Vermehrung bei Minzen - F1 Hybride

 
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nomatic

Ich möchte vorab sagen, daß ich grade meine ersten Gehversuche unternehme ein bißchen essbares Grün in meinen Garten und auf die Fensterbank zu bekommen, wobei mir vor allem die Minzen es sehr angetan haben.

Eine Sache bei alledem will mir jedoch nicht ins Hirn, und ich hoffe ihr könnt mir bei der Klärung helfen:

Folgender Satz steht im Shop einer Berufsgärtnerei:
"Alle Edelminzen lassen sich nur durch Teilung oder Stecklinge sortenrein vermehren; nicht durch Aussaat, das unterscheidet sie von den 'ordinären Minzen'"


1. Was sind ordinäre und was Edelminzen?
2. Kann ich von meiner marrokanischen Minze bedenkenlos Samen sammeln und aussähen und davon ausgehen das ebenfalls eine marrokanische Minze entsteht?
3. Pfefferminze ist eine Kreuzung aus Bach- und Waldminze. Heißt das, daß Pfefferminze ein F1Hybrid ist und aus dessen Sämlingen Wald- Bach- und Pfefferminze entstehen kann?
4. Wenn ich eine Minzsorte in einem Topf halte, muss ich dann immer darauf achten, daß die Minze nicht bestäubt wird damit keine Wildaussat stattfindet, welche wiederum nicht artenreine Nachfolge nach sich zieht?
5. Was passiert eigentlich wenn ich eine Minze mit sagen wir Gänseblümchenstaub bepinsel, oder andersrum?

Ich hab noch so einige Fragen zu dem Thema, aber ich wills mal nicht übertreiben für den Anfang

Vielen Dank im Voraus für all eure Mühen!
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Roadrunner

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Zitat geschrieben von nomatic

1. Was sind ordinäre und was Edelminzen?
2. Kann ich von meiner marrokanischen Minze bedenkenlos Samen sammeln und aussähen und davon ausgehen das ebenfalls eine marrokanische Minze entsteht?
3. Pfefferminze ist eine Kreuzung aus Bach- und Waldminze. Heißt das, daß Pfefferminze ein F1Hybrid ist und aus dessen Sämlingen Wald- Bach- und Pfefferminze entstehen kann?
4. Wenn ich eine Minzsorte in einem Topf halte, muss ich dann immer darauf achten, daß die Minze nicht bestäubt wird damit keine Wildaussat stattfindet, welche wiederum nicht artenreine Nachfolge nach sich zieht?
5. Was passiert eigentlich wenn ich eine Minze mit sagen wir Gänseblümchenstaub bepinsel, oder andersrum?


1. Ordinäre Minzen sind Wildminzen, die so wie sie sind reinerbig in der Natur vorkommen. Eine Bachminze ist eine Bachminze und aus den Samen werden wieder Bachminzen.
2. Wenn die marokkanische Minze eine Minzenart (also eine Wildart) ist, kannst du das, ist sie eine Züchtung/Sorte (was ich dir aber leider nicht beantworten kann), wird sie nicht reinerbig sein und die Samen in die Elterarten/-sorten auffächern. Natürlich darf die Marokkanische Minze auch nicht in der Nähe anderer Minzen stehen, dann wären ihre Samen auch nicht mehr reinerbig. Es gibt ausser den F1-Hybriden auch durchgezüchtete reinerbige Sorten, die man durch Samen vermehren könnte, aber bei den Minzen ist das wohl nur selten (gar nicht?) der Fall.
3. Ja, ganz richtig. Und zwar im Verhältnis 1:1:2. Wenn es dich interessiert, kannst du dir die Mendelschen Regeln bei Wikipedia mal ansehen.
4. Ja, auch das ist richtig!
5. Dann passiert gar nichts, Minze und Gänseblümchen sind nicht nahe genug verwandt. Eine erfolgreiche Bestäubung kann nur unter nahe verwandten Arten stattfinden...
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nomatic

Wouuh, das ging ja fix, vielen Dank

Was mich daran allerdings wundert ist, daß bei Pfefferminzsamen im Handel nirgends F1Hybrid draufsteht... müsste es doch eigentlich, oder gehen die davon aus das jeder weiß, daß Pfefferminze eben nur als F1Hybrid existiert?
Marokkanische Minze ist soweit ich sehen kann eine Variation der Waldminze (mentha spicata var. crispa 'marokko')... macht sie das nun reinerbig? Wie entstehen "Variationen" wenn nicht durch Kreuzung?

