Wie entsteht der Indian Summer

 
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Wie entsteht der Indian Summer

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Gepostet: 06.09.2007 - 07:54 Uhr  ·  #1
Wenn die Wälder glühen:

Im Oktober zeigen die Laubwälder im Osten Kanadas und in den Neuenglandstaaten ein unglaublich eindrucksvolles Farbenspiel. Es reicht von leuchtendem Gelb über die verschiedensten Orangetöne bis hin zu intensivem Rot. Die Wälder scheinen geradezu in Flammen zu stehen. Warme, sonnige Tage und kühle Nächte sind die Auslöser dieses Feuerwerks der Farben, das ganze Landstriche in leuchtende Rot- und Gelbtöne taucht. In Nordamerika ist dieses Naturschauspiel als Indian Summer bekannt und lockt im Herbst zahllose Touristen an.

Wintervorbereitungen
Dass die Wälder an der amerikanischen Ostküste solche farbenprächtigen Impressionen bieten und im Licht der Herbstsonne regelrecht glühen, liegt nicht nur an den hohen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Auch die Zusammensetzung der Laubwälder spielt eine große Rolle, denn es gibt dort viel mehr verschiedene Ahorn- und Eichenarten als in deutschen Wäldern. Jede Baumart bietet einen besonderen Farbton. Für manchen überraschend: Die Blätter färben sich nicht etwa rot oder gelb, sondern sie entfärben sich. Sie verlieren Farbe, weil der grüne Blattfarbstoff, das Chlorophyll, abgebaut wird. Dieser Vorgang wird durch niedrige Temperaturen ausgelöst und führt dazu, dass andere Farbstoffe in den Blättern sichtbar werden, beispielsweise die dunkelroten Anthocyane, die vorher vom Chlorophyll überdeckt waren.


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Herbstfärber
Die Farbenpracht des Indian Summer kann man sich mit den richtigen Gehölzen und Stauden auch in den eigenen Garten holen. Weil nur noch wenige Pflanzen in der Übergangsphase vom Sommer zum Herbst blühen, sind die leuchtenden, intensiven Farben der Blätter in dieser Zeit besonders wirkungsvoll. Viele sommergrüne Gehölze, wie der Amberbaum (Liquidambar) und der Eisenholzbaum (Parrotia), verabschieden sich mit einem fulminanten Auftritt in die Winterruhe und bieten ein fantastisches Farbenspiel. Die im Sommer grünen Blätter des Amberbaumes färben sich leuchtend gelborange, weinrot oder tiefpurpur. Die Blätter sind fünf- bis siebenlappig und erinnern an die des Ahorns. Doch während sich die Blätter des Ahorns an den Zweigen gegenüberstehen, sind die des Amberbaumes wechselständig angeordnet. Auch im Winter ist dieser Baum reizvoll, denn dann sind an älteren Trieben oft interessante Korkleisten zu erkennen. Das Geflügelte Pfaffenhütchen (Euonymus alatus) hat ebenfalls markante Korkleisten und beeindruckt mit leuchtend roter Herbstfärbung. Dieser robuste Strauch wird bis etwa 3 Meter hoch. Für einen Indian Summer in kleinen Gärten und auf Balkon und Terrasse eignet sich die bis einen Meter hohe Sorte ?Compactus?. Auch der bisher kaum bekannte Eisenholzbaum ? botanisch Parrotia persica ? hat eine großartige Herbstfärbung. Er bevorzugt wie der Amberbaum zwar warme Standorte, ist aber ebenfalls winterhart und bietet großartige Farben, wenn der Garten in sein Finale geht: Die etwas ledrig anmutenden Blätter sind im Sommer dunkelgrün und färben sich im Herbst, wenn der Baum an einem sonnigen Standort steht, von Gelb oder feurigem Orange bis hin zu dunklem, fast violettem Rot.

Für besondere Standorte
Auch manche Nadelbäume verändern im Herbst ihre Farbe. Während die meisten Nadelgehölze immergrün sind, hat die Sumpfzypresse (Taxodium) sommergrüne Nadeln, das heißt, sie wirft ihr Laub vor dem Winter ab. Die Nadeln sind im Austrieb frischgrün, im Herbst leuchten sie rotbraun. Dieser außergewöhnliche Baum gedeiht gut auf feuchten bis nassen Böden, zum Beispiel am Rande eines Teiches.

Auch ein Blick in das große Sortiment der Stauden lohnt sich, denn diese Pflanzengruppe hält ebenfalls Überraschendes bereit und trägt zur besonderen Atmosphäre im herbstlichen Garten bei. Die Silberkerze (Cimicifuga ramosa ?Atropurpurea?) beispielsweise ist eine stattliche und sehr elegante Staude, die etwa 150 bis 180 Zentimeter hoch werden kann. Sie hat lange, hell cremeweiße Blütenkerzen, die sehr spät im Jahr von September bis Oktober erscheinen. Das sehr attraktive, dreiteilig gefiederte Laub ist dunkel purpurfarben. Diese eindrucksvolle Staude eignet sich gut für einen halbschattigen Standort und humosen Boden. So gibt es viele interessante und außergewöhnliche Pflanzen, mit denen auch die Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst, wenn das sommerliche Blütenfestival im Garten vorbei ist, zu einem besonderen Erlebnis wird.


Hätten Sie?s gewusst?

Beim Eisenholzbaum, botanisch Parrotia persica, wird deutlich, weshalb die botanischen Namen zur Unterscheidung so wichtig sind. Sie ermöglichen die eindeutige Bestimmung einer Pflanze, denn jeder botanische Name wird nur für eine einzige Pflanzenart vergeben, während deutsche Namen manchmal für ganz unterschiedliche Pflanzen verwendet werden. Beispielsweise sind unter dem Namen Eisenholzbaum noch mindestens zwei weitere Pflanzen bekannt: Argania spinosa, ein Baum, der nur im südlichen Marokko vorkommt und aus dessen Früchten ein sehr wertvolles Öl gewonnen wird, sowie Metrosideros, ein Myrtengewächs, das sich hierzulande nur für die Kultur im Kübel eignet. Beide Pflanzen würden unsere hiesigen Winter im Freien nicht überstehen.
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Die Silberkerze ist eine stattliche Staude, die im Herbst Abwechslung in den Garten bringt. Ihre hellen Blüten erscheinen erst im September und Oktober.
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Das Geflügelte Pfaffenhütchen beeindruckt im Herbst mit seiner schönen, leuchtend roten Blattfärbung. Von diesem anspruchslosen und robusten Strauch gibt es auch eine kleiner bleibende Sorte, die in ausreichend großen Kübeln Herbststimmung bringt.
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Die Blätter des Eisenholzbaumes (Parrotia persica) bieten eine große Palette an schönen Herbsttönen von kräftigen Gelb- und Orangenuancen bis hin zu dunklem, fast violettem Rot. An einem sonnigen Standort ist die Herbstfärbung am intensivsten ausgeprägt.
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Der Amberbaum verabschiedet sich mit einem fulminanten Auftritt in die Winterruhe. Die Blätter scheinen im milden Herbstlicht geradezu zu glühen. Die Palette seiner Herbstfarben reicht von leuchtendem Gelborange über feuriges Rot bis zu dunklem Purpur.
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