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Jauchen - Auch im Garten an die Umwelt denken

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Hauptgärtner
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Auch im Garten an die Umwelt denken

Im Bereich der Pflanzenpflege und des Pflanzenschutzes ist die Wissenschaft mittlerweile weit vorangeschritten. Egal welcher Schädling, egal welches Problem - es gibt für alles eine Lösung, auch eine chemische.
Für jedes zugelassene Pflanzenschutzmittel gibt es genaue Regelungen und Vorgaben, welche es erfüllen muss. Um im eigenen Garten Pflanzen zu stärken und gegen Schädlinge zu schützen, kann man aber auch heute noch auf uraltes Wissen zurückgreifen.

Schon zu Beginn mitgedacht



Schon bei der Anlage des eigenen Gartens kann der umweltbewusste Gärtner darauf achten, die natürlichen Vorzüge des eigenen Stücks Grün zu beachten. Im Verlauf eines Gartenjahres können die Pflanzen durch Kompostieren, Mulchen und die Anwendung von Mischkultur gesund und kräftig gehalten werden.
Biologische Spritzmittel und Jauchen unterstützen die Arbeit des Gärtners. Auch sie sollten nicht zu früh eingesetzt werden, um erst Nützlingen eine Möglichkeit zu geben, ihre Arbeit zu verrichten.

Wichtigstes Hilfsmittel: Kompost

Gesunder Boden und gesunde Pflanzen – beides gehört zusammen. Um die Humusschicht des Bodens zu erneuern und zu vermehren, setzen Gärtner Kompost ein. Dadurch wird eine ständige Versorgung mit Spurenelementen und Nährstoffen gewährleistet. Mikroorganismen und kleinste Bodenlebewesen werden angespornt, aktiv zu werden und den Boden zu verbessern.
Für kleine Gärten und Menschen, die nicht dauerhaft mit dem Anblick eines offenen Kompostbehälters konfrontiert werden wollen, gibt es mittlerweile die Möglichkeit eines geschlossenen Thermokomposters – verwendbaren Kompost erhält man darin schon nach einem guten halben Jahr.

Unordnung als Lebensmotto

Neben der Kompostierung von Gartenabfällen kann man auch die zahlreichen tierischen Besucher nutzen und zu schätzen wissen. Im modernen, penibel aufgeräumten Garten finden sie jedoh kaum noch Unterschlupf. Igel, Vögel, Ohrwürmer und Blindschleichen – sie alle nehmen dem schlauen Gärtner eine Menge Arbeit bei der Schädlingsbekämpfung ab, wenn sie nur ein ungestörtes Eckchen finden, in das sie sich zurückziehen können. Hecken, Gestrüpp und unaufgeräumte Ecken im Garten bieten diese Rückzugsmöglichkeiten. Auch aufgestapelte Steine und Laubhaufen locken die „Freunde des Gärtners“ an.

Jauchen und Spritzmittel selbst produziert

Der naturliebende Gärtner würde kaum zu chemischen Pflanzenschutz- oder Schädlingsbekämpfungsmitteln greifen, wenn es eine biologische Alternative gibt. Dies danken auch die tierischen Helferlein, die sich im Garten breitmachen.
Jauche aus Pflanzen und Kräutern kann jeder Gärtner selbst herstellen. Dafür werden nur wenige Zutaten gebraucht – die Wirkung jedoch ist umso größer. Schon im Mittelalter wusste man um die Wirkung hausgemachter Mittelchen – warum sollte man dieses Wissen nicht auch heutzutage nutzen?
Übrigens - nach dem Trocknen können gesammelte Kräuter und Pflanzen gut in fest verschlossenen Gläsern kühl und dunkel gelagert werden.

Zum Herstellen von Jauchen und Brühen nimmt man zehn Liter Wasser auf ein Kilogramm frische Kräuter. Bei getrockneten Pflanzen werden nur 150 Gramm benötigt. Als Faustregel gilt: 600 bis 800 Gramm frische Pflanzen ergeben etwa 100 Gramm an Getrocknetem. Idealerweise vermengt man Wasser und Pflanzenteile in einem Kunststoff- oder Holzfass, auch ein Plastikeimer ist möglich. Metalleimer oder –fässer sind aufgrund möglicher chemischer Reaktionen nicht so gut geeignet.
Das Gefäß sollte nicht bis zum Rand aufgefüllt werden, da die Jauche beim Vergären noch schäumen kann. Regenwasser ist besser als Leitungswasser. Das Gefäß sollte auf gar keinen Fall luftdicht abgeschlossen werden – Sauerstoff ist wichtig.
Einmal am Tag wird die Mischung kräftig umgerührt. An einem sonnigen Platz vergärt die Jauche besser – je nach Witterung ist sie nach zwei bis drei Wochen einsatzbereit. Der nicht benötigte Rest kann gut verschlossen werden und bei Bedarf wieder verwendet werden. Fast alle Pflanzenjauchen werden verdünnt eingesetzt.

