GinkgoWolfs Blog
Allerhand Grünes, Morbides und Philosophisches...
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:)

Mein Blog: vielseitig interessiert, genau wie ich :wink:

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Nuss-Ernte bei den Baumhasel (Corylus colurna)

permanenter Link von GinkgoWolf am Mo 26 Okt, 2020 21:18

Vielleicht ist es schon jmd. aufgefallen, dass ich die Wochenenden im Oktober bisher selten zum Bloggen verwendet habe... vielleicht auch nicht :wink:
Nun, es gab einen triftigen Grund für meine Abwesenheit!
Der Herbst ist die Jahreszeit im Jahr, wo es von den Bäumen fällt: Nüsse, Kastanien, Eicheln, Maroni, ... Und wenn man nicht zu kurz kommen möchte, dann muss man rechtzeitig erscheinen - ihr kennt das ja (entweder aus Kindertagen oder weil ihr selbst Kinder habt oder hattet).

Nun sind Maroni, Eicheln und Kastanien für mich nur mäßig spannend. Maroni esse ich nicht und da ich keine Kastanienmännchen bastel', brauche ich die anderen nicht.

Für mich sind Nüsse eine spannende Sache, denn die kann man essen und je nach Art und Sorte schmecken die mir sehr gut!
Ich bin als Kind damit groß geworden, dass man im Herbst Nüsse sammeln geht (wie andere vielleicht in die Pilze gehen). Bei meinen Großeltern im Dorf wuchsen mächtig alte Walnussbäume aufm Deich, da zog es uns im Herbst immer hin zum Sammeln. Kiloweise haben wir die Nüsse nach Hause geschleppt.

In gewisser Weise hat mich das auch heute noch gepackt...
Allerdings sammel ich heutzutage in einer anderen Kategorie, denn Walnussbäume haben wir hier zwar auch, aber die stehen meist unerreichbar bei jmd. auf dem Hof und nicht in der freien Landschaft und auch hier sind dann meist andere vor einem da gewesen...

Deshalb sammel ich meine (zweit-)liebsten Nüsse und das sind Baumhasel-Nüsse, Corylus colurna. Die gibt es in meiner Heimatstadt als Straßenbäume und massenweise liegen im Herbst die Nüsse unten. Man braucht sie nur noch aufzusammeln...

Vielleicht sollte ich vorher noch ein bisschen was zu Baumhaseln erzählen...
Ich persöhnlich liebe diese Bäume, denn abgesehen von ihren Nüssen haben sie viele tolle Eigenschaften:

- Namentlich werden sie auch "Türkischer Hasel", "Türkische Baumhasel" oder einfach nur "Haselbaum" gerufen. Sie unterscheiden sich durch den bekannten Haselnussstrauch durch ihren baumförmigen Wuchs u.a. auch durch ihre Standortansprüche.

- Der Baumhasel mag Wärme, hat deshalb mit städtischem Klima eher kein Problem. Sobald ein Baumhasel an seinem Standort Fuß gefasst hat, ist auch Trockenheit kaum ein Problem für ihn - das prädestiniert ihn z.B. als Zukunftsbaum für den Klimawandel. In seiner Heimat, dem Balkan, wächst er sogar auf trockenem Karstgestein.

- Sie werden nicht so groß wie manch andere Bäume, nur so ca. 15m hoch und ca. 6-9m breit. Dafür machen sie eine sehr dunkle Krone, sprich sind super Schattenspender und das auch dann noch, wenn andere Bäume aufgrund von Trockenheit sich schon einiges an Laub entledigt haben.
Sie sind gut zu erziehen, weil sie meist einen mehr oder weniger durchgängigen Leittrieb bis in den oberen Kronenwipfel ausbilden (in der Fachsprache nennt man das wipfelschäftig). Auch das ist ein Grund, sie als Stadt- und Straßenbäume anzupflanzen.

