Die Hortensien - Hydrangea macrophylla

Autor: Frank   
Veröffentlicht: 22.10.2009 - 08:00 Uhr
 
 
Bildquelle: 693-Ballhortensien-Rispenhortensien.jpg
Geschichte, Verwendung, Pflege und Arten der Hortensie

Die Topf- oder Bauernhortensie, mit botanischem Namen Hydrangea macrophylla, war schon bei unseren Großeltern als blühende Schönheit bekannt. Heutzutage steht die Hortensie auf Platz Neun der beliebtesten deutschen Topfpflanzen. Doch ursprünglich stammt sie gar nicht aus unseren Breiten, sondern ist eine Einwanderin, die aus ihrem Herkunftsland Japan „illegal“ herausgeschmuggelt wurde!

Das Abenteuer lockt


Auf der Suche nach Ruhm, Ehre und auch Pflanzen zogen nach 1600 vermehrt europäische Reisende in die entferntesten Winkel der Welt. Einige standen als Kaufleute, Wissenschaftler und Ärzte im Dienste von Handelsgesellschaften, Fürsten oder Regenten, die zu Beginn der Kolonialzeit die unbekannten Länder Asiens und Afrikas erforschten und in Besitz nahmen. Andere waren wagemutige Abenteurer, die ihrem eigenen Entdeckertrieb folgten. Viele waren Botaniker oder Pflanzensammler aus Leidenschaft. Sie berichteten von einer reichen Tier- und Pflanzenwelt in Übersee und brachten unter vielen Strapazen Ansichtsexemplare in ihre Heimatstädte. Oft mussten sie während ihrer Touren ihre Ausrüstung und die gesammelten botanischen Schätze durch unwegsame Gebiete, über Berge, durch Wüsten, Sümpfe oder Urwälder transportieren. Brände machten alle Funde zunichte, oder aber Seeleute, denen die Pflanzentransporte uninteressant erschienen, kippten die Ladung von Herbarbelegen, den stapelweise gepressten Pflanzen, kurzerhand über Bord. Einmal glücklich in der neuen Heimat angekommen, verwandelte diese reiche Beute der Pflanzenjäger europäische Gärten in blühende Paradiese – Exoten bevölkerten Gewächshäuser und Wintergärten. Ohne diese Mitbringsel von damals sähen unsere Fensterbänke und Balkone heute ziemlich trostlos aus.

Einschiffen nach Übersee

Wie viele andere grüne Zeitgenossen reisten auch die Hortensien einst im Gepäck mutiger Sammler in Richtung Europa, zuerst allerdings nur in getrockneter Form. Der französische Arzt und Botaniker Philbert Commerson sandte zwischen 1771 und 1773 Herbarexemplare, vermutlich aus chinesischen Gärten, nach Gent und nach Paris. Er war von der Schönheit der prächtigen Hortensienblüten so angetan, dass er den Pflanzen einen ganz besonderen Namen gab – den seiner Geliebten und Begleiterin, Hortense Barré. Allgemein wird angenommen, dass die erste lebende Hortensie vom Naturforscher Joseph Banks von seiner Forschungsreise mit James Cook 1789 nach England gebracht wurde und als Einzelstück in den Botanischen Kew Gardens zu bewundern war. Vom Botanischen Garten gelangte die Hortensie auch in andere Länder Europas und wurde rasch beliebt. Ihre Verbreitung beschränkte sich allerdings vorerst auf Fürstensitze oder Botanische Gärten. In Deutschland wurde sie zur Lieblingsblume der preußischen Königin Luise, und nach ihrem frühen Tod im Jahre 1810 umpflanzte man ihr Grab im Schlosspark Charlottenburg mit Hortensien.

