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Friedhof - Gedenken mit Symbolpflanzen

Di 29 Aug, 2006 18:23



Trost ohne Worte:
Gedenken mit Symbolpflanzen


Jede Jahreszeit spiegelt bestimmte seelische Grundstimmungen wider. Dies wird deutlich, wenn man der Natur tief ins Gesicht schaut: Der Herbst kündigt eine besinnliche und stille Zeit an und bietet für viele Menschen einen Anlass, sich intensiv mit der eigenen Gemütslage auseinander zu setzen. Mit den kürzer werdenden Tagen beginnt ein Zeitabschnitt, der nach der Fülle des Sommers an die Vergänglichkeit des Lebens und damit an die eigene Sterblichkeit erinnert. Gedanken, die sonst meist wenig gegenwärtig sind und gerne verdrängt werden.

Stille Tage im November

Vor allem zu den Totengedenktagen im November schmücken viele Menschen die Gräber ihrer Verstorbenen mit herbstlichen Gestecken. Kollektive Gedenktage wie Allerheiligen, Allerseelen und der Totensonntag stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der Hinterbliebenen und zeigen: ?Du bist nicht allein.? Auch der Geburtstag des Verstorbenen, sein Todestag oder auch Weihnachten sind Anlässe, zu denen die Familie am Grab zusammenkommt und sich gegenseitig Trost spendet. Ein persönlicher Blumengruß setzt dabei Zeichen für eine lebendige Erinnerung. Oft sagen die Pflanzen mehr aus, als sie auf den ersten Blick offenbaren. Ob es die Lieblingsfarbe des Verstorbenen ist, mit der stille Verbundenheit ausgedrückt wird, oder ein Tränendes Herz als Metapher der Trauer: Über Jahrhunderte hinweg haben viele auf Friedhöfen verwendete Pflanzen ihre ganz eigene symbolische Aussage erhalten. Wer genau hinsieht, kann lernen, sie zu entziffern.

Die Sprache der Blumen

Bereits zu Zeiten, als noch keine intensive Grabpflege betrieben wurde, maß man den auf den Gräbern zufällig wachsenden Pflanzen eine eigene Bedeutung zu. Ging zum Beispiel eine Distel oder Königskerze auf, wies dies darauf hin, dass der Verstorbene im Fegefeuer schmachtete und um eine Fürbitte oder Seelenmesse ersuchte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Friedhofsflora vor allem von Nutzpflanzen bestimmt. Der Apfelbaum symbolisierte den Sündenfall, die Kirsche das Paradies und der Nussbaum galt als ein Zeichen für Leib und Seele. Wacholder sowie Holunder gewährten den Verstorbenen Schutz vor bösen Mächten. Bis heute stehen Efeu, Buchs und Immergrün als Symbole für das ewige Leben. Eine Lilie bedeutet Unschuld und Reinheit, die Ringelblume verkörpert den Schmerz der Hinterbliebenen. Frauenmantel und Mohn hingegen sind Sinnbilder des sanften Todes. Mimose und Sonnenblume sind dafür bekannt, dass sie sich nach der Sonne drehen und stehen daher für die sich Gott zuwendende Seele. Dornen tragende Sträucher erinnern an die Passion Christi. Ewige Liebe über den Tod hinaus zeigt die rote Rose ? DIE Blume aller Liebenden ? an, deren Blätter im christlichen Kontext die Wundmale von Christus am Kreuz und die Muttergottes symbolisieren. Auch die Form der Pflanzen wird als Metapher verstanden: Bäume mit hängenden Ästen symbolisieren Trauer, dreiblättrige Pflanzen, wie zum Beispiel beim Klee, weisen auf die Dreifaltigkeit, während Kreisformen an den immer wiederkehrenden Lauf der Jahreszeiten erinnern. Zwei verschlungene Kränze sind ein Symbol für die nicht enden wollende Liebe zweier Menschen.

Licht für die Seele

Friedhöfe sind sei jeher der Ort, an dem Trauer erlebt und verarbeitet werden kann. Die Trauerkultur selbst unterlag dabei zahlreichen Wandlungen. Im antiken Rom befanden sich die Gräber an viel befahrenen Straßen und forderten mit ihren Inschriften die Reisenden auf, dem hier Bestatteten zu gedenken. Zwischen den Gräbern boten Händler ihre Waren an. Zum traditionellen Fest ?Rosalia? wurden die Grabstätten mit unzähligen Rosen geschmückt. Nach altem christlichen Volksbrauch stellte man in früheren Jahrhunderten an Allerseelen Speisen auf das Grab, da man die Toten anwesend glaubte. Ein Licht auf dem Grab sollte den Seelen den Weg zum Ruheplatz ihres Körpers leiten. Kerzen gehören bis heute traditionell zum Grabschmuck und sind zusammen mit einer herbstlichen Bepflanzung ein Zeichen für das liebevolle Gedenken.

CMA

Weitere Informationen: www.cma.de

Bilder
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Der Herbst ist die Zeit der Besinnung und der Einkehr. Speziell zu den Trauertagen wie Allerheiligen oder Totensonntag wird der Verstorbenen durch Grabbesuche und das Schmücken der Gräber mit symbolträchtigen Pflanzen gedacht.
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