Die Vielfalt der Pflanzenwelt in der „Grand Dame der Gartenanlagen in Köln“ versetzt den Besucher in die Fülle und Üppigkeit der Glaspaläste und Wintergärten des 19. Jahrhunderts. Einen Schwerpunkt stellt dabei die Kameliensammlung mit derzeit über 600 Pflanzen aus 500 verschiedenen Sorten und Arten dar. Bereits der Eingang des 1964 errichteten Subtropen-Schauhauses wird von einer fünf Meter hohen und über 100 Jahre alten Camellia japonica ‘Marguerite Gouillon‘ flankiert. Ähnlich alt sind die Exemplare der Sorten ‘Sericea’, ’Roi de Belges’, ‘Bealei Rosei’, 'Lady Campell’ und ’Elegans’, die hier zum Teil seit Jahrzehnten gedeihen. Überragt von Baumfarnen und anderen subtropischen Gewächsen sind hier viele weitere Kamelien ausgepflanzt. Alte italienische und japanische Sorten, viele Wildarten, sowie die meterhohen Camellia reticulata-Hybriden ziehen die Besucher zur Blütezeit von Januar bis April in ihren Bann.
Alle Pflanzen sind etikettiert, die Herkunft und der Standort wurden in einer Datenbank dokumentiert.
Erste Versuche in den 70er Jahren
Bereits seit 1976 gab es erste Versuche, einige Camellia-japonica-Sorten im Freiland zu kultivieren, von denen aber wegen der darauf folgenden sehr strengen Winter (1978/79) nur wenige Pflanzen überlebten. Im Jahre 1997 wurde dann eine Kollektion im Klima Norddeutschlands bereits erprobter winterharter Kamelien-Sorten vor dem Subtropenhaus gepflanzt. Seitdem wird diese Pflanzung ständig erweitert und deren Entwicklung im Kölner Klima dokumentiert. Von Shigeo Matsumoto (Japan) erhielt der Botanische Garten Köln in den Jahren 1998 und 2001 Saatgut von verschiedenen japanischen Sorten, wie zum Beispiel von ’Bokuhan’, ’Maria Sama’ und ’Izumotaisha-yabu-tsubaki’.
Im selben Zeitraum wurden Samen von den frostharten Sorten der „Camellia Forest Nursery“ der Familie Parks (USA) ausgesät. Die so entstandenen mehr als hundert Jungpflanzen wurden zur weiteren Selektion und Beobachtung auf einer Freilandfläche aufgeschult und weiterkultiviert. Im Jahre 2007 wurden die besten und härtesten Exemplare in den eigens dafür angelegten „Kamelienwald“ im Umfeld des Subtropenhaus gepflanzt. Diese haben sich trotz der ungewöhnlich kalten Winter der letzten Jahre ohne besondere Verluste oder Frostschäden sehr positiv entwickelt. Einige bemerkenswerte Sämlinge mit gutem Wuchs, attraktiver Bütenform und -farbe wurden bereits selektiert. Diese könnten in Zukunft als neue Sorten ein großes Potenzial besitzen, und es ist beabsichtigt, einige als neue Sorten registrieren zu lassen.
Auf dem Weg zur Teeplantage
Besonders bemerkenswert unter den 155 derzeit im Freiland kultivierten Kamelien ist auch die sehr winterharte, japanische Form („small leafed“) des Teestrauches Camellia sinensis. Aus kultivierten Stecklingen dieser Form soll bald eine kleine Teeplantage entstehen, bei der dann die Besucher alles Wissenswerte über die Teepflanze erfahren.
Im „Tropischem Hof“, dem offenen Eingangsbereich der Tropenhäuser mit einem Wasserbecken mit der Riesen-Seerose Victoria cruziana erzeugen die seit 1998 ausgepflanzten Exemplare von verschiedenen Camellia sasanqua-Sorten, Camellia oleifera und deren Hybriden, unter mehreren bis zu acht Meter hohen Hanfpalmen ein subtropisches Ambiente. Verstärkt wird dieses noch durch die vielen subtropischen, blühenden Kübelpflanzen im Sommerhalbjahr. Die hier ausgepflanzten, herbstblühenden Kamelien haben eine imposante Größe von bis zu dreieinhalb Metern entwickelt und erfreuen die Besucher vom Frühherbst bis zur Weihnachtszeit mit ihrer Blütenpracht.
Zur Blütezeit der herbstblühenden Kamelien erfolgt dort eine Besucherpräsentation mit entsprechenden Bild- und Texttafeln.
Japanische Sorten als Schwerpunkt
Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung stellen die original japanischen Sorten, wie ‘Kakure-iso’, ’Hakuhan-kujaku’ und ‘Yume’ sowie viele Higo-Kamelien, dar. Ergänzt wird die Pflanzenkollektion durch duftende Sorten, wie die bekannte ’Fragrant Pink’, oder auch seltenere wie ‘Souzas Pavlova’, ‘Duftglöckchen’ und ’Koto-no-kaori’. Diese duftenden Kamelien werden für den Besucher besonders gekennzeichnet.
