Grüne Branche erfüllt wichtige gesellschaftliche Aufgaben
Die Deutsche Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) veranstaltete am 14. und 15. November 2007 ihr erstes Forum zur Stadt- und Regionalentwicklung mit Gartenschauen. Die Veranstaltung bot nicht nur einen interessanten Rückblick auf die über 50-jährige Geschichte der Bundesgartenschauen, sondern zeigte auch wichtige Perspektiven für die Zukunft auf. Die DBG präsentierte sich ihrer Funktion und Bedeutung angemessen selbstbewusst und wurde von Rednern aus Wirtschaft, Politik und grüner Branche als Garant für Kontinuität und Fortschritt bestätigt.
Für Gastredner Konrad Adenauer, Enkel des gleichnamigen ersten Bundeskanzlers, steht der große Nutzen des öffentlichen Grüns völlig außer Frage: ?Grün gehört zum Leben wie die Kultur. Der Mensch braucht das Grün auch für den Geist. Die Idee der Bundesgartenschau ist daher absolut zu unterstützen und zu stärken.? Diese Auffassung wurde auch von den ehemaligen Oberbürgermeistern Herbert Schmalstieg (Hannover) und Waldemar Kleinschmidt (Cottbus) unterstützt. In Hannover fand die allererste BUGA 1951 statt, und Cottbus richtete als erste Stadt in den neuen Bundesländern die Bundesgartenschau 1995 aus. Von der Idee der BUGA ist man mittlerweile sogar in Luxemburg begeistert ? und das nicht nur in der grünen Branche. Michael Wohl, Direktor einer Luxemburgischen Bank, ist überzeugt: ?Gartenschauen schaffen Lebensqualität. Deshalb haben auch wir als Bank großes Interesse daran.? Eine Bundesgartenschau, so wie die Besucher sie erleben, ist das Ergebnis jahrelanger intensiver Expertenplanung und fachmännischer Arbeit. Ohne die Leistungen der Profis aus der grünen Branche wäre diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Anerkennende Worte gab es daher für die vielen Menschen, die hinter einer BUGA stehen, von Prof. Dr. Hagen Eyink, Ministerialrat im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: ?Der grüne Berufsstand ist prädestiniert, gesellschaftliche Veränderungen aufzunehmen und mit Kreativität umzusetzen.?
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?DBG ist gleiche Liga wie FIFA oder IOC?
In seinem Vortrag ?Zur Zukunft der Gartenschauen? griff Prof. Dr. Klaus Neumann von der TFH Berlin die Begrüßungsworte des DBG-Vorsitzenden Redeker und den Beitrag von Professor Eyink auf: ?Die Kultur der Gartenschau des Gestern kann nicht die Kultur der Gartenschau des Morgen sein. Eine BUGA ist Wandel, doch trotz allem Wandel ist eine BUGA auch immer eine Leistungsschau der grünen Branche.? Aufgrund ihrer vielen positiven Aspekte ist die Durchführung einer BUGA für viele Städte, und neuerdings auch Regionen, sehr interessant. Bevor aber eine Stadt oder Region die Option für die Ausrichtung der BUGA für ein bestimmtes Jahr erhält, müssen sich alle Bewerber in einem Auswahlverfahren bewähren und mit ihren Konzepten überzeugen. Aus den schließlich verbliebenen Kandidaten wird dann von einem Gremium, das sich aus Vertretern der drei DBG-Gesellschafterverbände ZVG, BdB und BGL zusammensetzt, der Ausrichter bestimmt. Für Professor Neumann ist diese Entscheidungsfindung nicht nur wegen ihrer weitreichenden Bedeutung für eine Kommune oder Region vergleichbar mit der Entscheidungsliga der FIFA oder des IOC. Ebenso wie die von FIFA und IOC zu vergebenden Veranstaltungen hat auch eine Gartenschau wesentliche ökonomische Effekte. Die Bedeutung dieser weichen Wirtschaftsfaktoren betonte Friedlinde Gurr-Hirsch (MdL und Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung im ländlichen Raum Baden-Württemberg) in ihrem Vortrag: ?Gartenschauen geben den Menschen nicht nur Heimat; sie sind wahre Konjunkturspritzen.?
Zwei Gewinner, ein Sieger
Die Spannung, die am zweiten Tag des DBG-Forums unter den Teilnehmern und Bewerber-Delegationen für die BUGA 2015 herrschte, erinnerte tatsächlich schon fast an die Verkündung des Austragungsortes für eine Fußball-WM oder die olympischen Spiele. Karlsruhe und die Havelregion waren als einzige Bewerber noch im Rennen. Aufgrund der völlig unterschiedlichen aber hochinteressanten Konzepte galten beide Kandidaten als chancenreiche Bewerber. Wie im Sport, so gilt auch bei der Vergabe einer BUGA: Es kann nur einen Sieger geben! Das Entscheider-Gremium der DBG, bestehend aus den drei Trägerverbänden ZVG, BdB und BGL, hatte einstimmig entschieden die Option für die BUGA 2015 an die Havelregion zu vergeben. Sportlich fair gab sich Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich, der die Situation für die Karlsruher Delegation auf den Punkt brachte: ?Es gab heute zwei Gewinner, aber nur einen Sieger.?
