Vererbungslehre für Fortgeschrittene...

 
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Canis

Hallo zusammen,

ich hab da ein seltsames Phänomen. Oder vielleicht ist es ja auch normal.

Also, ich hab mir vor ein paar Jahren eine Tüte Zwerg-Sonnenblumen Pacino gekauft. Hab mich damals gewundert, daß die Samen alle schwarz sind, kannte Sonnenblumensamen bis dahin nur schwarz-weiß-gestreift.
Nachdem diese Sonnenblumen eingegangen sind, hab ich die Samen geerntet und sie waren schwarz-weiß!
Nun ist es ja nichts neues, daß durch Samen vermehrte Pflanzen nicht automatisch die Eigenschaften der Eltern haben, also nicht weiter verwunderlich.
Dieses Jahr hab ich die selbstgewonnenen Samen ausgesät. Im Gegensatz zu den Eltern haben sich die diesjährigen Pflanzen nicht verzweigt.
Gerade hab ich die neuen Samen geerntet. Sie sind wieder alle schwarz! Was ist das denn nun?
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bbbssx

Das liegt daran das die Färbung der Samen nix Mit der darin enthaltenen Pflanze zu tuen hat sondern von der Mutterpflanze bestimmt wird und da kann es sein das du eine Pflanze erwischt hast wo das Genetische material vorschreibt Schwarze Samen mit Weißen unterdrückten Anlagen und beim erneuten aussähen ist in den Nächsten Samen die Information Bilde Weiße, Schwarze oder Weiß/Schwarze Samen

Schau am besten mal hier rein (Mendel erklärt es besser als ich)

http://de.wikipedia.org/w/inde…0217162350
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Canis

Oh oh, Mendel... das hab ich vor ner Eeeeeeeeeeeewigkeit in der Schule gelernt.


Wenn eine Pflanze mal anders tickt, ok, aber es waren beide Male 3 Pflanzen und jeweils alle Samen gleich gefärbt.
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spiegel

Können solche Anlagen nicht einige Generationen Überspringen wie z.B. Erbkrankheiten beim Menschen?
Oder es ist einfach eine Laune der Natur und dann auch einfach nur reiner Zufall das es bei allen 3 Pflanzen so ist.
Mal gucken wie sie das nächste Jahr aussehen.
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Canis

Ja, auf die nächste Generation bin ich auch gespannt.
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Theo_S

Hey,

musste jetzt echt lachen wie ich diese frage gelesen hatte, denn ich hatte diese Woche meine Matura (Abi in Deutschland ) und bekam in Biologie als Frage Mendel und seine Regeln =)

In kurzfassung sind es 3 Regeln:

Vorher aber ein paar wichtige wörter:

o dominant-rezessiver erbgang: Jede Ausprägung eines Merkmals ist 2 mal auf der DNA vorhanden (dass kann 2 mal die selbe Ausprägung sein, aber auch 2 verschiedene), aber nur eine ist aktiv.
(z.B Blütenfarbe: eine Stelle der DNA gibt die Farbe Violett an, die andere Weiß. Violett ist gegenüber Weiß dominant, d.h. die blüte ist violett - angeschrieben wird ein dominantes Mermal mit einem Großbuchstaben - in diesem Fall Vw für dominantes violett und rezzesives weiß)

o intermediärer Erbgang: Es gibt keine dominate Ausprägung - beide gleich berechtigt (zB. rote blume rr gekreuzt mit einer weißen ww ergibt rw, also rosa Blumen)

o homozygot: reinerbig - also auf beiden Stellen der DNA die selbe Ausprägung, z.B rr, VV
(gegenteil wäre heterozygot, rw, Vw)

1) Uniformitätsregel: Bei einer Kreuzung von zwei homozygoten Pflanzen (zb. VV oder ww) sind alle Nachkommen in der F1 - Generation uniform, also schauen gleich aus (dass gilt für den Phänotyp - äußeres Erscheinugnsbild, wie auch für den Genotyp - Genetisches Erscheinungsbild)

Bei dominat-rezessiv sieht es so aus:
VV x ww ergibt 4 mal Vw

Bei intermediären Erbgang so:
rr x ww ergibt 4 mal rw


2) Spaltungsregel: Kreuzt man die F1-Generation, spalten sich die Merkmale in der F2-Generation wieder auf -Der Phänotyp 3:1 bei dominant-rezessiven erbgang, 1:2:1 bei intermediären erbgang. (Der genotyp ist bei beiden 1:2:1)

Bei dominat-rezessiv sieht es so aus:
Vw x Vw ergibt im Genotyp 1 mal VV, 2 mal Vw, 1 mal ww (wobei im Phänotyp VV gleich aussieht wie Vw, also 3:1)

Bei intermediären Erbgang so:
rw x rw ergibt 1 mal rr, 2 mal rw, 1 mal ww


3) Unabhängigkeitsregel: Verschiedene Merkmale (zb. blütenfarbe, form etc.) werden unabhängig von einander vererbt - es können neue Arten in der F2-Generation entstehen.

lg Theo

PS: Das ist wirklich eine sehr knappe Beschreibung, wo etwas vorwissen sicher nicht schadet

PPS: Wie es nun mit deinem Problem mit den Samen aussieht, kann ich dir leider nicht sagen, da man bei so einer Beobachtung von wenigen Generation und wenigen Exemplaren nicht schließen kann, ob es ein dominant-rezessiver Erbgang ist und welche Ausprägung dominat wäre.
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Kruemelkoenig

ich stimme euch da zu... außer dass das Wort "Samen" gegen "Früchte" ausgetauscht gehört
Es handelt sich um Nüsse, bei Asteraceaen spricht man auch von Achänen. Die Samen sind nur das weiche innere mit der umgebenden Samenschale (dünne Haut rundherum).

