Bienensterben durch eigentlichen Pflanzenvirus TSRV

 
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Bienensterben durch eigentlichen Pflanzenvirus TSRV

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Gepostet: 24.01.2014 - 07:09 Uhr  ·  #1
Forschern scheint es gelungen zu sein, einen weiteren Baustein des seit 2006 bekannten Bienensterbens zu identifizieren. Der Fokus ist interessanterweise auf einen Satelliten-Virus gerichtet, der Pflanzen befällt. Zusammen mit früheren Erkenntnissen zu möglichen Ursachen für das gehäufte Bienensterben verfestigen sich damit Theorien, wonach verschiedene Faktoren eine unheilvolle Kombination darstellen.

Ein Pflanzenvirus breitet sich in Bienenpopulationen aus
Das plötzliche Aussterben ganzer Bienenvölker (Colony Collapse Disorder, CCD) wurde erstmals 2006 publiziert. Seither arbeiten Forscher angestrengt daran, die Ursachen für das Bienensterben in den USA und Europa zu ergründen. Bereits 2011 entdeckten Wissenschaftler, dass die Varroa-Milbe (Varroa destructor), eine parasitäre Milbe, die sich vom Blut der Bienen ernährt, maßgeblich an der Übertragung von Viren beteiligt ist. Neu daran ist jetzt, dass mit dem Tobacco-Ringspot Virus (TRSV) erstmals ein sogenannter Satelliten-Virus (RNA) von der Milbe auf die Biene übertragen wird.

TSRV - unberechenbar und mit hoher Diversität
Satelliten-Viren sind eigentlich Viren, die Pflanzen befallen. Damit sie sich überhaupt vermehren können, benötigen sie einen Helfervirus, von dem der Organismus ebenfalls befallen sein muss. Dabei übernimmt der Satelliten-Virus auch Eigenschaften der Helferviren, jedoch ohne eine genetische Anpassung. In der Folge entstehen gefährliche und unberechenbare TSRV-Viren mit unterschiedlichen infektiösen Eigenschaften. Die Übertragung von einer zur nächsten Pflanze erfolgt durch Pollenbestäubung.

TSRV ist nicht an eine Spezies gebunden
Dass die Bienen dabei den TSRV-Virus von einer zur nächsten Blüte transportieren, ist seit Langem bekannt. Spektakulär an den aktuellen chinesischen und US-amerikanischen Forschungsergebnissen ist die Tatsache, dass der Virus auch die Honigbienen (Apis mellifera) selbst befällt. Im Bienenstock sorgt die Varroa-Milbe dann für eine noch rasantere Verbreitung. Der Virus wird von der Milbe aufgenommen und beim Wirtswechsel auf die nächste Biene übertragen. Besonders gefährlich ist der Virus für Bienenlarven und junge Bienen, während adulte Bienen den Virus in sich tragen und die Verbreitung fördern. Auch Königinnen übertragen ihn auf ihre Nachkommen. Der Milbe selbst scheint der Virus nicht zu schaden, da ihn die Forscher hier nur im Magen-Darm-Trakt nachweisen konnten.

Eine Verkettung verschiedener Faktoren scheint verantwortlich
Damit wird nun das Gesamtbild etwas klarer. Globalisierung, Monokulturen sowie der Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und sogar von Pilzvernichtungsmitteln scheinen in Kombination für das Bienensterben verantwortlich zu sein. Die asiatische Varroa-Milbe beispielsweise wurde 1977 im Rahmen von Forschungsprogrammen nach Europa eingeschleppt. Kann sie sich in einer Region etablieren, ist sie in 75 bis 100 Prozent der Bienenstöcke zu finden. Durch den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden wird das Abwehrsystem der Bienen geschwächt und Monokulturen begünstigen die Verbreitung von Satelliten-Viren wie dem TSRV. Sind Bienenvölker zusätzlich durch andere Krankheiten geschwächt, überstehen sie den Winter in der Regel nicht mehr.

Bienen sind lebenswichtig für die Menschheit
Von den Vereinten Nationen wurde das Bienensterben unlängst zum weltweiten Problem erhoben. Laut dem US-Landwirtschaftsministerium stammt rund ein Drittel von Menschen aufgenommener Nahrung von durch Insekten bestäubten Pflanzen. Mit 80 Prozent haben Bienen einen maßgeblichen Anteil an der Bestäubung. Die aktuellen Forschungsergebnisse müssen aber noch weiter verifiziert werden - sie beruhen auf den Routineuntersuchungen von zehn verschiedenen Bienenvölkern.
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