Vermehrung von Zimmerhibisken mittels Veredelung

 
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renabiskus

Hallo,

da Zimmerhibisken (Hibiscus rosa-sinensis) nicht reinerbig sind, kann die Vermehrung einer gewünschten Sorte nicht über Samen, sondern nur auf ungeschlechtlichem Wege erfolgen. Die einfachste Methode ist die Bewurzelung von Stecklingen, die allerdings bei vielen modernen Hybriden nicht oder nur sehr schlecht funktioniert. Als Alternative bietet sich die Veredelung an, das heißt, das Aufpfropfen eines Stückes der zu vermehrenden Sorte auf eine wüchsige, wurzelstabile Unterlage. Nachfolgend möchte ich Euch in 3 Teilen zeigen, wie das abläuft.

Vorbemerkungen:
Generell kann man grüne Kopfstücke, grün-verholzende Stücke und auch komplett verholzte Stücke zum Veredeln verwenden. Für die ersten Versuche sollte man verholzte Stücke wählen. Die Stücke sollten nicht zu lange sein, 15-20 cm genügen völlig, sie brauchen nicht mehr als 3 Augen zu haben.
Alle Schneidwerkzeuge peinlichst sauber halten, vor dem Gebrauch desinfizieren (ich verwende hierzu Isopropanol). Schnittflächen nicht berühren! Das Messer für den Zuschnitt des Edelreises sollte selbstverständlich so scharf wie möglich sein!
Für die Durchführung von Veredelungen sind die Monate April-August am besten geeignet, da die Schnitte in dieser Zeit am schnellsten zusammenwachsen.

Anmerkung: Die Bilder sind aus mehreren Veredelungen zusammengestellt. Sie zeigen deshalb verschiedene Unterlagen und Edelreiser, was ich zu ignorieren bitte. Wichtig ist die Abfolge der Arbeitsschritte!


Teil I: Vorbereiten des Edelreises

Schritt 1: Edelreis auswählen, das gewünschte Stück von der Mutterpflanze schneiden, alle Blätter entfernen, nur bei Kopfstücken die Blätter an der Triebspitze dranlassen (Bild 1a). Wenn man ein fremdes Edelreis verwendet, dann ist dieses in der Regel bereits vom Vorbesitzer präpariert (Bild 1b).

Schritt 2: Den Veredelungsschnitt durchführen (Bilder 2a-2e). Meine bevorzugte Veredelungsmethode ist die Spaltpfropfmethode. Dabei wird das untere Ende des Edelreises zu einem Keil zugeschnitten. Wichtig dabei ist, daß die Schnitte am Edelreis möglichst glatt und gleichmäßig ausgeführt sind, also keine "Mulden" oder "Buckel" aufweisen. Ferner sollten die Schnitte an beiden Seiten gleich lang sind. Je dicker das Edelreis ist, desto länger sollten die Schnitte sein.

Gruß, Renate
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Baghira

Hallo Renate,

ganz toll und anschaulich erklärt

Ich warte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung, sage jetzt aber schon herzlichen Dank für Deine Mühe.
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renabiskus

Danke Barbara,

hier ist schon

Teil II: Vorbereiten der Unterlage

Schritt 3: Geeignete Unterlage auswählen (Bild 3). Die Pflanze sollte gesund sein, gutes Wurzelwerk besitzen und sich in einer Wachstumsphase befinden. Ich verwende nur Unterlagen, die mindestens 1 Jahr alt sind, die Erfolgsquote ist bei zu jungen Unterlagen wesentlich geringer. Die Dicke des Stammes in einer Höhe von etwa 10-20 cm über der Substratoberfläche muß mindestens der Dicke des Edelreises entsprechen, etwas dicker ist von Vorteil.

Schritt 4: Unterlage köpfen (Bilder 4a-4c). Das Kopfstück kann wieder bewurzelt werden und bildet die nächste Generation an Unterlagen.

Schritt 5: Unterlage einschneiden (Bilder 5a-5b). Die Länge des Schnittes richtet sich nach der Länge des Veredelungsschnittes am Edelreis. In der Regel schneidet man mittig ein.

Fortsetzung folgt!

Gruß, Renate
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renabiskus

Hallo,

hier kommt der letzte Abschnitt...

Teil III: Zusammenfügen, Verbinden, Eintüten.

Schritt 6: Edelreis in die Unterlage einfügen (Bilder 6a-6b). Veredelungsstelle prüfen: Edelreis sollte möglichst exakt im Spalt der Unterlage sitzen, wenn man die Veredelung gegen das Licht hält, dann sollten keine Lücken sichtbar sein. Nötigenfalls den Schnitt am Edelreis korrigieren.

