Hallöchen!
Also, erst mal ist dein Bonsai ein Indoor und kein Outdoor-Bonsai wie der Gattungsname
Ligustrum vielleicht vermuten lässt.
Doch trotzdem bedarf ein Indoor einer vorsichtigen Hand.
Fehler Numero 1:
Zitat geschrieben von artzuk
Standort war immer hell und warm.
Im Winter ein nicht unerheblicher Faktor! Indoor-Bonsai wollen stets kühl überwintert werden. Da sie jedoch nicht winterhart sind in unseren Breiten, muss man ihnen diese Überwinterungsmöglichkeit im Haus einräumen.
Dabei empfiehlt sich ein heller, küher (also ca. 12-15°C) Platz zum Beispiel im Wintergarten oder im Treppen haus. Wichtig hierbei ist nur: Keine Zugluft! Sonst droht Frostschaden!
Fehler Numero 2:Zitat geschrieben von artzuk
Wasser bekommt er sehr reichlich.
Gerade in der dunklen Jahreszeit namens Winter ein Novum!
Auf der Seite
Yamadori-Bonsai.de steht im Abschnitt "Giessen" zum
Ligustrum sinensis folgendes zu diesem Thema:
Zitat
Im Winter nur mässig feucht halten aber auch hier darauf achten,dass er nicht zu trocken wird. Jedoch gilt : Staunässe vermeiden !!
Sprich: wenn er einmal Staunässe hatte, kann er schon mit Blattabwurf reagieren.
Und gerade bei Bonsai (egal ob Indoor oder Outdoor) sollte man vorsichtig sein mit etwaigen Ausdrücken wie "reichlich gießen". Fingerprobe sollte bei jedem Gießvorgang gemacht werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. Und immer maßvoll gießen und nicht einfach "reichlich".
Fehler Numero 3:Zitat geschrieben von artzuk
auf einmal (war schon gegen Winter) sind immer mehr Blätter vertrocknet und abgefallen. Vor allem in der Mitte.
Das würde ich am ehesten auf zu viel Wasser zurückführen, als auf zu wenig, obwohl beide Umstände gleiche Symptome - nämlich die des Blattfalls - hervorrufen.
Fehler Numero 4:Zitat geschrieben von artzuk
Im Gegensatz dazu kamen aber immer wieder sehr lange Triebe mit Blättern.
Klarer Fall: Zu dunkel! Denn die Triebe werden immer länger (sie "vergeilen"), weil sie sich nach dem wenigen Licht orientieren. Denn was uns hell vorkommen mag, kann für eine Pflanze schon stockefinster ein.
Und besonders wenn der Standort warm ist, lässt sie die normalerweise notwendige Ruhepause aus und wächst und wächst. Wasser hat sie ja schließlich auch im Überfluss!
Und wie bei einem anderen Lebewesen kommt irgendwann der Moment, wo der Stoffwechsel schlapp macht. Und dann zeigen sich die ersten "Krankheits-"Symptome, wie Welken der Blätter.
Fehler Numero 5:Zitat geschrieben von artzuk
Gedüngt habe ich ihn ab und zu mal mit Blaukorn.
Wie der Gast richtig geschrieben hat, ist Blaukorn kein richtiger Dünger. Es gibt für Bonsai Spezialdünger, der genau auf ihr Nährstoffbedürfnis abgestimmt ist.
Fehler Numero 6:Zitat geschrieben von artzuk
Alle anderen Pflanzen behandel ich eigentlich genauso. Die wachsen richtig prächtig.
Ein Bonsai ist nicht wie jede andere Pflanze. Er ist ein Baum im Extremstandort namens Schale. Kaum eine andere Pflanze wird nämlich in dem Maße geschnitten, gezupft und/oder gedrahtet wie ein Bonsai. Einen Bonsai also mit jeder beliebig anderen Pflanze zu vergleichen, ist schlichtweg falsch. Es bedarf anderer Pflege (sei es die von mir eben erwähnen Pflegemaßnahmen oder das Umtopfen in die Schale etc.) um eine solche Pflanze bei sich halten zu können.
Was du nun tun kannst:
Erst mal umtopfen!
Also, raus aus dem alten Substrat, rein in neues.
Und auch hier nicht jede beliebige Erde nehmen. Gartenerde oder Kübelerde ist ungeeignet! Sie speichert viel zu viel Wasser durch ihren hohen Torfanteil.
Es gibt für Bonsai spezielle Mischungen und auch hier empfiehlt es sich, nicht einfach im Baumarkt eine Mischung zu kaufen.
(Dreh beim nächsten Einkauf im Baumarkt einfach mal den Beutel um und lies dich in die Inhaltsstoffe-Liste - auch dort wirst du Torf finden.)
Besser, du kaufst in einem Bonsai-Shop spezielle Bonsai-Erde.
Die Schale würde ich nicht unbedingt größer wählen. Du kannst aber eine (wenig) größere Variante der jetzigen vorziehen.
Ganz wichtig ist jedoch:
Du musst alles alte Substrat von den Wurzeln entfernen!
Damit entfernst du auch gleich mögliche Keimherde, die sich in der feuchten Erde gebildet haben.
Und alles an faulen Wurzeln solltest du ebenfalls abschneiden! Und hinterher nicht vergessen, alles zu desinfizieren, also das Messer einmal durch die Kerzenflamme ziehen und auf die Schnittstellen Wundverschlussmittel geben (da gibt's auch etwas spezielles im Bonsai-Shop).
Dann topfst du deinen Bonsai wieder neu ein.
Mit einem Essstäbchen z.B. stocherst du in der Erde herum, so dass alles Substrat ordnungsgemäß nachrutscht und keine Hohlräume entstehen, in denen sich wieder Feuchtigkeit ansammeln könnte.
Das erste Gießen nach dem Umtopfen erfolgt durchdringend, d.h. bis Wasser unten rausläuft.
Danach wird mit dem Gießen so lange gewartet, bs auch die Restfeuchte aus dem Boden der Schale verschwunden ist. Das merkt man mittels (richtig angewandter) Fingerprobe.
Die entlaubten Zweige und Äste würde ich noch nicht entfernen, das Bäumchen muss sich erst vom Umtopfstress erholen.
Dies wird zwar ein Weilchen dauern, aber du wirst es am beginnenden Neuaustrieb sehen. Dann kannst du auch ein bisschen zur Gestaltung deines Bonsai beitragen, in dem du die entblätterten Äste und Zweige einkürzt.
Nutze hierbei
unbedingt spezielles Bonsai-Werkzeug, um deinen Bonsai nicht unnötig zu verletzen!
Für dickere Äste nutzt man zum Beispiel eine Konkavzange, damit der Wundkallus genau über der Wunde liegt und keine unschönen Narbengeschwülste entstehen.
Eine Übersicht über die gängigsten Bonsaiwerkzeuge findest du [url=http://www.bonsai-info.net/bonsai-werkzeug/]>>>hierhier klicken