Integration gelungen

Im Laufe des 19. Jahrhunderts gelangten weitere Kultivare aus Japan nach Europa. Bis dahin war der Pflanzenreichtum Asiens aus politischen Gründen in Europa relativ unbekannt. Vor allem Japan hatte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts komplett abgeschottet und erlaubte nur wenigen Ausländern die Einreise. In Japan wurden Hortensien bereits über viele Jahrhunderte kultiviert, aber schon im Jahre 1587 hatte der japanische Herrscher Hideyoshi Priestern ihre Verbreitung verboten. Als sich der Augenarzt und Botaniker Philipp Franz von Siebold in niederländischer Mission von 1823-1829 und 1852-1862 in Japan aufhielt – zu einer Zeit, als kaum ein Fremder das Land betreten durfte – gelang es ihm, zahlreiche Pflanzen zu sammeln und heimlich nach Leiden zu verschiffen. Darunter waren auch Exemplare der blaublütigen Gartenhortensie, die er galant nach seiner Ehefrau Otaki benannte. Ab der Jahrhundertmitte begannen in Europa die Gärtner mit der Sortimentverbesserung und Züchtung, zuerst in Frankreich, später in den Niederlanden, in Belgien, in der Schweiz und in Deutschland. Mittlerweile gibt es bei uns zahlreiche, durch Kreuzung mehrerer asiatischer Arten entstandene Sorten. Dass es die Hortensie aber überhaupt bei uns gibt, das haben wir den damaligen Pflanzenjägern und ihrer Abenteuerlust und ihrem Forschungsdrang zu verdanken.

Gelungene Paarung für den Sommer

Die kugelrunden Dolden der üppig blühenden Hortensien passen hervorragend zu den kompakten Blüten der Rosen. Gemeinsam verwandeln sie mit ihren gelben, weiß-rosafarbenen und bläulich schimmernden Blüten den sommerlichen Balkon in ein Feuerwerk.

Üppige, ballförmige Blütendolden, die in traumhaftem Rosé oder Violett, strahlendem Weiß oder intensivem Blau leuchten – das sind die Markenzeichen der Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla). Um die bunten Seiten des Landlebens zu genießen, muss man jedoch nicht unbedingt in ländlicher Umgebung wohnen: Mit blühenden Hortensien im Topf oder Kübel kann sich jeder Gartenfreund die heiter-ungezwungene Atmosphäre in kleinem Maßstab auch auf die Terrasse, den Balkon oder in den Eingangsbereich holen. Das Schönste: Jede schattige Ecke wird durch sie zum echten Blickfang!

Schöner Schein

Hortensien haben sommergrüne, bis 7 cm breite und bis zu 20 cm lange Blätter. Die Blüten, die sie von Juni bis in den September schmücken, plustern sich in ihrer Schönheit regelrecht auf und verdecken große Teile des Blattwerks. Sie stehen in meist ballförmigen, dicht geschlossenen, doldenartigen Blütenständen, die je nach Sorte einen Durchmesser von bis zu 20 cm haben können. Bei den Blütenbällen handelt es sich eigentlich „nur“ um Scheinblüten aus blütenblattartigen Kelchblättern, die Insekten anlocken. Die echten Blüten sitzen wesentlich kleiner und unscheinbarer in der Mitte der Dolde. Bei den Bauernhortensien gibt es neben den ballförmigen Sorten auch die so genannten Tellerhortensien. Sie haben eine tellerförmige Blüte mit einem Kranz auffallender großer Scheinblüten am Rand. Die Lust auf üppige Farben in einer kühlen Designerwelt aus Glas und Chrom beschert der Hortensie seit einigen Jahren ein starkes Comeback: Früher erblühte sie in nostalgischer Zartheit, heute sind die Blütenfarben neuer Züchtungen satt und warm und von beeindruckender Leuchtkraft. Das Farbspektrum der Hortensienblüten umfasst neben Weiß zahlreiche Rosa-, Rot- und Blautöne. Eine Besonderheit bei Hortensien ist, dass die Blaufärbung einiger Sorten durch den pH-Wert des Bodens, also die Düngung, beeinflusst werden kann.

Als Single oder glücklich verpartnert

Durch ihren kompakten Wuchs und ihre auffallenden Blüten kommen Bauernhortensien sehr gut als Einzelpflanze zur Geltung. Solo sind üppig blühende Hortensien zum Beispiel in nostalgisch anmutenden Pflanzkübeln aus Terrakotta ein Gewinn für jeden Balkon oder Terrasse und verbreiten romantisches Flair. Mehrere Hortensien beieinander haben sogar auf Entfernung eine enorme Farbwirkung. Im Beet lassen sich Hortensien auch gut mit Stauden kombinieren, zum Beispiel mit Pfingstrosen, Türkenmohn und Tränendem Herz oder mit Funkien, Taglilien und Astilben – Stauden, die wie die Hortensie ursprünglich aus Ostasien stammen

Wie hat sie’s denn gerne?