- Die Blüte ist früh im Jahr, meist so gegen Februar/ März schmücken sich die Bäume mit langen gelben Blütenkätzchen.
Die Früchte reifen das Jahr über in igelähnlichen Fruchtbechern (was ihn wiederum sofort vom Haselstrauch unterscheidet!) und fallen dann meist Mitte/ Ende September bis Oktober vom Baum. Von den Nüssen ernähren sich gern Eichhörnchen, Mäuse und Spechte. Krähen und andere Vögel können die Nüsse nicht ohne Hilfe knacken und suchen deshalb bereits geknackte Nüsse am Boden auf.
Es ist nicht einfach, die Nüsse aus ihren Fruchtbechern zu pulen, weil diese sehr klebrig sind und harzen. (Ich nehme an, das ist auch der Grund weswegen sich viele Leute nicht mit diesen Nüssen beschäftigen... - weil man davon schwarze Finger bekommt.) Bei manchen Bäumen lassen sich die Nüsse darüberhinaus nicht wirklich herauspulen, weil sie sehr fest sitzen; bei anderen Baumindividuen hingegen fallen die Nüsse wie von selbst aus ihren Fruchtbechern. Das ist also individuell unterschiedlich.

- Im Gegensatz zum beliebten wie bekannten Haselnussstrauch habe ich an einer Nuss des Türkischen Baumhasels noch nie einen Haselnussbohrer gesehen.
Dazu muss man auch noch sagen, dass die Schale bei der Baumnuss ungefähr doppelt so dick ist wie beim gewöhnlichen Strauchhasel - da hat also auch der eigene Nussknacker etwas mehr zu tun.
Das einzige, was durchaus mal vorkommen kann, ist, dass die Nüsse nicht befruchtet wurden und keinen Kern ausbilden, also taub sind. Das trifft aber meist bei 100 Nüssen auf vielleicht 5 Nüsse zu, wenn man ausreichend Bestäuber in der Nähe hat. Kann ja schon mal passieren, dass ein Pollenkorn die Narbe verfehlt... :lol: - bei der Menge an Nüssen ist das nicht weiter tragisch.
Baumhasel tragen fast jedes Jahr in gleichbleibender Menge, haben also keine "starken" oder "schwachen" Jahre wie z.B. Buchen oder Eichen.

- Über den Geschmack des Nusskerns scheiden sich die Geister...
Die Literatur schreibt dazu, dass er eher fad und nicht wirklich nach Hasel schmeckt. Also, wenn jmd. verwöhnt vom Haselstrauch ist, dann mag das stimmen, aber ich mag gerade diesen "nicht haseligen" Geschmack! Für den Kenner empfehle ich immer folgende Vorgehensweise: sich Zeit lassen und nicht blindlings in sich hineinstopfen! Dann schmeckt auch der Baumhasel einzigartig, nämlich im Abgang mit einer leichten Walnussnote - Lecker!!

So... - genug der Vorrede!
Ich war also sammeln.
Und ich habe viel gesammelt!
Säckeweise!

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03. Oktober 2020:
- beim ersten Mal Sammeln sind es fast 3 Kilo geworden

Am 03. Oktober 2020 hatten wir wunderschönes Wetter und ich die Chance genutzt auf eine gute Ernte. Die Zeit hat nicht gar so ausgereicht (hab auch erst spät begonnen, der Tag war schon fortgeschritten), ich sammelte bis es dunkel wurde. Ich schaffte immerhin fast drei Kilo nach Hause!

Am 04. Oktober 2020 hatte ich aus dem Fehler des Vortags gelernt und fing dementsprechend früher an. Darüberhinaus sammelte ich an zwei verschiedenen Stellen, wobei die zweite Stelle mit einer sehr langen Baumhasel-Allee die wesentlich ergiebigere war. Insgesamt brachte ich zwei volle Säcke nach Hause (mein armes Fahrrad durfte/ musste den Packesel spielen), die ich dann voller Stolz gewogen habe.
Durch mein frühzeitiges Beginnen und das Aufsuchen des ergiebigeren zweiten Standorts habe ich den Gewichtswert meiner Nüsse vom Vortag in der Hälfte der Zeit locker überboten! Im ersten Sack waren fast 3,5 Kilo und im zweiten Beutel auch fast 2,5 Kilo. Diese "Beute" musste dann auf leere Steigen verteilt und in der Küche zum Abtrocknen aufgestellt werden (das mache ich mit allen Nüssen so: vor dem Lagern kommt das Trocknen).