Achja, und die Samenbildung einfach durch abtrennen der Blüten verhindern, richtig?
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oflittlediamonds

Dazu habe ich jetzt mal eine Frage. Ich habe mir Pfeferminzsamen gekauft. Wachsen dann daraus auch Pfefferminz oder auch Bach- und Waldminze?
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nomatic

@oflittlediamonds

Daraus wachsen natürlich nur reine Pfefferminzpflänzchen. Läßt du diese aber blühen, sammelst die Samen nach der Befruchtung ein und sähst diese wieder aus, so kann daraus sowohl zu 25% Bach- zu 25% Wald- oder zu 50% Pfefferminze werden... soweit hab ich das zummindest verstanden

Allerdings gelten diese Mendelschen Regeln ja Merkmalspezifisch, von daher bin ich mir nicht sicher in wie fern sich nur andere Sorten oder eben auch Merkmale der Eltern zurückbilden...

Ich gehe jetzt von einem intermediären Erbgang aus!

Was ich damit meine ist folgendes:
Aus einem Männlichen Pferd und einem weiblichen Esel wird ein Maulesel (F1 Hybrid). Nimmt man zwei Maulesel und läßt sie sich paaren wird daraus entweder ein Pferd, ein Esel oder ein Maulesel bzw Maultier (F2).
Soweit so gut.
Sagen wir nun, das Pferd war weiß homozygot und der Esel schwarz homozygot... wozu führt das in F2?
Sind dann die daraus resutlierenden Pferde, Esel oder eben Maul -esel/-tiere ebenfalls im Verhältniss 1:1:2 schwarz:weiß:grau?

Solange man reinrassige Pflanzen (Tiere) hat und bestimmte Merkmale (Geruch, Blatform, Größe usw..) bevorzugt begreife ich das, was aber wenn man diese Züchtungen mit einer anderen Sorte kreuzt und den daraus resultierenden F1-Hybriden Samen ansetzen und keimen läßt?
Kommt es dann lediglich zu einer Rückkreuzung der Elternsorten oder auch der Merkmale?

Und vor allem: Wie erkenne ich das, wenn ich es einfach an meiner Marrokanischen Minze ausprobiere? Solange es unsere 5Sinne betreffende Merkmale sind dürfte das kein Problem sein, aber ich sehe ja nicht, ob die Nachkommen nun anfälliger für Krankheiten oder nicht mehr immun gegen irgendetwas anderes.
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oflittlediamonds

Vielen Dank für die Erklärung!
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Kiroro

Hallo!

Zitat geschrieben von nomatic
@oflittlediamonds
Daraus wachsen natürlich nur reine Pfefferminzpflänzchen. Läßt du diese aber blühen, sammelst die Samen nach der Befruchtung ein und sähst diese wieder aus, so kann daraus sowohl zu 25% Bach- zu 25% Wald- oder zu 50% Pfefferminze werden... soweit hab ich das zummindest verstanden

Ich fürchte ehrlich gesagt, das ist leider noch komplizierter. Denn schließlich ist "Waldminze" bzw "Bachminze" nicht nur ein Gen, sondern gaaaanz viele. Vermute ich jedenfalls stark. Und jedes dieser Gene kann die neue Pflanze von beiden Sorten erhalten, wobei es noch komplizierter wird dadurch, dass sich meistens einzelne Chromosomen (also Kombinationen von Genen) vererben. Ich würde also vermuten, dass man in der F2 eine Kombination von verschiedenen Merkmalen bekäme, also meistens keine bestimmte Art, sondern eher ein Durcheinander, dass manchmal der einen und manchmal der anderen Sorte mehr ähneln würde. Aber soweit ich weiß, pflanzt sich die Pfefferminze sowieso nicht mit Pfefferminze fort, sondern nur mit Waldminze. Also, kann man das leider nicht direkt testen.
Zitat geschrieben von nomatic

Allerdings gelten diese Mendelschen Regeln ja Merkmalspezifisch, von daher bin ich mir nicht sicher in wie fern sich nur andere Sorten oder eben auch Merkmale der Eltern zurückbilden...

Damit hast du recht, das ist im Prinzip genau das, was ich meine.
Zitat geschrieben von nomatic

Solange man reinrassige Pflanzen (Tiere) hat und bestimmte Merkmale (Geruch, Blatform, Größe usw..) bevorzugt begreife ich das, was aber wenn man diese Züchtungen mit einer anderen Sorte kreuzt und den daraus resultierenden F1-Hybriden Samen ansetzen und keimen läßt?
Kommt es dann lediglich zu einer Rückkreuzung der Elternsorten oder auch der Merkmale?

Auch der Merkmale und da diese in ihrer Gesamtheit die Art ausmachen, bildet sich eben im Normalfall auch nicht eine Art zurück. Wobei es (wie man auch an diesen Beispielen sieht) oft der Fall ist, dass Hybriden infertil sind.
Zitat geschrieben von nomatic

Und vor allem: Wie erkenne ich das, wenn ich es einfach an meiner Marrokanischen Minze ausprobiere? Solange es unsere 5Sinne betreffende Merkmale sind dürfte das kein Problem sein, aber ich sehe ja nicht, ob die Nachkommen nun anfälliger für Krankheiten oder nicht mehr immun gegen irgendetwas anderes.

