Zierquitte und Zweitblüte

 
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Dieter Hermann

Gestern habe ich in einem Vorgarten in Süd-Baden einen ca 1 m hohen Strauch gesehen (s. Bild), der Früchte, Blüten und Dornen an den Ästen trug. Die Blüten waren ca halb so klein, wie bei einer Japanischen Zierquitte; darum habe ich Zweifel, ob es eine solche ist. Gibt es vielleicht entsprechende Hybridsorten?

Mit allseitigen Grüßen

Dieter Hermann
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Plantsman

Moin,

das ist schon eine Chaenomeles. Die "Blüte" ist einfach nur der Kelchbecher (Hypanthium) der stehengeblieben ist, nachdem die Blütenblätter abgefallen sind. Leider nix neues oder aufregendes.
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Dieter Hermann

Da scheinen ja die zweiten Blüten im Spätsommer recht hinfällig zu sein. Ob es eine Ch. japonica ist muß nun natürlich offen bleiben. Übrigens blühen die Forsythien bei uns auch zum zweiten Mal.

Mit bestem Dank für die Richtigstellung und Gruß D.H.
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Dieter Hermann

Hier noch Fotos, die zeigen, dass nicht nur die Zierquitte ein Spätblüher sein kann: Forsythienblüten mit Blattschmuck!

Bekannt ist ja, dass mit, z.B. im Winter geschnittenen, Kirschbaumzweigen in der Vase ein blühender Vorfrühlingsstrauß zu erzielen ist. Das ist dann aber ein vorgezogenes reguläres Erblühen. Wie steht es aber mit der, im Grunde "nutzlosen" Zweitblüte im Spätsommer? Gibt da etwa der Klimawandel der Pflanze einen Blühimpuls?
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Plantsman

Moin,

es ist nicht der Klimawandel direkt. Der Blühimpuls wird durch mehrere Faktoren gesteuert. Bei den typischen Frühlingsblühern ist es 1. ein gewisses "Kältebedürfnis", dabei werden durch die Kälte Hormone abgebaut, die den Austrieb und die Blüte verhindern. Interessanterweise hat Hitze wohl den gleichen Effekt. 2. die Tageslänge, wobei es nicht unbedingt die sich verlängernden Tage sind, sondern die Länge an sich, zur Zeit also ca. 12 Stunden, wie im März. 3. spielt auch die Temperatur ein Rolle, die jetzt ja auch ähnliche Werte hat, wie im Frühjahr. An vielen Frühjahrsblühern kann man oft eine leichte Nachblüte im Herbst sehen z.B. Primeln, Rhododendron, Bergenien (es gibt sogar eine Sorte, ´Herbstblüte´, die im Herbst genau so stark blüht wie im Frühjahr).
Eventuell könnte es passieren das durch die in Zukunft evtl. heisseren, trockeneren Sommer dieser Effekt verstärkt wird.
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Dieter Hermann

Also, Stefan, das ist für mich nun doch etwas Neues und Aufregendes:

Tageslänge und Temperatur sind sicher die wichtigsten Steuerungsfaktoren bei der Abfolge von Blüh- und Fruchtperiode. Interessant ist aber, dass die herbstliche Nachblüte leichter, kürzer, hinfälliger ist, als die Frühjahrsblüte. Es werden daher sicher noch weitere Faktoren eine Rolle spielen, die die "irrtümliche" Blütenentwicklung bei gleichen Temperatur- und Tageslängenverhältnissen im Herbst korrigieren. Es ist ja auch nicht so, dass z. B. in den Tropen die Pflanzen ständig Blüten und Früchte zur gleichen Zeit tragen, weil hier die jahreszeitlichen Unterschiede der Temperatur- und Lichtverhältnisse fehlen. Ich könnte mir vorstellen, dass ähnlich wie im animalischen Bereich, wo die Empfängnisbereitschaft bei trächtigen Weibchen hormonell unterdrückt wird, die Blütenbildung im Fruchtausbildungszustand auf hormonellem Wege weitgehend blockiert ist.

Ich danke Dir vielmals für Deine interessanten fachwissenschaftlichen Ausführungen und grüße Dich vielmals

Dieter Hermann
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Plantsman

Eine kurze Anmerkung zum Schluss,

die Engländer haben in ihrer Kolonial-Zeit in Ost-Afrika versucht, europäische Fruchtbäume anzupflanzen. Sie haben sie zwar in die Hochlagen gepflanzt, aber auch dort wurden die Bäume, die unseren Jahresverlauf brauchen, total aus dem Tritt gebracht. Nach wenigen Jahren waren auf einer Pflanze sämtliche Jahreszeiten gleichzeitig zu beobachten und noch etwas später sind die Bäume entkräftet abgestorben. Damals wusste man noch nichts von Vernalisierung, Tageslängensteuerung usw.
Diese Beschreibung habe ich mal in einem Buch über die Flora der Welt gefunden, kann aber leider keine Quellenangabe machen, an den genauen Titel kann ich mich nicht mehr erinnern.

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