Unter den 40 kultivierten Wildarten finden sich auch größere Exemplare beispielsweise von Camellia transnokoensis, Camellia crapnelliana, Camellia yunnanensis und Camellia grijsii. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die selteneren mit gelber Blüte, wie etwa Camellia nitidissima, Camellia chrysanthoides und Camellia flava. Daneben werden auch eine Vielzahl von modernen, gelbblühenden Hybriden wie ‘Shoko’, ‘Kagiroi’ und ’Kicho’ präsentiert.
Besuchermagnet: die Ausstellung "Fernöstlicher Blütenzauber – Kamelien"
Seit 2001 zieht die Ausstellung "Fernöstlicher Blütenzauber – Kamelien" jährlich von Januar bis April mehr als 65000 Besucher an. Zu dieser Zeit wird ein großer Teil der Sammlung - mehr als 250 etikettierte Arten und Sorten - präsentiert. Sieben großformatige Schautafeln vermitteln den Besuchern die wichtigsten Fakten zur Heimat, Geschichte, Nutzung und Züchtung der Kamelien. Begleitend dazu werden im laufenden Jahresprogramm und zusätzlich auf Anfrage Führungen durch die Ausstellung durchgeführt. Darüber hinaus bieten die Kameliengärtner des Botanischen Garten auch praxisorientierte Führungen zur Pflege, Vermehrung und Kultur von Kamelien an. An einem Wochenende im März wird im Rahmen der Ausstellung “Ein Gaumenspaziergang durch den Garten der Teewelt” mit Teeprobe und Beratung zu Schwarzen und Grünen Tees angeboten.
Spende ermöglicht Erweiterung
Eine Vielzahl von Jungpflanzen der Kamelien wird zudem in Töpfen im Anzuchtbereich des Botanischen Garten kultiviert, um sie später ebenfalls dem Besucher während der Ausstellungen zu präsentieren. Dazu erhielt der Botanische Garten Köln eine sehr großzügige Spende der Deutschen Kameliengesellschaft in Form eines zusätzlichen Thermogewächshauses im Wert von 10000 Euro. Das 2009 eröffnete Haus erleichtert die Kultur der einzigartigen Sammlung und ermöglicht eine zukünftige Erweiterung des Kamelienbestandes. Diese wird unter anderem auch dank der Unterstützung vieler Kamelienliebhaber aus den Gesellschaften (Deutsche Kameliengesellschaft DeKG, Internationale Kameliengesellschaft ICS) ermöglicht. -flor-
Infokasten: Die FLORA - Kölns schönster Garten
In der FLORA, dem Botanischen Garten Köln, bildet die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts mit der heimischen und exotischen Pflanzenwelt ein ästhetisches Gesamtkunstwerk. Die nach Linné „liebenswerte Wissenschaft der Botanik“ zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite und lockt jährlich bis zu einer Million Besucher an.
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Die FLORA wurde von wohlhabenden Bürgern als Aktiengesellschaft konzipiert und 1862 bis 1864 nach Plänen Peter Joseph Lennés als Botanischer Zier- und Lustgarten geschaffen.
1914 entstand benachbart der Botanische (Lehr-) Garten mit Gehölzsammlung, der 1920 mit der FLORA zu der nun 11,8 Hektar großen Anlage vereint wurde. Heute werden hier insgesamt etwa 10.000 verschiedene Pflanzenarten aus allen Vegetationszonen kultiviert.
So gibt es neben den Kamelien auch bedeutende Sammlungen von Sukkulenten, Kakteen, Pelargonien, Aloen, Palmfarnen, Palmen, Orchideen und Farnen. In den Sammlungen sind viele sehr seltene und heute zum Teil streng geschützte Pflanzen enthalten.
30 Hanfpalmen aus eigener Anzucht (Sämlinge der schon in den 1970er Jahre ausgepflanzten Exemplare) bilden seit Mai 2008 die erste und einzige ausgepflanzte Palmenallee Deutschlands.
Ein vielfältiges Jahresprogramm bietet mehrere Sonderausstellungen, Sonntagsführungen, Kinderprogramme, Vorträge und Exkursionen an.
Der Garten ist in den wichtigen nationalen und internationalen Netzwerken der Pflanzenkultur eingebunden, so unter anderem als Mitglied der International Camellia Society (ICS) und der Deutschen Kameliengesellschaft (DeKG). -flor-
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Die Flora, der Botanische Garten Köln
Amsterdamer Str. 34
D-50735 Köln
Germany
Der Eintritt in den Garten ist frei!
Öffnungszeiten: 8 bis zur Dämmerung (maximal 21 Uhr);
Gewächshäuser: 10 bis 16/18 Uhr (Winter/Sommer)
Haupteingang: Alter Stammheimer Weg
[size=117]Dies ist ein Artikel aus unserer Zeitschrift Pflanzen wunderschön. Von Mitgliedern für Pflanzenfreunde geschrieben.... Den kompletten Artikel mit Bildern findest Du in der Ausgabe 5[/size]