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Die richtige Pflanzenpflege, Pflanzenschnitt, Veredelung ...

Worum geht es hier:

Richtige Pflanzenpflege, schneiden und veredeln...
Die richtige Pflege von Pflanzen umfasst das Düngen (welcher Dünger und wie oft düngen), Schneiden (wie schneiden und wann wird geschnitten), Wässern (wieviel Wasser und wie oft gießen), Standort der Pflanze (wieviel Licht oder Schatten), Boden (welche Erde oder Substrate), Überwinterung (wie überwintern und bei welchen Temperaturen, winterharte oder nicht), Veredelung (welche Technik zum veredeln, okulieren, anplatten oder pfropfen).
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FAQ - Saatgutgewinnung bei Kakteen

Mi 06 Jul, 2011 15:51



Moin zusammen,

da in letzter Zeit häufiger Fragen zur richtigen Bestäubung bei Kakteen aufgetreten sind möchte ich hier ein paar kurze Zeilen dazu schreiben - vielleicht helfen Sie künftig neuen Kakteenfreunden.

1.0 Begriffserklärung:

1.1 Was bedeutet "selbstfertil"?

Eine Pflanze die selbstfertil ist braucht keine weitere Hilfe von Insekten oder der menschlichen Hand, bzw Pinsel. Diese Pflanze hat es auch in Natur leichter sich generativ zu vermehren. Das Wort "selbstfertil" bedeutet so viel wie "Selbstbestäubend also auch Selbstbefruchtend" - d.h sie bestäubt sich selbst mit eigenem Pollen ohne einer weiteren Pflanze!

1.2 Was bedeutet "selbststeril"?

Sehr viele Kakteen sind selbststeril - d.h sie brauchen eine Partnerpflanze um Samen erzeugen zu können. Dies geschieht vor allem über Schwebfliegen und Kleinstinsekten, bzw bei geschlossenem Gewächshaus gesteuert über Menschenhand!

2.0 Der Sinn einer Kaktusblüte

Sehr häufig wird das Phänomen gerade bei Astrophyten und Echinopsen beobachtet, dass mehrere Pflanzen an einem Tag blühen. Grund ist möglichst viele Samen und somit viele Nachkommenschaften zu erzeugen. Jede Kakteenblüte besteht zu über 90% aus Wasser - d.h jede Blüte ringt der Pflanze viel Kraft ab, die nicht andersweitig in Wachstum, bzw Sprossbildung veranlagt werden kann. Somit blühen häufig auch gerade Pflanzen, die kurz vor dem Eingehen sind, in der Hoffnung, dass eine geeignete Gegenpflanze zur Bestäubung in Ihrer Nähe ist - dem Falle gesetzt dass es sich hier um eine selbststerile (s.o) Pflanze handelt.

3.0 Bestäubung bei selbstfertilen Kakteen

3.1 Bestäubungshilfen:

Verwendet werden können Watteträger, bzw grobe Pinsel. Pinsel können wiederverwendet werden, bei Einmal-Watteträgern empfiehlt es sich, bei jeder Bestäubung (bei unterschiedlichen Kakteen) neue zu verwenden um keine Hybridisierung zu erreichen, die gerade bei Echinopsen und Astrophyten leicht erreicht wird.

3.2 Richtig bestäuben:

Sinn ist, die Pollen von Pflanze A auf den Stempel der Pflanze B zu bekommen und umgedreht. Somit erhält man im Optimalfall zwei befruchtete Samenkapseln, welche unterschiedlich viele, von grob-, bis feinkörnige Samen haben können. Dabei ist zu beachten, dass auf dem meist weißlichen Stempel der feine, gelbliche Pollen nach der Bestäubung befindet. Es gibt auch Kakteen, bei denen man eine erfolgreiche Bestäubung nicht mit bloßem Auge erkennt. Dazu gehören unter anderem Aztekium ritteri und Blossfeldia. Leicht erkennbare Bestäuber dagegen sind Astrophyten oder sämtliche Cereusarten.
Ein Trick ist es, nach ca. 20 Minuten noch einmal nachzubestäuben um sicherzustellen, dass eine erfolgreiche Bestäubung geglückt ist. Meist erkennt man auch an den geschlossenen Blütenstempeln, die vorher offen waren eine erfolgreiche Bestäubung.


3.3 Fruchtansätze

Viele Kakteen bekommen in der Regel nach 1 bis 10 Wochen Ihre meist rosa bis weißlich, oval bis rundlichen Früchte, die sie aus Axillen, bzw Wolle herrausschieben. Es gibt allerdings auch verschiedene Kakteen wie einige Mammillarien, die erst Jahrelang den Samen in ihrem Pflanzenkörper behalten, ehe sie ihn herausdrücken. Dazu zählen z.B Mammillaria theresae, Mammillaria luethyii und auch der nicht zu den Mammillaria zählende Ortegocactus macdougallii.
Andere Kakteen wie Ariocarpen und Lophophoren schieben den Samen erst nach einem Jahr aus ihrem Pflanzenkörper.
Eher schnell hingegen sind Echinopsen, Astrophyten und Cereen.

4.0 Reizbestäubung

Es ist möglich - insofern eine blühende Partnerpflanze fehlt - mit Zementstaub eine Reizbestäubung durchzuführen. Dies ist von mir selbst noch nicht ausprobiert worden, somit kann ich keine weiteren Erfahrungswerte hierrüber schreiben. In der Literatur wird davon gesprochen, den Blütenstempel mittels Zementstaub einzupinseln und danach die Pflanze mit ihrem eigenen Blütenpollen zu bestäuben (auch wieder auf den bereits mit Zementstaub bedeckten Stempel).
Inwieweit dies klappt - hier wären Erfahrungswerte wertvoll von Leuten, die das bereits ausprobiert haben.

Viel Erfolg beim Samen ernten und bestäuben ;)
Daniel

Anlagen:

Reife Samen von rotblütigem Astrophytum asterias Kultivar - 4 Wochen nach der Bestäubung:


@Echinopsis

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