Wintergäste aus dem hohen Norden: Bergfinken

Autor: Redaktion Magazin   
Veröffentlicht: 14.02.2012 - 12:06 Uhr
 
Wintergäste aus dem hohen Norden: Bergfinken

Südbaden im Januar 2010. Winterlicher Frieden liegt über dem Hotzenwald, der Schnee glänzt im spätnachmittäglichen Licht. Dann treffen die ersten Vögel ein. Anfangs in kleinen Schwärmen, dann immer mehr, bis das Tschilpen aus Millionen Vogelkehlen und das Schlagen der Flügel sich zu einer gigantischen Geräuschkulisse vereint und die Vögel wie Rauch im Wind zwischen den Bäumen wabern. Kleine Finken mit dem klangvollen zoologischen Namen Fringilla montifringilla, auf deutsch Bergfink, treffen sich hier in aberwitzigen Schwärmen für die Nacht.

Ein Paar fürs Leben

Die Brutgebiete der kleinen Vögel liegen in den nördlichen Waldzonen, den Nadel- und Birkenwäldern von Norwegen bis Ostasien. Hier finden die monogam lebenden Tiere Birken, ihre bevorzugten Nistbäume. In vier bis fünf Metern Höhe baut das Weibchen aus Flechten, Rinde, Wurzeln und Halmen ein napfförmiges Nest, das von außen mit Zweigen gestützt und innen weich ausgepolstert wird. Auch das zweiwöchige Ausbrüten der vier bis sieben, weißen bis hellbraunen Eier ist Aufgabe des Weibchens. Bei der Fütterung teilen sich die Eltern die Arbeit. Die Familie ernährt sich während der von Mai bis in den Juni andauernden Brutzeit vorwiegend tierisch. Erbeutet werden Insekten, Spinnentiere und andere Wirbellose. Nach zwei Wochen sind die Jungen flügge, ein bis zwei Wochen später selbstständig.

Speisezettel in kinderlosen Zeiten

Außerhalb der Brutzeit ernähren sich die Finken vornehmlich von Samen. Grassaatgut wird ebensowenig verschmäht wie Birken- oder Erlensamen, aber auch Knospen und Bucheckern halten Einzug in ihren Speisezettel. Bergfinken wühlen auf der Suche nach Bucheckern im Schnee und können selbst unter fester Schneedecke 30 Zentimeter lange Tunnel graben. Allerdings sind diese Grabereien nicht ohne Risiko, da die Vögel heranpirschende Katzen oder Füchse zu spät bemerken. Im Winter sind Bergfinken auch an Futterstellen zu sehen, wo sie besonders gerne über Sonnenblumenkerne herfallen. Bergfinken müssen täglich trinken, können jedoch auch mit Schnee ihren Wasserbedarf decken.

Große Schwärmereien

Wenn im September die kalte Jahreszeit näher rückt, machen sich die Vögel auf in ihre Überwinterungsgebiete. Die Größe der wandernden Schwärme schwankt sehr stark in Abhängigkeit vom Futterangebot. Deutschland ist ein Land der Buchen - und Bergfinken lieben Bucheckern. Daher fallen sie in Mastjahren der Buchen in riesigen Schwärmen ein, wie 2009 bei Lödersdorf, Österreich oder 2010 in Südbaden. Dieses Nahrungsangebot zieht Feinde an. Besonders Luftjäger wie Merlin, Wanderfalke und Sperber nutzen die günstige Gelegenheit, wenn die Finken sich an ihren Schlafplätzen sammeln. Allerdings kann sich unter den vielen wachsamen Augen kaum ein Räuber unentdeckt nähern und die Gefahr für den Einzelnen, als Abendbrot im Magen eines Jägers zu enden, ist bei der riesigen Auswahl sehr gering.

Kleiner, brauner Vogel - oder?

Von Oktober bis April sind die Finken hierzulande zu sehen. Sie ähneln Hausspatzen (Passer domesticus) oder Buchfinken (Fringilla coelebs). Besonders die vorwiegend braunen Weibchen kann man leicht verwechseln. Allerdings haben Bergfinken weiße bis hell bräunliche Flügelbinden und am Bürzel ein weißes, ovales Abzeichen, das besonders im Abflug gut zu sehen ist. Die Männchen sind an ihrer orangefarbenen Brust und der im Winterhalbjahr schwarz-weiß-geschuppten Kopffärbung leicht zu erkennen. Im Prachtkleid verschwinden dann kleine weiße Zwischenfedern, so dass das Kopfgefieder einheitlich schwarz wird. Eigentlich ein schöner Vogel, doch wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt vor allem die schiere Masse der Millionenschwärme im Winter. -rh-

STECKBRIEF

Art: Fringilla montifringilla
Familie: Fringillidae (Finken)
Länge: 15 bis 16 Zentimeter (wie Hausspatz)
Flügelspannweite: 25 bis 28 Zentimeter
Gewicht: 19 bis 23 Gramm
Nahrung: Körnerfresser; während der Brut Insektenfresser
Höchstalter: (beringter Vogel): Zwölf Jahre und sieben Monate. Meist jedoch zwei bis fünf Jahre.
Flug: rasch und geradlinig, bei weiteren Entfernungen auch wellenförmig
Gefährdung: nicht gefährdet

[size=117]Dies ist ein Artikel aus unserer Zeitschrift Pflanzen wunderschön. Von Mitgliedern für Pflanzenfreunde geschrieben.... Den kompletten Artikel mit Bildern findest Du in der Ausgabe 8[/size]

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