Das kann man vermutlich wirklich nicht so einfach erkennen.
Marokkanische Minze scheint übrigens eine Varietät von Waldminze zu sein. Varietät heißt, dass sie sich leicht mit anderen Varianten von Waldminze vermischt, aber, wenn du nur marokkanische Minze in Reichweite hast, sollte es auch in der nächsten Generation marokkanische Mine bleiben, denke ich

Hoffe, das hat jetzt nicht völlig verwirrt
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nomatic

Vielen Dank für die ausführliche Erläuterung, das rückt doch alles in ein klareres Licht... entmutigt allerdings auch ein bißchen

Was ich hochinteressant und auch sehr merkwürdig finde sind die botanischen Bezeichnungen. Wieso gibt es keinen eindeutigen Namen für Minzen?

"Mentha spicata var. crispa" ist sowohl die Bezeichnung für Nanaminze, Marrokanische Minze, Persische Minze und zig weitere krause Speerminzen... wie kommt sowas? Wenn ich in einen Laden gehe und sage "Ich hätte gerne Marrokanische Minze" weiß ein deutscher darunter vieleicht etwas zu verstehen, aber doch kein Marrokaner. Für den ist seine Krause Varietät der Speerminze ja keine "marrokanische Minze"...
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Elfensusi

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Aber Steckis bei Minzen wurzeln innerhalb von wenigen Tagen, das ist leichter und ich kann sicher sein, was ich habe (wenn nicht jemand mit dem Traktor die Schilder überfahren hat, so wie bei mir).
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Roadrunner

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Na ja, Minzen haben schon recht viele relevante Merkmale und so einfach ist es eben leider wirklich nicht. Andererseits gibt es aber die Möglichkeit selbst interessante Sorten zu züchten. Ich denke, die Pfefferminze ist auch nicht einfach eine Kreuzung aus Bach- und Waldminze, sondern ist sicher mehrfach gekreuzt worden. Das dürfte auch bei anderen Minzen so sein, deshalb nennt man sie auch nicht F1-Hybride. F1-Hybriden sind Pflanzen von reinerbigen Eltern mit festen Merkmalen, bei denen bei einer Kreuzung in der F1-Generation garantiert immer dieselbe Pflanze herauskommt. Das ist bei Minzen ja leider nicht der Fall.

Varietäten (var.) entstehen oft standortbedingt, so verträgt die marokkanische Minze z.B. vielleicht mehr Sonne und mehr Trockenheit und hat ihren Habitus entsprechend angepasst. Die Varietäten haben sich aber noch nicht so weit von der Art entfernt, das sie eigene Arten darstellen. Minzen sind eben sehr anpassungsfähig und bilden deshalb viele Varietäten. Varietäten sind aber keine gezüchteten Sorten! Aber das ist mit Vorsicht zu geniessen, weil mir die Taxonomie hier etwas durcheinander scheint...

Korrekt müsste es wohl z.B. heissen: Mentha spicata var. crispa 'Marokkanische Minze'
Also Gattung, Art, Varietät und als letztes die Sorte... - leider wird das sehr lasch gehandhabt...
Aber angesichts dieser Information würde ich jetzt doch annehmen, das die Marokkansiche Minze ein Sorte/Züchtung ist...

Wenn du dich für Minzen interessierst, guck doch mal bei Treml, die haben 120 verschiedene davon:
www.pflanzen-treml.de
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oflittlediamonds

Zitat geschrieben von Elfensusi
Aber Steckis bei Minzen wurzeln innerhalb von wenigen Tagen, das ist leichter und ich kann sicher sein, was ich habe (wenn nicht jemand mit dem Traktor die Schilder überfahren hat, so wie bei mir).


Stellt man die Minzstecklinge ins Wasserglas zum Bewurzeln oder setzt man die gleich in die Erde?
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Elfensusi

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Ich habe Schokominze ins Wasserglas gestellt und sie hatte innerhalb von 4 Tagen Wurzeln.
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oflittlediamonds

Vielen Dank!
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nomatic

@oflittlediamonds

Geht beides, und etwa gleichschnell. Kannst auch einfach die bereits bestehende Minze mehrfach an der Wurzel teilen, das geht auch sehr gut. Allerdings musste ich meine danach ordentlich entblatten, da alle geteilten Exemplare schwächelten.

@Roadrunner_1
Danke für den Link, die kannte ich noch nicht, ich hab meine immer bei http://www.pflanzenversand-gaissmayer.de bestellt. Schön bei denen ist, daß man dem Zweck entsprechende Sortierung hat. In dem Zusammenhang sehr zu empfehlen: "Die besten Tee-Minzen", allesamt einfach phänomenal im Geschmack
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oflittlediamonds

@ nomatic:
Vielen Dank für die Tips. Ich habe zwar bisher nur Katzenminze und Pfefferminze, aber ich werde das mit der Art der Vermehrung mal versuchen.
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