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Immer der Nase nach:
Meist orientiert sich der Mensch durch seinen optischen und akustischen Sinn. Der Geruchssinn fällt weniger auf und ist dennoch unerbittlich, denn man vermag sich fast aller Sinneseindrücke zu entziehen, aber man kann nicht aufhören zu atmen und somit zu riechen. Beim Einatmen der Luft durch die Nase werden ständig Duftstoffe eingeschleust, die zunächst von der Riechschleimhaut in der Nasenhöhle wahrgenommen werden. Dort gibt es etwa 3 Millionen Riechsinneszellen. Jede dieser Zellen ist auf einen bestimmten Duft spezialisiert, der einen elektrischen Impuls auslöst. Die eintreffenden Duftinformationen erzeugen blitzschnell Gefühle wie Freude, Angst oder Ekel.
Kurios aber wahr: In der DDR legte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ein ganzes Archiv von Duftproben an, die seit Beginn der 70er-Jahre sowohl offiziell als auch konspirativ von Dissidenten genommen wurden. Es war wohl die größte bekannte Geruchsproben-Datenbank weltweit. In Einmachgläsern lagerten ordentlich gefaltete, bräunlich-gelbe Staubtücher mit dem Duft der Dissidenten. Ob die olfaktorischen Fingerabdrücke im erkennungsdienstlichen Alltag wirklich verwendet wurden, ist urkundlich nicht belegt.
Düfte rufen auch Erinnerungen wach und lassen vor unserem inneren Auge Bilder entstehen. Der Duft von Lavendel weckt vielleicht Reminiszenzen an Urlaubstage am Mittelmeer, frische Wiesenkräuter rufen Assoziationen an einen Spaziergang über Almen hervor, Zimt- und Bratapfelduft lösen Erinnerungen an Weihnachten aus. Sollte Ihnen jedoch der intensive Geruch von Hyazinthen in die Nase steigen, so ist mit Sicherheit ein Blumenstand, Gartencenter oder Florist nicht weit.
Hyazinthen sind ganz besondere Zwiebelblumen, die nicht nur ein Parfüm wie aus Tausendundeiner Nacht verströmen, sondern ihr Blütenstand, der aus zahlreichen, dicht stehenden Einzelblüten besteht, schmeichelt auch dem Auge. Hyazinthen gelangten bereits im 16. Jahrhundert über Konstantinopel aus dem Nahen Osten nach Europa und erfreuten sich alsbald großer Beliebtheit. Um 1800 existierten bereits mehrere hundert Sorten. Einige Hyazinthen riechen so unverwechselbar, dass schon wenige Exemplare ausreichen, um einen ganzen Raum mit Duft zu erfüllen. Zu den Duftstarken gehören z.B. ´Blue Star´ und ´Delft Blue´. Etwas schwächer sind die rosafarbenen ´Anna Maria´ und ´Splendid Cornelia´; am dezentesten sind ´White Pearl´, ´Blue Pearl´ und ´Pink Pearl´.
Übrigens: Der Geruchsforscher und Inhaber des Lehrstuhls für Zellphysiologie der Ruhr-Universität Bochum Prof. Hanns Hatt leitet das einzige Labor weltweit, das menschliche Riechrezeptoren analysieren kann. Er behauptet: "Frauen, die blumige Düfte tragen, werden von Männern bis zu sechs Kilo leichter geschätzt." Wittern Sie eine Chance? Umgeben Sie sich mit Hyazinthensträußen oder mischen Sie Hyazinthen und andere Frühlingsblumen und finden Sie heraus, ob´s stimmt. Wenn nicht - schön aussehen tut´s auf jeden Fall und gut duften sowieso.
IZB
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