Igel gehören zum Herbst wie Walnüsse und Pilze. Sie sind viel unterwegs, weil sie sich reichlich Speck für den Winterschlaf anfressen müssen. Doch auch der Rest des Igeljahres ist einen Blick wert.
Stacheltier auf Freiersfüßen
Igel durchstreifen auf der Suche nach Nahrung Gebiete von 20 bis 100 Hektar. In städtischen Arealen sind die Gebiete deutlich kleiner als auf dem Land, auf dem große Monokulturflächen wenig Nahrung bieten. Obwohl sie Einzelgänger und sehr ortstreu sind, verteidigen Igel ihre „Aktionsräume“ nicht gegen Artgenossen. Gute Plätze werden oft von mehreren Igeln aufgesucht. Die Streifgebiete der Männchen sind erheblich größer als die der Weibchen. Während der Paarungszeit von Juni bis August legen die Männchen auf der Suche nach Partnerinnen weite Strecken zurück. Dabei werden sie oft Opfer des Straßenverkehrs. Nach der Paarung gehen die beiden wieder getrennte Wege, die Jungenaufzucht ist allein Sache der Mutter.
Rosa Würstchen mit weißen Stacheln
In einem wohl präparierten Wurfnest aus Gras und Moos kommen nach 35 Tagen Tragzeit die Jungen zur Welt. Drei Viertel der Geburten fallen in die Monate August und September. Die Würfe bestehen meist aus vier oder fünf Jungen. Die weißen Erstlingsstacheln der Kleinen sind bei der Geburt noch in die aufgequollene Rückenhaut eingebettet, um Verletzungen der Mutter während der Geburt zu vermeiden. Im Alter von zwei Wochen beginnen sich Augen und Ohren der Igelchen zu öffnen, ab dem 21. Tag kommen die Milchzähnchen. Kurz darauf verlassen die Igelbabys zum ersten Mal das Nest und beginnen, selbstständig Nahrung zu suchen. Mit sechs Wochen ist die Kinderschar entwöhnt und zerstreut sich.
Wintervorbereitungen
Um den nahrungsarmen Winter überstehen zu können, futtern Igel sich im Herbst eine dicke Fettschicht an. Wenigstens 500 Gramm müssen Jungigel auf die Waage bringen, um den Winter überstehen zu können. Bis in den November hinein sind die Jungen mit Fressen beschäftigt. Die Alttiere können sich dagegen schon früher zurück ziehen. Die Männchen verschwinden oft bereits im Oktober in den sorgfältig angelegten Winternestern aus Laub. Um diese Nester anzulegen, schieben die Tiere Laubhaufen unter überhängenden Zweigen und ähnlichem zusammen. Dann wühlen sie sich kopfüber in den Haufen und drehen sich so lange im Kreis, bis eine igelgroße Hölung entstanden ist. Ein gut angelegtes Nest schützt den Baumeister den ganzen Winter hindurch vor der Kälte.
Zufüttern in nahrungsarmen Zeiten erleichtert es den Igeln, sich auf den Winterschlaf vorzubereiten und im Frühjahr rasch wieder an Gewicht zu zulegen. Als Futter können beispielsweise Mischungen aus Katzendosenfutter, Rührei, vermischt mit einem kleinen Teil Haferflocken oder Igeltrockenfutter, angeboten werden. Oft nutzen mehrere Igel eine Futterstelle. Um Ansteckungen zu vermeiden, muss diese unbedingt täglich gründlich gereinigt werden. Als katzensichere Futterstelle eignen sich beispielsweise Igelfutterhäuser mit Labyrintheingang.
Der igelfreundliche Garten
Die besten Chancen, Igel in seinem Garten zu entdecken, hat man in einem naturnahen Garten, in dem auf Pestizideinsatz verzichtet wird. Dort finden die Tiere neben einem reich gedeckten Tisch auch Verstecke, etwa unter Wildhecken, in Staudengestrüpp oder Reisighaufen, im Kompost oder unter Gartenhäuschen. Auch künstliche Igelhäuser werden gerne angenommen.
Blumenwiesen und Heckenränder mit vorwiegend einheimischen Pflanzen geben zahllosen Insekten Lebensraum. Sie sollten höchstens zwei Mal im Jahr gemäht werden. Viele Igel verenden nach Verletzungen durch Rasenmäher. Daher sollte man beim Mähen gut auf versteckte Tiere achten. Sehr geschätzt werden auch lockere Reisig- oder Laubhaufen, die unter Sträuchern zusammengerecht werden. Wasserstellen werden gerne als Tränke angenommen, müssen aber über flache Ausstiegsstellen verfügen, da sie sonst rasch zu tödlichen Fallen werden. Wichtig ist, dass Gärten untereinander und mit umliegenden Grünflächen verbunden sind. Zäune und Mauern brauchen Durchschlüpfe, die Igeln und anderen Kleintieren den Durchgang gewähren.
Wer den Tieren ein gutes Umfeld bietet, kann mit etwas Glück in der Dämmerung von der Terrasse aus ein Rascheln und lautes, zufriedenes Schmatzen hören. Der Igel ist wieder da. -rh-
Mit besonderer Unterstützung von Ulli Seewald
Was sind Stacheln?
Umgebildete Haare. Sie bestehen aus Keratin, sind innen hohl und können einzeln aufgerichtet werden.
Ist es schlimm, wenn Igel einen Stachel verlieren?
Nein. Stacheln fallen wie „normale“ Haare nach einigen Monaten aus und wachsen nach.
Fressen Igel Äpfel?
Nein. Igel fressen vornehmlich Insekten, Spinnen und Hundert- oder Tausendfüßer, aber auch Regenwürmer und Schnecken sowie gelegentlich kleine Wirbeltiere wie nestjunge Mäuse oder die Eier bodenbrütender Vögel.
Haben Igel Fressfeinde?
Ja. Trotz ihrer Stacheln werden sie von Uhus oder Dachsen erbeutet. Kranke Igel können auch Mardern, Füchsen oder Haushunden zum Opfer fallen.
Steckbrief
Art: in Westeuropa lebt der Braunbrust- oder Westigel, Erinaceus europaeus
Größe: 24 bis 28 Zentimeter
Gewicht: 800 bis 1500 Gramm, Männchen sind oft schwerer als Weibchen
Aktivität: dämmerungs- und nachtaktiv
Sinne: Riechen, Hören, Tasten ausgezeichnet; Sehen nebensächlich
Lebenserwartung: durchschnittlich zwei bis drei Jahre, maximal sieben Jahre
Empfehlenswerter Link
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