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04. Oktober 2020:
- die Beute des Tages muss auf die Waage
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04. Oktober 2020:
- Beutel 1, beinahe 3,5 Kilo
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04. Oktober 2020:
- Beutel 2, immerhin noch fast 2,5 Kilo
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04. Oktober 2020:
- die Tagesausbeute, verteilt auf vier flache (ehem. Erdbeer-)Steigen

Am selben Tag hat mir übrigens noch jmd. vielleicht 2,5 Kilo Walnüsse von seinem Baum im Hof verschenkt. Der hatte mich am ersten Standort sammeln sehen und mich gefragt, ob ich nicht auch so was gern haben möchte... - wer sagt da schon nein??
Die Walnüsse blieben gleich im Keller (wo alle nussgefüllten Steigen zur Lagerung landen), weil sie auch sehr schmuddelig waren. Die wollte ich verständlicherweise nicht in der Küche haben.

Dann war das nächste Wochenende Pause (ich glaube, es regnete an diesem und bei Regen sammelt man ja normalerweise nicht, weil es schon reicht, die Eigenfeuchtigkeit aus den Nüssen zu bekommen, da braucht es keine zusätzliche Nässe durch Regen...).

Dann war ich aber wieder am 17. Oktober 2020 losgezogen und wieder an meiner zweiten Stelle und wieder lag alles voller Nüsse! Man brauchte sie nur noch aufzuheben...
(Man hätte meinen können, dass ich zuletzt nicht da gewesen und alles aufgelesen hätte, so unberührt sah das unter den Bäumen aus.)
Also sammelte ich wieder was die Finger hergaben und wieder wurden es zwei Säcke voll. Der erste Beutel war fast 3 Kilo schwer und der zweite Beutel war auch nahe dran...
Beim Verteilen auf die Steigen musste dieses Mal auch eine etwas tiefere (ehem. Mandarinen-)Steige her, so viel war das.

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17. Oktober 2020
- wieder zwei Beutel voll geworden *HändeübermKopfzusammenschlag*
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17. Oktober 2020:
- Beutel 1, beinahe drei Kilo
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17. Oktober 2020:
- Beutel 2, auch fast drei Kilo
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17. Oktober 2020:
- die Nuss-Ausbeute des Tages, verteilt auf drei flache (ehem. Erdbeer-)Steigen und eine tiefe (ehem. Mandarinen-)Steige

Insgesamt stehen derzeit zwölf gut gefüllte Nuss-Steigen in meiner Küche herum. In der Küche, weil ich im Keller erst noch auf- und freiräumen muss. Da ich nun keine freien Steigen mehr habe, muss ich mich in meiner Sammelwut nun leider etwas bremsen, denn... - ich habe keinen Platz mehr!

Was das Aufessen betrifft, mach ich mir eher weniger Sorgen. Ich esse die ja gerne, manchmal sogar noch etwas lieber als Walnüsse. Bezogen auf die vorhandene Menge kann ich nun den ganzen Winter lang jeden Tag eine Handvoll Nüsse essen, genug Vorrat habe ich ja. Soll ja sehr gesund sein, so eine "Nussdiät"...
Außerdem ist aufgrund der doch recht dicken Schale der Baumhaseln ca. die Hälfte Schalenanteil, insofern revidiert sich das auch wieder...
Tja.... - das Leben ist eben eine einzige Nuss...

Für mich ist auf jeden Fall klar, dass ich nächstes Jahr wieder Baumhaseln sammeln werde!
(Schon allein, weil es die nicht zu kaufen gibt und die Quellen hier so ergiebig sind...)
Bilder
"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Ich kenn viele Pflanzen! Aber noch nicht alle^^