Die Hortensie liebt es, hell und kühl zu stehen. Auf der Terrasse und dem Balkon braucht sie einen geschützten, luftigen und leicht schattigen Platz. Am wohlsten fühlt sie sich bei moderaten Temperaturen – im Sommer reichen ihr 20 Grad Celsius vollkommen aus. Ideal ist ein gleichmäßig feuchter, humoser und gut wasserdurchlässiger Boden, der sauer bis neutral sein sollte. Für Hortensien in Töpfen und Kübeln ist Rhododendronerde hervorragend geeignet. Der lateinische Name der Hortensie, „Hydrangea“, bedeutet „Wasserschlürferin“, womit ein weiteres Bedürfnis der Hortensie angesprochen ist. Während der Blüte schätzt sie es, regelmäßig gegossen zu werden – mit Vorliebe trinkt sie entkalktes Wasser. Bei hohen Temperaturen lieben Hortensien eine erfrischende Dusche mit kühlem Nass – und der Pflanzenfreund wird mit beeindruckendem Blütenreichtum belohnt!

Das blaue Wunder erleben! In sauren Böden mit niedrigem pH-Wert blühen ehemals rosafarbene oder rote Hortensien auf einmal in den schönsten Blautönen. Doch von wegen immer blau! Nur aus einem sauren Boden können die Pflanzen Aluminiumionen aufnehmen, die sie zur Blaufärbung brauchen. Im Fachhandel sind spezielle Dünger erhältlich, die den Boden ausreichend mit Aluminium versorgen, falls die Hortensien rot sehen.

Die ersten Kulturformen der Hortensien wurden Ende des 18. Jahrhunderts aus Asien nach Europa eingeführt. Seit damals sind durch Kreuzung mehrerer asiatischer Arten zahlreiche Zuchtsorten entstanden. Die beliebten „guten alten“ Bauernhortensien (botanisch Hydrangea macrophylla) werden in unseren Breiten hauptsächlich in Gärten, zunehmend jedoch auch als Kübel- und Zimmerpflanzen verwendet. Ihre Blüten leuchten in reinem Weiß, kräftigen Rot- und Rosatönen und je nach Säuregrad des Bodens auch in Blautönen, die viele Gartenfreunde besonders faszinieren.

Eine folgenreiche Verbindung

In der Literatur finden sich schon kurz nach ihrer Einführung in Europa Berichte über rot blühende Hortensien, die plötzlich blaue Blüten hervorbrachten. Schon 1818 vermerkte der mecklenburgische Pfarrer Wredow in seinem in Berlin erschienenen „Gartenfreund“, dass man durch Verwendung von Eisenocker in der Pflanzerde die schön rosafarbenen Blüten in prachtvoll himmelblaue verwandeln könne. Andere Quellen beschreiben das „menschliche Versagen“ eines arglosen Gärtnergesellen, der versehentlich einen Teil der Jungpflanzen in aluminiumoxid- und eisenoxidhaltige Erde gepflanzt hatte. Schnell fanden Wissenschaftler heraus, dass dieser Farbumschlag durch freie Aluminium-Ionen hervorgerufen wird. Was zunächst als Fehler angesehen wurde, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als echter Glücksfall: Die Blaublütigen wurden beim Gartenvolk äußerst beliebt!

Immer blau?

