmte Zeit (von Baumart zu Baumart verschieden) bei einer Temperatur von 2-4 Grad in den Kühlschrank. Hinterher sollte man den Samen bei Zimmertemperatur im Wasserbad für 24 Stunden vorquellen lassen. Der Same bedarf zur Keimung eines bestimmten Wassergehalts.

Dann wird der Same in Kokosfaser oder in Anzuchtserde ausgesät und je nach Baumart mehr oder weniger mit Erde bedeckt. Hier kann eine Faustregel angewendet werden. Ein 5 mm großer Same kommt 5 mm unter die Erde. Es gibt auch hier Ausnahmen, wenn auch nicht viele.
Das Erdreich des Anzuchtgefäßes muss nach der Aussaat immer feucht gehalten werden, nass sollte es aber nicht sein, sonst tritt Schimmel auf.

Anzucht für Fichten:
Samen muss stratifiziert werden. 10 - 30 Tage bei Kühlschranktemperatur von 2 - 5 Grad,
24 Stunden im Wasser vorquellen lassen. Dann in Anzuchterde oder Kokosfaser aussäen. Leicht mit Erde bedecken. Die Fichte ist ein Lichtkeimer.
Erde feucht aber nicht nass halten. Fichtensamen hat keine hohe Keimrate, sie dürfte zwischen 10 - 25 % liegen, manchmal auch darunter. Keimzeit nach Aussaat von Art zu Art verschieden. Normalerweise 10 - 30 Tage. Keimlinge wachsen anfangs sehr langsam, ab dem 2 Jahr dann schneller. Im Alter von 6-7 Jahren manchmal über 60 cm im Jahr.


Quellen: Es wurden Stichpunkte von Wikipedia entnommen -

http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Fichte
Druidin
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Re: Picea abies - Gemeine Fichte

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Gepostet: 09.03.2014 - 09:03 Uhr  ·  #2




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