Häufig sind solche Farbmermale (besonders bei Blüten: zB bei Corydalis cava: weiß/rot) Polymorphismen, die genetisch veranlagt sind. (Zudem gibts noch welche die durch die Umwelt entstehen, sowie andere Blütenfarben durch wärmere Temperatur.)
Man weiß ja nicht genau, wie der "Vater" der Pflanze ausgesehen hat, vielleicht wird das dominante Allel vom diesem weitergegeben. Ich nehme einfach mal an, dass die Sonnenblume fremdbestäubt ist, ansonsten hätte sie nicht einen so mächtigen Schauapparat, der Insekten anlockt.
Da kann sich die Farbe natürlich fast zufällig jede Generation ändern, es wird vermutlich immer ein anderer "Vater" die Samenanlagen bestäuben. Wie bbbssx schon gesagt hat, wird die Achänenfärbung von der Mutterpflanze bestimmt, nicht von den Samen! Das heißt, dass jeder der hunderten Samen pro Sonnenblume für eine andere Achänenfarbe geprägt sein. Interessant wäre, wenn du von der selben Mutterpflanze mehrere Samen einsetzt... nebeneinander am besten... und dann im nächsten Jahr schaust, ob alle Pflanze die gleiche Achänenfarben besitzen. Vielleicht sind sie ja unterschiedlich... möglich wärs
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Canis

Ich sollte vielleicht erwähnen, daß die Sonnenblumen in der Wohnung stehen. Also ist da mit Fremdbestäubung eher weniger los. Bienchen hab ich hier keine und sooooo windig ist es jetzt auch nicht. Kann also nur von den dreien selbst kommen.

Für den Test mit Samen derselben Mutterpflanze ist es leider zu spät. Hab die von allen dreien zusammengeschmissen.
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Andrastos

Interessant ist es solche Experimente mit Kürbissen durchzuführen
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Canis

Zitat geschrieben von Andrastos
Interessant ist es solche Experimente mit Kürbissen durchzuführen



Wieso? Was passiert da?
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Canis

So, ich hab gerade 3 schwarze Samen/Früchte/Nüsse (nennt sie, wie ihr wollt) vom letzten Jahr eingetopft. Mal sehen, was dieses mal rauskommt.
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Canis

Ratet mal! Dieses Jahr sind wieder alle Samen schwarz. Auch wieder von 3 Pflanzen.

Was auch auffällt, daß die Pflanzen von Generation zu Generation weniger schön wachsen. Verzweigt haben sie sich ja letztes Jahr schon nicht mehr. Dieses Jahr sind sie auch noch ein Stück kleiner geblieben, die Blüten sind erst gar nicht richtig aufgegangen. Und die Pflanzen sind schon im frühen Sommer vertrocknet. Sonst erst Ende August/Anfang September. Wobei ich dazu sagen muß, daß der Topf dieses Jahr auch etwas kleiner war und nicht direkt am Fenster stand. Macht sicher auch nen Unterschied. Nächstes Jahr hab ich mehr Platz (sogar im Freien), dann ist es Zeit für einen neuen Versuch!
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Kiki85

Das ist ja wirklich ein interessantes Thema! Finde ich wirklich gut, dass du dir jedes Jahr die "Mühe" machst die Samen wieder auszusäen und das Ergebnis festzuhalten. Ich hätte ja für sowas gar nicht die notwendige Geduld

Was den immer schlechter werdenden Wuchs der Pflanzen betrifft fällt mir gerade ein: Könnte es evtl. an der "Inzucht" liegen? Immerhin bestäuben sich die "Geschwister" seit mehreren Generationen gegenseitig und es kommt kein frisches Genmaterial von außerhalb hinzu. In der freien Natur vermehren sich die Sonnenblumen ja schließlich auch über Samen (ach nee, sind ja "Früchte" ) und wachsen mehr oder weniger jedes Jahr wieder gleich gut, um sich wieder neu vermehren zu können. Würde ja in der Natur gar keinen Sinn machen, wenn die Nachkommen von Jahr zu Jahr schlechter wachsen.

Ist das denkbar oder lieg´ ich jetzt total daneben?

Gruß
Kiki
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Canis

Na, so viel Mühe macht das doch gar nicht. Ich säe sie ja hauptsächlich aus, um ein paar hübsche Sonnenblumen zu haben. Von den 3 Pflanzen, die ich jedes Jahr säe, sind die Samen schnell geerntet und für's nächste Jahr verstaut.

Ich denke, an deiner Inzucht-Theorie kann schon was dran sein. Gleichzeitig war es aber auch eine spezielle Züchtung von Zwerg-Sonnenblumen, deren Nachkommen nicht zwingend die gleichen Eigenschaften haben.

Nächstes Jahr gibt's bei mir sicher auch ne größere Version von Sonnenblumen. *jetztschonfreu*
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Kiki85

Naja ok, soviel Arbeit macht das dann wohl doch nicht bei drei Sonnenblumen pro Jahr. Aber ich find´s trotzdem interessant die Veränderungen mitzuverfolgen.

Ach so, das war ´ne spezielle Züchtung. Na dann wird das wohl eher der Grund gewesen sein.
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