Eins ist klar: Weiße Hortensien blühen weiß. Immer. Rote und rosafarbene Hortensien dagegen sind zur Blaufärbung geeignet. Denn sie enthalten den Farbstoff Delphinidin, der mit Aluminiumionen eine Verbindung eingeht, die zur intensiven blauen Ausfärbung der Blüten führt. Dennoch, wenn eine Hortensie blau blüht, heißt das nicht, dass sie es immer tut! Es reicht also nicht, eine blaublühende Sorte im Handel zu erwerben und sich in Anbetung ihrer Schönheit zurückzulehnen – auch die Wachstumsbedingungen müssen für die Blaufärbung optimal sein. Gemäß ihres ursprünglichen Terrains in Ufernähe lieben Hortensien den Halbschatten und vermindern bei direkter Sonneneinstrahlung die Blaufärbung. Auch Staunässe mögen sie nicht, gleichmäßige Feuchtigkeit, wie sie in der Natur in der Nähe von Wasserläufen vorkommt, behagt ihnen hingegen sehr. Von allergrößter Wichtigkeit für die Blaufärbung ist der Säuregrad der Pflanzenerde, angegeben als pH-Wert. Nur aus einem sauren Boden mit einem pH-Wert von etwa 4 bis 4,5 können die Pflanzen das Aluminium aufnehmen, das sie zur Blaufärbung benötigen. Bei einem höheren pH-Wert wird das Aluminium vom Boden chemisch gebunden und steht den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung.

Chemielektion Nr. 1

Um den für die Blaufärbung benötigten niedrigen pH-Wert zu halten, ist regelmäßiges Gießen mit Regenwasser die beste Lösung. Denn vielerorts ist das Trinkwasser zur Bewässerung der Hortensien zu kalkhaltig. Die Erde im Topfballen wandelt sich nach regelmäßigem Gießen mit solchem Leitungswasser von „sauer“ zu „alkalisch“ und deshalb verfärbt sich die Blüte von Blau nach Rot. Ein echter Hortensienliebhaber lässt sich natürlich nicht von der Chemie austricksen. Wenn Sie die Blüte wieder blau machen wollen, kein Problem, es dauert allerdings eine gewisse Zeit. Im Fachhandel werden spezielle Präparate angeboten, die den Boden ausreichend mit Aluminium versorgen. Hat sich eine Pflanze erst einmal für Rot oder Rosa entschieden, sind etwa zwei Jahre regelmäßiger Aluminiumbehandlung nötig, um wieder ein blaues Wunder zu erleben. Dann aber sehr!

Tipps für blaue Blüten:

· Nur rote und rosa Hortensiensorten eignen sich für die Blaufärbung. Sie enthalten den Farbstoff Delphinidin.
· Nur bei einem pH-Wert (Säuregrad) des Bodens von 4 bis 4,5 kann die Hortensie das Aluminiumoxid aufnehmen. Torfgaben und Regenwasser sorgen für einen niedrigen pH-Wert.
· Die Erde muss ausreichend mit Aluminiumoxid versorgt sein. Im gärtnerischen Fachhandel erhalten Sie speziellen Hortensiendünger. Wichtig: nicht alle Hortensiendünger enthalten Aluminium. Achten Sie darauf!
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Diskussion

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Kurti60

Also ich habe eine weiße Rispenhortensie, welche mich in diesem Jahr mit ihrer Farbenvielfalt überrascht hat. Begonnen hat sie mit weißen Blüten, so nach und nach gingen diese ins gelbe über und nun blühen sie in einem altrosa/rot. Das ist eine tolle Sache. Die Überraschung ist ihr gelungen!
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Mel
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Mel

Es gibt die auch "Tricolor"

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Schnuffy

Die sieht wirklich toll aus. Kann es sein, das die Blattform bissel anders ist?

Auf jedenfall ist die ja schon sehr weit, meine neu geschenkte "normale" hat noch nicht so viele Blätter.
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Mel
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Mel

Scheint es in Deutschland auch noch nicht so häufig zu geben. Keine Ahnung warum die schon so weit ist. Meine Ausgepflanzten fangen gerade erst an auszutreiben

Ich werde berichten wie sie sich macht
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tartan

Schon mal was von Gewächshäusern gehört. Bei solchen Pflanzen immer schön auf Spätfröste achten.
es ist fast wie mit Gemüse und Obst...bald bekommt man manche Pflanzen das gesamte Jahr über zu kaufen.

Ob das gut ist...
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Mel
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Mel

Apropos Blattform: Das ist eine eich(en)blättrige Hortensie -Hydrangea quercifolia leider noch ohne Blüte, da dieses Jahr erst gekauft

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