Mit der BUGA 2015 in der Havelregion wird in der über 50-jährigen Geschichte der Bundesgartenschauen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Erstmalig werden fünf Städte in zwei Bundesländern gemeinsam eine BUGA veranstalten. Unter dem Motto ?Von Dom zu Dom ? Das blaue Band der Sympathie? soll sich die Gartenschau entlang der Havel von der Stadt Brandenburg über die Gemeinden Rathenow, Premnitz und Rhinow bis in die alte Bischofsstadt Havelberg erstrecken. Eine besondere logistische Herausforderung stellt dabei der Transport der Besucher auf der insgesamt siebzig Kilometer langen BUGA-Strecke dar. Das Konzept der Havelregion war aber so schlüssig, dass das DBG-Gremium davon überzeugt werden konnte, dass die fünf Kommunen diese Herausforderung bewältigen werden. Die Erfahrungen der diesjährigen Bundesgartenschau in Gera und Ronneburg können den Havelländern dabei hilfreich sein. Ein Novum der BUGA 2015 wird nicht nur die flächenmäßige Ausdehnung sein. Die fünf Kommunen wollen eine Gartenschau veranstalten, für die keine teuren Stadtparks angelegt und aufwändige Hallen gebaut werden müssen. Stattdessen sollen die vorhandenen Stärken genutzt und bereits vorhandene, teils historische, Gebäude einbezogen werden. Die Investitionskosten für die BUGA 2015 werden von den Bewerberkommunen mit rund 60 Millionen Euro beziffert.
Die Erfahrungen mit einer BUGA in zwei Städten, die in diesem Jahr von den Gemeinden Gera und Ronneburg bei ihrer gemeinsamen Bundesgartenschau gemacht wurde, können den Havelländern sicher hilfreich bei der Lösung der einen oder anderen Herausforderung sein. Geras ehemaliger Oberbürgermeister Ralf Rauch wies in seiner Ansprache darauf hin, dass mit der BUGA 2007 die konzeptionelle Einbeziehung städtischer Landschaften sehr erfolgreich gelungen ist.
Signal für Nachhaltigkeit
Die Bekanntgabe des Austragungsortes für die BUGA 2015 war zweifellos der emotionalste Moment dieses Forums, das erwartungsgemäß die nicht minder wichtige erstmalige Verleihung des ?Ehrenpreises der DBG für hervorragende nachhaltige Parknutzung? überstrahlte. Mit dem Ehrenpreis hat die DBG ein wichtiges Signal für den Nachhaltigkeit- und Nachnutzungsaspekt ehemaliger BUGA-Parks gesetzt. Das Ende einer BUGA ist der Beginn einer neuen Parklandschaft. In aller Regel wird ein ehemaliger BUGA-Park auch nach der Schließung der Gartenschau weiterhin als öffentliche Grünanlage gepflegt und von den Bürgern genutzt. Der Ehrenpreis der DBG wird künftig in unregelmäßigen Abständen an Parks verliehen, deren Nachnutzung besonders erfolgreich gelungen ist. Für die ehemaligen BUGA-Städte soll dies auch Ansporn und zugleich Bestätigung der bisher geleisteten Arbeit sein. Erster Preisträger war der Kölner Rheinpark, der anlässlich der ersten Kölner BUGA 1957 angelegt wurde, und somit in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Die Laudatio auf den Rheinpark wurde vom DBG-Vorsitzenden Hanns-Jürgen Redeker gehalten, der den Preis in Form eines stilisierten Blattes an den Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma übergab.
BUGA: flexibel, modern und aktuell
Neuigkeiten hatte die DBG auch in eigener Sache zu vermelden. Am zweiten Forums-Tag wurde die völlig überarbeitete DBG-Website freigeschaltet. Alle BUGA- und IGA-Fans können sich nun unter
www.bundesgartenschau.de ausführlich über Aktuelles und Historisches rund um das Thema Gartenschauen informieren. Aber auch für Politik und kommunale Verwaltung hält diese Seite interessante Informationen zum ökologischen und ökonomischen Sinn und Nutzen der Gartenschauen bereit. Auf der neuen Website ist auch das ebenfalls neue Logo der DBG zu sehen. Das Logo stellt, wie der Ehrenpreis, ein stilisiertes Blatt dar und wirkt in seiner Form frischer und moderner als das zuvor verwendete Logo. Damit unterstreicht die DBG, das auch Gartenschauen dem gesellschaftlichen Wandel unterliegen, sich aber flexibel dem jeweiligen Zeitgeist anpassen und somit immer modern und aktuell sind.
Klare Verhältnisse
Überraschende Ankündigungen und Neuigkeiten haben sich bis zum Ende wie ein roter Faden durch das erste DBG-Forum gezogen. So kam auch die Mitteilung, dass die DBG der Bodensee-Region die vor zwei Jahren erteilte Option für die IGA 2017 wieder entzieht, nicht nur für die Betroffenen recht überraschend. Die DBG-Verantwortlichen sahen sich zu diesem in ihrer Geschichte einmaligen Schritt veranlasst, weil die Verhandlungen während der letzten Monate immer mehr ins Stocken geraten waren. Hanns-Jürgen Redeker: ?Als DBG stehen wir in der Verantwortung, klare Verhältnisse bei der Realisierung der eingereichten Konzepte zu gewährleisten. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen sahen wir das nicht mehr gegeben und mussten daher die erforderlichen Konsequenzen ziehen." In jüngster Zeit hatten sich die Differenzen so verstärkt, dass sie zuletzt als unüberbrückbar angesehen werden mussten.
DBGG