Botanische Namen – einzigartig wie ein Fingerabdruck

Autor: Frank   
Veröffentlicht: 22.08.2008 - 07:04 Uhr
 
 
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Eine Idee wurde zum Welterfolg:

Himmelsbambus - das klingt nach Urlaub, nach Weite und riesigen Bambuswäldern. Auch Heiliger Bambus ist ein Name, der die Fantasie beflügelt und gedanklich nach Asien entführt. Aus botanischer Sicht ist diese Pflanze jedoch gar kein Gras wie der Bambus, sondern ein aus dem Fernen Osten stammender Strauch. Mit seinem locker-luftigen, filigranen Wuchs sieht er allerdings fast wie ein Bambus aus und wird gerne als ganzjährig attraktive Kübelpflanze verwendet. Es kommt häufig vor, dass es zwei oder mehr deutsche Namen für ein und dieselbe Pflanze gibt, wie Kuhschelle oder Küchenschelle. Dann muss man sich z. B. bei der Einordnung in einen Katalog für einen entscheiden oder greift auf den botanischen Namen zurück - Pulsatilla für diese hübsche kleine Staude lässt keine Missverständnisse zu.

Goethes Lieblingsbaum
Viel bekannter als der Himmelsbambus ist der Ginkgo mit seinen einzigartigen Blättern, die an Fächer oder Elefantenohren erinnern. Deshalb sind die deutschen Namen Fächerblattbaum und Elefantenohrbaum sehr naheliegend. Doch es gibt noch eine Fülle anderer Namen für diesen außergewöhnlichen Baum, dem Goethe 1815 ein Gedicht gewidmet hat. Es steigerte die Bekanntheit des Ginkgos deutlich und brachte ihm gleich einen weiteren Namen ein: Goethebaum. Darüber hinaus ist er auch als Mädchenhaarbaum, Weltenbaum, Goldfruchtbaum, Chinesischer Tempelbaum und Silberaprikose bekannt. Botanisch ist die Sache jedoch eindeutig - Ginkgo biloba heißt er mit vollem botanischem Namen und dieser Name gilt weltweit. Dadurch ist der Handel mit Pflanzen und Saatgut auch über Ländergrenzen hinweg und in den unterschiedlichsten Sprachen möglich. Egal, ob in Englisch, Spanisch oder Hebräisch - es ist immer deutlich, um welche Pflanze es sich handelt.

Der Vater der botanischen Namen
Deutsche Namen können leicht verwirren oder auf die falsche Fährte locken. Sie variieren manchmal von Region zu Region. Um Eindeutigkeit zu gewährleisten, hat der schwedische Naturkundler Carl von Linné deshalb um 1750 ein System geschaffen, mit dem sich jede in der Natur vorkommende Pflanze mit nur zwei Wörtern benennen lässt: dem an erster Stelle stehenden Gattungs- und dem dann folgenden Artnamen, der klein geschrieben wird. Dieses System der Doppelnamen, die binäre Nomenklatur, z. B. Nandina domestica für den Himmelsbambus, ist weltweit akzeptiert. Es ist gewissermaßen das Esperanto der Gärtner und Pflanzenhändler.

Pflanzennamen sind unvergänglich
Viele botanische Namen stammen aus dem Lateinischen oder Griechischen. Manche Pflanze wurde auch nach einer berühmten Persönlichkeit, einem Botaniker oder nach einem Ort benannt: Das Geißblatt, botanisch Lonicera, trägt seinen Namen zu Ehren des deutschen Arztes und Botanikers Adam Lonitzer. Mit der Magnolie, botanisch Magnolia, wurde der französische Arzt und Botaniker Pierre Magnol geehrt. Die ursprünglich aus Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika stammende Esskastanie, auch Marone oder Edelkastanie genannt, heißt mit botanischem Namen Castanea sativa - Castanea geht wahrscheinlich auf den Ort Kastana in Griechenland zurück, wo viele dieser eindrucksvollen Bäume angepflanzt wurden.

Anders und gut
Zu dem Gattungs- und Artnamen kann sich bei Pflanzen, die im Handel erhältlich sind, ein dritter Name gesellen. Dies ist der Sortenname, der groß und mit einfachen Anführungsstrichen geschrieben wird. Er wird für Pflanzen verwendet, die von der in der Natur vorkommenden Art abweichen und die züchterisch bearbeitet und bzw. oder gärtnerisch vermehrt werden. Für Gärtner und Gartenbesitzer sind solche Pflanzen, die anders aussehen als die Ursprungsform oder andere Eigenschaften haben, hochinteressant. Sie können sich unter anderem durch die Wuchshöhe oder -form unterscheiden. Wenn sie nicht so groß werden wie die Art, sind sie z. B. besser für Gärten mit wenig Platz geeignet. Eine kleinere Variante des heimischen Spitz-Ahorns ist beispielsweise der Kugel-Ahorn, botanisch Acer platanoides 'Globosum'. Die Kugel-Robinie, botanisch Robinia pseudoacacia 'Umbraculifera', ist ebenfalls ein kleiner Baum, der sich besser für Gärten eignet als die viel höher werdende Ursprungsform. Auch die Blüten oder die Blätter - ihre Form und Farbe - können sich verändern. Eine neue Sorte hat vielleicht keine grünen Blätter mehr, sondern gelbe oder rote oder sie sind mehrfarbig wie bei einigen Kriechspindeln, z.B. bei Euonymus fortunei 'Emerald 'n' Gold'. Sie unterscheiden sich auffallend von der Ursprungsform und sind deshalb besonders interessante und dekorative Pflanzen.



Tipp:

Ein Name verrät viel

Artnamen lassen häufig Rückschlüsse auf besondere Eigenschaften oder markante Merkmale einer Pflanze zu: grandiflorus heißt großblütig, albus steht für weiß, aureus für goldgelb und glauca bzw. glaucus für blaugrün. Festuca glauca ist ein silberblaugraues Gras, dessen Farbe zum deutschen Namen Blau-Schwingel geführt hat. Die Artbezeichnung odorata steht für wohlriechend wie z.B. beim Duft-Veilchen, botanisch Viola odorata 'Königin Charlotte'. Die Wörter officinalis oder officinale deuten an, dass eine Pflanze in der Medizin verwendet wird wie beispielsweise Salvia officinalis, der Echte Salbei. Auch die Wuchsform wird manchmal im Artnamen deutlich: pendulus findet sich bei Pflanzen mit hängenden Trieben, giganteus steht für riesig und nanus oder nana für klein bzw. zwergig. Betula nana ist in der Tat eine Zwerg-Birke, sie wird nur etwa einen Meter hoch. Horizontalis heißt waagerecht und deutet schon auf eine im Allgemeinen bodendeckend wachsende Pflanze hin wie Juniperus horizontalis, ein flach wachsender Wacholder, der den Boden wie ein Teppich bedeckt.
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