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Projekt: Orchideen aus Samen heranziehen |
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katzenhai2  Gärtner

Beiträge: 71
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vom: Sa 01 Nov, 2008 0:16 |
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Hallo,
ich wollte Euch mein seltenes, dennoch interessantes Hobby vorstellen:
Ich säe Orchideensamen unter sterilen Bedingungen auf Nährböden in einem Glas aus. Derzeit habe ich einige Gläser mit Phalaenopsis Hybriden Samen hier stehen, die vor 4 Wochen gekeimt sind.
Leider ist meine Kamera nicht so gut, deswegen hab ich derzeit keine besseren Fotos von den kleinen Rackern parat.
Auf dem Bild sind Protokormhaufen zu sehen. Ein Protokorm ist die Vorstufe zur Orchidee, quasi eine Art kleiner Zellhaufen, der sich aus dem Embryo eines Samens entwickelt hat. Pro Haufen sind etwa 20 dieser Protokorme vorhanden. Auf diesem Foto sind also in etwa 100 kleine Miniorchideen zu bewundern. Diese hier haben die 2 mm Größe erreicht und müssen bald umgelegt werden. Nein, nicht erschossen oder getötet , sondern auf neuen Nährboden ausgebracht werden. Vereinzeln, damit jeder von ihnen mehr Platz zum ungehinderten Wachstum hat.
Ich bin einer der wenigen in Deutschland, die bereits erfolgreich Orchideen auf sterilem Nährboden unter Laborbedingungen als Hobby ausgesät haben. Und ja, es ist nicht ganz so einfach. Daher gibt es auch nicht so viele die das machen, wobei ich denke daß es auch an der großen Geduld liegt, die man benötigt. Erstens für die monatelange Reifedauer der Kapsel, dann bis zur auspikierfähigen Pflanze und dann noch einige Jährchen, bis diese auch Blühfähig sind.
Derzeit habe ich noch einiges an Kapazitäten frei, da meine eigenen Paphiopedilum Orchideen noch Jungpflanzen sind. Habe daher auch schon mal darüber nachgedacht, für andere auszusäen, weil es doch ein recht kopmlexes Unterfangen ist in einer sterilen Umgebung zu arbeiten. Wer Interesse hat, kann sich ja mal bei mir per Privater Nachricht melden.
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Titel: DSCF0788_02.jpg |
Beschreibung:
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katzenhai2  Gärtner