Kein Hexenwerk – Welche Pflanze gegen welches Problem

Oft unterschätzt wird die Brennnessel. Sie ist jedoch reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Idealerweise wird sie zwischen Mai und August gesammelt, bevor sie Samen angesetzt hat. Jauche aus Brennnesseln wird in der Verdünnung 1:10 verwendet, als Spritzmittel auf die Blätter 1:20. Die Brennnesseljauche wirkt hervorragend gegen Blattläuse, aber auch pflanzenstärkend und als Abwehr gegen die verschiedensten Insekten.

Besonders reich an Kieselsäure ist der Ackerschachtelhalm. Er wird im Sommer ohne Wurzel gesammelt. Wenn die Triebe sich spröde anfühlen, ist der Kieselsäuregehalt am höchsten. Oft wird Ackerschachtelhalmjauche vorbeugend verwendet, denn sie macht Pflanzen widerstandsfähig gegen Pilzerkrankungen wie Mehltau und Rost. Die Brühe kann auch gut mit Brennnessel vermischt werden.
Sie hilft außerdem gegen Blattläuse und Spinnmilben. Die Verdünnung ist mit 1:5 empfehlenswert.

Eine alte Heilpflanze ist Beinwell. Die Blätter können mehrfach im Jahr geschnitten werden und enthalten viel Stickstoff und Kali. Allgemein stärkt Beinwell die Pflanzen, sie werden widerstandsfähiger. Auch Beinwell kann gut gemeinsam mit Brennnesseln angewendet werden. In der Verdünnung 1:10 wird er außerdem gern als Flüssigdünger und für Tomaten verwendet.

Kamille kann als Tee im Verhältnis 50 Gramm getrocknete Blüten auf zehn Liter Wasser im Sommer über Pflanzen und den Kompost zur Kräftigung und als Anregung für den Kompost gegossen werden. Auch zur Samenbeize ist Kamille gut geeignet.

Knoblauch ist nicht nur für Menschen, sondern auch für Pflanzen äußerst gesund. Er wirkt fungizid und bakterizid – außerdem enthält er schwefelhaltige ätherische Öle. Vor allem gegen Pilzerkrankungen findet Knoblauch vielfältige Verwendung. 500 Gramm Knoblauch werden auf zehn Liter Wasser gegeben. Die Jauche wird auf die Beetböden in der Mischung 1:10 gegeben.
Man kann auch einen Tee aus Knoblauch kochen. Dazu werden zehn Gramm Knoblauch mit einem Liter Wasser aufgebrüht und einen Tag stehen gelassen. Im Abstand von fünf Tagen spritzt man den Tee gegen Gurkenmehltau – der Erfolg wurde sogar bereits wissenschaftlich untersucht.

Wermut ist reich an ätherischen Ölen und Bitterstoffen. Er ist vor allem durch seinen auffallenden Geruch bekannt. Gesammelt wird Wermut zur Blütezeit im Sommer. 300 Gramm frisches oder 30 Gramm getrockneter Wermut werden mit zehn Litern Wasser zur Jauche verarbeitet. Im Frühling und Sommer wendet man sie unverdünnt an. Im Juni und Juli wird Tee im Verhältnis 1:3 angewendet, im Herbst wird das Mischungsverhältnis 1:2 angesetzt. Tee und Jauche aus Wermut hilft gegen Milben und Läuse. Auch Kohlweißlinge vertreiben sie. Auch Ameisen soll die Jauche abwehren. Außerdem wird Wermutjauche gegen Säulenrost an Johannisbeeren, gegen Blattläuse und Apfelwickler sowie gegen Erdbeer- und Brombeermilben eingesetzt.

Farnkraut, Kohl, Rhabarber und Rainfarn - es gibt unzählige weitere Gewächse, die zur Stärkung und zum Pflanzenschutz eingesetzt werden können. Die Jauchen fangen nach gewisser Zeit an, intensiv zu riechen - nicht jeder Nachbar wird sich darüber freuen. Am besten denkt man also über den Standort des Jauchefasses nach, bevor es zu spät ist.
Auch biologische Jauchen sollten nicht übertrieben eingesetzt werden. Man denke daran: Jede Einmischung des Menschen hat Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht. -nf-



Weitere Informationen und Bilder gibt es im Pflanzenmagazin Ausgabe 2/2010 ab Seite 33

http://green-24.de/zeitung/pflanzen-magazin-02.html

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