Fortpflanzung der Blütenpflanzen zur Mitte der Kreidezeit

 
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Fortpflanzung der Blütenpflanzen zur Mitte der Kreidezeit

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Gepostet: 12.01.2014 - 12:22 Uhr  ·  #1
Antike Fortpflanzung der Blütenpflanzen

Wer auf der Suche nach Spuren längst vergangener Zeiten ist, hat in Bernstein schon manches Wunder entdeckt. Ein rund 100 Millionen Jahre altes Stück fossilen Harzes gibt jetzt Zeugnis über die sexuelle Fortpflanzung der Blütenpflanzen zur Mitte der Kreidezeit. Die im Bernstein festgehaltene Szene eines inzwischen ausgestorbenen Gewächses zeigt 18 kleine Blumen. Eine von ihnen produziert Samen für die nächste Generation. Die wissenschaftliche Entdeckung ist der älteste Beleg der heute bekannten, sexuellen Fortpflanzung blühender Pflanzen.

Bekannter Prozess mit unbekanntem Anfang
Für die Biologie ist der Prozess der Fortpflanzung von Angiospermen, also echten Blütenpflanzen, natürlich längst bekannt. Zentrale Rolle spielt das Fruchtblatt in der Mitte der Blüte, das eine geschlossene Samenanlage enthält. Der verlängerte Teil des Fruchtblattes besteht aus dem dickeren Fruchtknoten, dem nach oben länglichen Griffel und der abschließenden Narbe. Im Fruchtknoten liegen die Samenanlagen und die Eizellen, die auf eine Befruchtung warten. Hat die Befruchtung stattgefunden, werden die Samenanlagen zu Samen. Diese befinden sich schließlich in der Frucht, die aus der Umwandlung des Fruchtknotens entstanden ist. Unbekannt war bislang, wann die faszinierende, natürliche Reproduktionstechnik einsetzte.

Momentaufnahme aus der Kreidezeit
Der Bernsteinfund ist hinsichtlich seiner Aussagekraft und Details bemerkenswert. Obwohl die Blühpflanzen der Kreidezeit verhältnismäßig klein waren, erkennt man deutlich den vollständigen Blütenstand. Noch eindrucksvoller sind aber die beiden, unter dem Mikroskop erkennbaren, Pollenschläuche, die aus zwei Pollenkörnern wachsen. Sie wurden in einem Stadium festgehalten und konserviert, in dem sie gerade in die Narbe eindringen. Die Pflanze stand also kurz vor der Befruchtung ihrer Eizelle. Danach hätte die Bildung der Samen begonnen und der reproduktive Prozess wäre abgeschlossen gewesen. Noch nie zuvor hatte man in fossilen Blütengewächsen der Kreidezeit den Vorgang der Befruchtung finden können. Dass dies nun möglich war, ist einerseits dem Engagement der Forscher zu verdanken. Andererseits hat die Entdeckung in dieser Form einen überaus natürlich Grund: Das flüssige Harz umgab die Pflanzen so schnell, dass die einzelnen Vorgänge innerhalb kürzester Zeit gestoppt und konserviert wurden.


Blütenpflanzen: Grundlage der Vielfalt
Blütenpflanzen waren zur damaligen Zeit der Erdgeschichte in der Minderheit. Nadelbäume, Farne und Moose beherrschten die Natur. Doch gerade die Entwicklung der Angiospermen war Grundlage für die enorme Vielfalt der Artenentstehung, vor allem in den Tropen und Subtropen. Ihre erdgeschichtlichen Anfänge sind eng mit der Entwicklung von Insekten und anderen Tierarten verbunden. Die jetzt veröffentlichte Entdeckung hat übrigens auch einen Namen bekommen: Micropetasos burmensis. Vielleicht erscheint er künftig auf den exklusiven Visitenkarten der ersten Blütenpflanzen auf der Erde.

Quelle: http://oregonstate.edu/
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Bild: Oregon State University
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