Beiträge: 71
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vom: Sa 01 Nov, 2008 2:29 |
Hallo Astrid,
Ich säe reife Samen aus, weil ich so sicher sein kann, daß diese auch wirklich schon keimfähig sind. Dadurch wird es allerdings notwendig, die Samen nachher zu desinfizieren. Dies gestaltet sich aber meines Erachtens auch nicht komplizierter als mit einer grünen Kapsel.
Ich habe bisher das Standardmedium P-6668 von Sigma-Aldrich verwendet. Ist für alle, die zu faul sind selbst Nährboden herzustellen das beste. Dafür braucht man sich keinen Kopf um PH-Werte oder Inhaltsstoffe des eigenen Bodens zu machen. Aber Vorsicht, das schwarze Pulver vom P-6668 sollte nicht eingeatmet werden, da es gesundheitsschädlich sein kann!
Nährboden wird bei mir im Backofen sterilisiert. Arbeitsmaterial durch Spiritus und Abflammen (Vorsicht, Feuergefahr!). Als Nährmedium zum aussäen nehme ich für alle Arten (Phals und Paphis) P-6668. Mangels Reserve habe ich mir aber jetzt zum umlegen einen alternativen Nährboden selbst gebastelt, aus Zucker, Honig und Agar. Mal schauen wie sich das auswirkt auf die Kleinen. Mit eigenem Nährboden habe ich bisher noch keine Erfahrungen gesammelt (der Mensch ist ein Gewohnheitstier - oder auch: 'Never change a running system' ).
Meine Ausfallquote durch Kontamination beträgt bis zum heutigen Tage so 1%. Aber auf alle Samen gerechnet, da ich es immer schaffe die betroffenen Stellen 'herauszuoperien', ohne das ganze Glas zu verlieren. Ich benutze allerdings auch einen Mundschutz beim aussäen und eine Plastikschürze (plus obligatorischen Schutzhandschuhen). Es wird schon seinen Grund haben, wieso Ärzte im Operationssaal sich auch so einkleiden.
Umlegen tu ich dann, wenn ich sehe daß sich die Protokorme gegenseitig behindern. Da kommt es dann darauf an wie geschickt ich dabei bin, sie weit genug voneinander entfernt auf den Nährboden auszulegen. Mindestens jedoch zweimal:
- das erste mal nach dem keimen (ab 2 mm Größe), da sie sich dann gegenseitig behindern. Die Samen sind so klein, die kann man einfach nicht weit genug voneinander aussäen.
- das zweite mal in der Größe von 1 bis 2 cm Blattspanne, um sie dann für die restliche Zeit in größeren Gläsern bis zur auspikierfähigen Größe ungestört wachsen zu lassen. Es kommt aber mitunter auf die Art an, denn einige sind sehr Nährstoffhungrig und können die Inhaltsstoffe aufbrauchen bzw verändern und so eine mitunter giftige Atmossphäre in den Gläsern schaffen. Ich beobachte die kleinen meist täglich (sie wachsen auch täglich merklich heran!). Bei irgendwelchen Problemen wie das braun werden einiger Protokorme handele ich sofort.
Ich besitze eine Phalaenopsis Hybride aus dem Baumarkt, die mir aus meiner Anfangszeit als einzige erste Orchidee übrig geblieben ist. Ich hatte auch mal zwei Paphiopedilum Hybriden aus dem Baumarkt, aber die sind mir nach einiger Zeit kaputt gegangen wegen anfänglicher Pflegefehler. Nachdem ich mir eine Osmoseanlage gekauft und auf den Leitwert des Wasser acht gegeben habe, geht es auch den anderen merklich besser. Habe noch zwei blühreife Paphiopedilum Hybriden und 24 Naturformen, die aber alle noch Jungpflanzen sind. Sollten die mal blühen und dann auch ein kräftiges Wurzelsystem besitzen, werd ich sie bestäuben und Nachzuchten herbeiführen.
Ich kenne nur eine handvoll Leute, die (in Deutschland) erfolgreich ausäen. Aber eben auch viele, die sich daran versucht haben und gescheitert sind. Ich denke daher gibt es auch nur eine handvoll kommerzielle Aussaatlabore und selbst da unterscheidet sich die Qualität mitunter erheblich. Dabei ist die Nachfrage doch vorhanden, wie man an den vielen Fragen zu diesem Thema hier im Forum sehen kann. Aber die Technik ist mitunter ein bißchen kniffelig und die Ausfallrate bei vielen leider sehr hoch.
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belascoh  Hüter der Schatzkiste

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Exotic 15  Gärtnermeister

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Yaksini  Shakti of Green

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cloud  Gärtnermeister

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katzenhai2  Gärtner

Beiträge: 71
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vom: Sa 01 Nov, 2008 19:36 |
Zitat:
Wie ist das mit schokocreme und zuckerguss, können die darauf wirklich wachsen, bis zu welchem Stadium? Diesen auch sterelisieren?
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Habe ich bisher so noch nicht gehört, wird aber vermutlich auch verschimmeln und die Protokorme vernichten. Denn diese benötigen Monate, bis sie richtige Wurzeln bekommen und alein Überlebensfähig sind, ohne Nährboden. Jedes Essen verdirbt numal nach einiger Zeit an der 'frischen' Luft, außer man kühlt es im Kühlschrank. Selbst da gehts nach wenigen Wochen kaputt, außer man friert es ein. Das geht aber mit den Protokormen schonmal nicht mehr.
Sterilisieren bedeutet ja etwas keimfrei zu machen. Dann muß man aber auch dafür sorgen daß es keimfrei bleibt! Also steril aussäen ist ein Muß. Wobei ich aber vorbehalte habe, daß Schokopudding genügend Vitamine und andere Spurenelemente enthält, daß die Protokorme lange damit zurecht kommen. Dann kann man aber auch gleich einen eigenen Nährboden aus Honig, Kartoffelsaft etc zusammenmixen.
Die Agar-Honig Methode ist sicher auch fürs aussäen geeignet, warum nicht? Die Sigmaböden enthalten aber auch Aktivkohle und es soll einige Arten geben, die mit diesem Bestandteil nur schwer oder gar nicht keimen. Sie sind also auch kein Allheilmittel.
Das Problem am Ende stellt sich halt beim sterilen aussäen bzw steril halten der Gläser. Hieran scheitern die meisten, da es auch einiges an Aufwand bedeutet. Die Nährböden selber sind schnell zusammen gemixt.
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cloud  Gärtnermeister

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RamblingRose  Pflanzendoktorin

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Campanile  Hauptgärtnerin

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