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Von Bäumen und ihren Menschen

Di 19 Jul, 2011 10:51



Grün ist Leben

Wir stellen uns ein Leben ohne sie nicht vor, sie waren schon lange vor uns da und sie werden uns überleben. Sie sind hart und enorm anpassungsfähig und gehören zu unserem Alltag, wo immer wir uns bewegen und aufhalten. Sie sind so natürlich da, dass wir uns nicht überlegen, wo sie eigentlich herkommen. Wir lesen Bücher auf Papieren, die aus ihrem Zellstoff produziert wurden. Wir essen ihre Früchte. Wir wärmen uns mit ihrem Holz, bauen u.a. Brücken, Häuser, Möbel und Werkzeuge. Wir atmen den Sauerstoff, den sie produzieren. Wir stellen unser Auto in ihren Schatten und setzen uns entspannt unter ihr Blätterdach. Wir bewundern ihre Lebensfähigkeit, ihre Schönheit, ihre Größe, ihre Form, ihr herbstliches Leuchten, ihr erstes Grün im Frühjahr, die duftenden Blüten und bestaunen ihr Alter. In unserer Wahrnehmung werden sie mit zunehmendem Alter immer schöner. Den Uralten begegnen wir mit Ehrfurcht und Demut, ob ihrer Geschichte. Wir stellen uns gern in ihren Schutz und verbinden sie mit unserer Heimat: Bäume.

Mit großer Selbstverständlichkeit sind sie in aller Vielfältigkeit für uns da, in der Landschaft, in den Dörfern, in den Städten, als Alleen, als Solitäre in Parks und Friedhöfen, als Obstbäume. In unseren Gärten gehören sie selbstverständlich zur Kulisse, über unseren Hausbaum haben wir monatelang diskutiert, wir werden emotional, wenn die Platane auf der Straße vor unserem Haus einem Parkplatz weichen soll. Bäume haben viel mit unseren Leben zu tun. Sie schaffen Identität und Charakter, sie gliedern Freiräume, schaffen Achsen, begleiten Wege, bilden Strukturen, halten Erinnerungen fest. Zur Hochzeit oder zur Geburt eines Kindes wird ein Baum gepflanzt. Politiker stellen sich gerne fürs Foto auf den Spaten, wenn es um die gute Sache und die Wählergunst geht. Bäume sind positiv besetzt, aber wie wird ein Baum ein Baum?

Wenn wir vom Baum sprechen, meinen wir eigentlich Gehölze, was so viel heißt wie ausdauernde, verholzende Pflanzen, von denen es in Mitteleuropa etwa 2000 Arten und Abertausende Sorten gibt.

Unser ganzes Leben lang sind wir mit Bäumen verbunden, ohne uns in der Regel dieses Verhältnisses bewusst zu sein, es sei denn, man hat Gehölze und Bäume zu seiner Lebensaufgabe gemacht und ist Baumschuler geworden. Vielleicht liegt es in der Natur dieses Berufes, dass diese speziell ausgebildeten Gärtner eher leise bleiben und so wenig über sich und ihre Arbeit reden. Sie sind von Natur her eher im Hintergrund und stehen doch mit beiden Beinen auf der Erde und sind mehr als jeder andere Gärtner fest und lang mit ihren Pflanzen verbunden. Baumschulen sind oft Familienbetriebe, die seit Generationen mit ihren Kulturen Tradition haben. Bis ein Baum ein Baum ist, können schon einige Jahre vergehen, in denen das Gehölz mehrfach verpflanzt werden muss, damit das Wurzelwerk kompakt bleibt. Im Englischen heißt Baumschule nursery, was die pflegende Hand des Gärtners deutlicher beschreibt. Der Baumschuler begleitet die Pflanze mit sicherer Hand über eine lange Zeit. Entsprechend sind neben der fachlichen Expertise vor allem Geduld und auch eine gewisse Wetterfestigkeit wichtige Eigenschaften. Der Baumschuler ist kein Schönwettergärtner, für ihn ist dann Hochsaison, wenn es sich andere längst drinnen bei Kerze und Glühwein gemütlich machen. Wenn Hobbygärtner sich an ihren Garten machen, dann hat der Baumschuler meist seine wichtigsten Arbeiten erledigt, dann ist verpflanzt, vermehrt, geschnitten, sind die Wurzeln in Ballen gebunden, die Gehölze für den Versand vorbereitet und auf den Weg zum Kunden gebracht.