Schritt 7: Veredelungsstelle verbinden (Bilder 7a-7b). Jeder hat da sein eigenes Verbandsmaterial, auf das er schwört, meines besteht aus einem nicht-elastischen Kunststoffband. Elastische Bänder werden aber genauso erfolgreich verwendet. Darauf achten, daß beim Verbinden das Edelreis im Spalt der Unterlage nicht verrutscht. Wichtig für das Zusammenwachsen von Edelreis und Unterlage ist, daß zwischen beiden ein fester und inniger Kontakt besteht.
Der Verband bleibt mindestens 3 Monate auf der Veredelung. Damit wird die Gefahr verringert, daß die Veredelung in einer nachfolgenden Wachstumsphase aufklafft.

Schritt 8: Eintüten (Bilder 8a-8c). Diese Maßnahme soll verhindern, daß das Edelreis vertrocknet, bevor es angewachsen ist und über die Unterlage mit Flüssigkeit versorgt wird. Ich verwende zum Eintüten handelsübliche Gefrierbeutel, Größe abhängig von der Länge des Edelreises. Der Plastikbeutel wird mit Wasser eingesprüht und dann mit Hilfe einer Wäscheklammer genau auf der Veredelungsstelle platziert. Die Wäscheklammer unterstützt somit in ihrer Wirkung den Verband. Das Edelreis sollte mit der Innenseite der Plastiktüte keinen direkten Kontakt haben (Gefahr der Bildung von Fäulnis).

Schritt 9: Veredelte Pflanze warm stellen, aber keine direkte Sonne auf das Edelreis im Plastikbeutel! Nach einiger Zeit wird man am Edelreis in der Tüte frisches Wachstum beobachten, schlafende Augen beginnen auszutreiben. Gelegentlich kontrollieren, ob die Tüte innen noch feucht genug ist. Abgefallene Blattstielreste aus der Tüte entfernen, da diese schnell vergammeln! Es dauert normalerweise etwa 3-4 Wochen, bis Edelreis und Unterlage so weit zusammengewachsen sind, daß die Blätter des Edelreises nicht mehr abschlaffen, wenn die Tüte entfernt wird.
Die Erfolgsquote ist stark abhängig von der Frische des Edelreises: mit gerade geschnittenem, eigenem Material erzielt man in der Regel Quoten von etwa 90 %, bei fremdem Edelreis, das sehr lange unterwegs war, sinkt die Quote dramatisch...da kann es auch schon 'mal Totalausfall geben.
Bilder 9a und 9b zeigen fertige Veredelungen verschiedenen Alters.

Gruß, Renate
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Chiva

WOW!
Das nenn ich mal eine richtig gute Anleitung!!!
Danke für die viele Mühe!!!
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rumpleteazer

Ich muss dich auch loben, habe noch nie über sowas nachgedacht, weil ich immer dachte, dass es viel zu schwierig sei. Nun gut, es ist zwar auch nicht sehr einfach, aber nach Deiner Anleitung klingt es zumindest schaffbar. So stellen sie wahrscheinlich auch den 3 farbigen Hibiskus für draussen her, den man schon mal kaufen kann. Echt tolle Erklärung. Auch von mir gibt es Beifall:
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renabiskus

Hallo Heike, hallo Rumple,

vielen Dank für Euer Lob....

Rumple, das schwierigste ist der Zuschnitt des Edelreis. Den sollte und kann man aber vorher üben, bevor es "ernst" wird. Wasserschosse von Obstbäumen eignen sich z.B. als Übungsmaterial ganz gut...

Gruß, Renate
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tubanges

Ganz toll erklärt!
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oleander_floris

Auch von mir ein ganz großes Lob für Renates tollen und ausführlichen Beitrag.
Endlich mal einer, der wirklich weiterhilft. Auch die Fotos dazu sind sehr gelungen und anschaulich. Kann ich momentan gut gebrauchen.
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Yaksini

Das ist eine erstklassige Dokumentation .
Vielen Dank für deine Mühe und die tolle Ausführung ,
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itschi

Renate,
ganz toll hast du das gemacht, man sieht, dass du dir sehr viel Zeit für diese aufwendige und detaillierte Anleitung genommen hast.....Daaaaanke ...supi...spitzenklasse....
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MuZZe

ich hab da jetzt noch eine Frage.

Welche Sorte eignet sich denn als Unterlage und ist es auch möglich einen rosa sinensi auf einen syriacus zu veredeln?
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itschi

Muzzi,
das kann ich dir auch nicht sagen, ist aber eine sehr interessante Frage....
...aber in dem Buch über Hibis steht nicht ,dass man den auf syriakus veredeln kann...da wird immer rosa sinensis genommen....
aber vielleicht weiß ja Renate mehr...
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Martin89

Mir hat Renate gesagt das sich der Hibi Yellow Delight, Psyche und noch ein roten deren Namen mir gerade nicht einfällt gut zum veredeln geeignet sind.
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itschi

Also doch rosa sinensis...das sind auch die Unterlagen, worauf sie meine beiden veredelt hat....
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