Die Überwinterung ist für Kakteen häufig "Stress pur". Das liegt daran, dass sie in dieser Zeit nicht wachsen sollen, weil die Umweltbedingungen ein vernünftiges (artgerechtes) Wachstum nicht ermöglichen. Außerdem benötigen sie nach Wachstumsphasen auch wieder Phasen, in denen der Zuwachs seine Struktur stabilisieren kann.
Diese Ruhephase ist aber nur möglich, wenn die klimatischen Verhältnisse stimmen. Das heißt, die Pflanzen müssen kühl (je nach Gattung zwischen ca. 5° und 15° C), trocken und möglichst hell stehen.
Eine dunkle Überwinterung ist bei einigen auch möglich, aber ohne Schäden nur, wenn eine absolute Wachstumspause erreicht wird.
Eine große Gefahr (für Pilzinfektionen) bei Kakteen besteht, wenn sie kühl gestellt werden, bevor das Substrat vollständig ausgetrocknet ist, was je nach verwendetem Substrat, einige Wochen dauern kann. Sie beginnen dann im Wurzelbereich, zunächst unbemerkt, zu faulen und bieten damit den Pilzen ideale Eintrittspforten. Diese verbreiten sich in dem weichen Gewebe über die Leitbündel im Saftstrom und befallen die ganze Pflanze. Von außen bleibt dies wegen der harten Epidermis (Außenhaut) vieler Kakteen meistens unbemerkt.
Wenn dann im Frühjahr wieder mit Gießen begonnen wird und die Temperatur steigt, begünstigt dies auch den weiteren Fäulnisprozess und dieser wird zuerst an der weichsten Stelle (im Scheitel der Pflanze) sichtbar. Alledings ist dann auch jede Hilfe zu spät.
Besonders anfällig dafür sind Pflanzen, die (das ist das gewünschte Ziel der Massenproduktion) innerhalb kurzer Zeit schnell an Größe zulegen, um "verkaufsfähig" zu werden. Deshalb haben solche Pflanzen in der Regel keine Winterruhe, da ihnen durch künstliche Beleuchtung, Wärme, Feuchtigkeit und Dünger der "ewige Sommer" vorgegaukelt wird. Dadurch ist die gesamte Struktur solcher Pflanzen nicht so stabil wie bei Pflanzen, die nach einer Wachstumsphase eine "Reifephase" durchmachen, in der das neue Gewebe gefestigt wird.
Außerdem geht es ihnen wie Menschen, die stets in steriler und störungsfreier Umgebung aufgewachsen sind: Der erste Virus oder die erste Bazille, die ihnen über den Weg läuft, wirft sie völlig aus der Bahn und führt zu ernsten Erkrankungen. Probleme, die abgehärtete Menschen kaum kennen.
Norbert