Die Baumschulwirtschaft in Deutschland umfasst heute etwa 3.000 Betriebe mit einer Kulturfläche von über 22.000 ha. Ungefähr 1.000 Betriebe mit fast drei Vierteln der Fläche sind im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. organisiert. Den BdB gibt es seit über 100 Jahren; er vertritt die berufsständischen Belange dieser speziellen gärtnerischen Branche.

Baumschulbetriebe gibt es in allen Bundesländern und sie sind sehr unterschiedlich und hoch spezialisiert. Die Standortbedingungen bestimmen in großem Maße die Art der Kulturen. Die Baumschulen unterscheiden sich jedoch nicht nur nach Größe und Kulturgruppen wie z.B. Rosen, Koniferen, Rhododendren, Heckenpflanzen, Alleebäume, Obstgehölze etc., sondern auch nach ihren Märkten. Manche Betriebe beliefern ausschließlich Baumschulkollegen, manche Garten- und Landschaftsbaubetriebe oder Grünflächenämter, manche sind auf den Export spezialisiert. Andere beliefern Gartencenter und Baumärkte und wieder andere, so genannte Gartenbaumschulen, sind Betriebe, in denen private Gartenbesitzer sich direkt beim Fachmann im Quartier ihre Pflanzen für den Garten auswählen können.

Wer Pflanzen in der Baumschule kauft, kauft an der Quelle und kann darauf vertrauen, dass die Qualität stimmt. Gehölzekauf ist nämlich Vertrauenssache. Man muss schon Spezialist sein, um im Herbst - übrigens nach wie vor die beste Pflanzzeit für Gehölze - einer Pflanze anzusehen, dass die Qualität auch stimmt. Denn in dieser Jahreszeit sind die Baumschulerzeugnisse ohne Blüten, Früchte, Blätter für Laienaugen kaum attraktiv und lassen nicht offensichtlich erkennen, was in ihnen steckt: Der schönsten Rose sieht man ihren Blütenreichtum, den sie im folgenden Sommer verspricht, im Herbst eben nicht an. Durch ein großes Angebot attraktiver Gehölze im Frühjahr - mit Blüten oder selbst mit Früchten - ist die Gartenpflanzzeit Herbst im Laufe der Jahre leider immer unbedeutender geworden, dabei würden die meisten Gehölze eine Pflanzung im Herbst durch bestes Gedeihen danken.
Es lohnt, sich mit Bäumen und den Menschen, bei denen sie in die Schule gehen, zu befassen. Die Baumschule heißt übrigens so, weil man das Umpflanzen der Gehölze auch ver"schulen" nennt. A propos Schule, machen Sie sich einmal den Spaß ein Schulkind zu fragen, wie viele Bäume es nennen kann. Einem Gerücht zu Folge kennen Schulkinder heute mehr Automarken als unterschiedliche Bäume. Das kann gar nicht wahr sein!

BdB

Bilder
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Bis ein Baum ein Baum ist, können schon einige Jahre vergehen, in denen das Gehölz mehrfach verpflanzt werden muss, damit das Wurzelwerk kompakt bleibt. Im Englischen heißt Baumschule nursery, was die pflegende Hand des Gärtners deutlicher beschreibt.
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Selbst große Bäume lassen sich verpflanzen: Baumschuler haben das notwendige Know-How und die richtigen Maschinen dafür.
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Je nach Bodenbeschaffenheit und Klima gibt es in Deutschland sehr unterschiedliche Spezialisierungen bei Baumschulen. Solche Rhododendren werden überwiegend in norddeutschen Betrieben vermehrt und kultiviert.
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