GinkgoWolfs Blog
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Ein Farn im Glas

permanenter Link von GinkgoWolf am So 02 Aug, 2020 22:15

Das mit meinem Farn hat eigentlich ganz harmlos angefangen...

Ich habe den Kleinen im Topf einer meiner Orchideen entdeckt. Erst dachte ich, das Grüne wäre ein Stück Moos, aber es hat sich Anfang Juli als Farn offenbart, denn da bekam es erste Wedel.

Für alle, die sich mit Farnen und deren Vermehrung nicht so wirklich auskennen:
Anders als Samenpflanzen entwickeln sich Farne aus Sporen, die noch kleiner und zarter als menschliche Haare sind. Farne auszusäen ist ein wirklich gewagtes Unterfangen, will ich meinen, wenn man die Sporen eigentlich kaum sehen kann...

Wenn so ein Farn keimt, sieht er noch dazu gar nicht aus wie ein Farn.
Als erstes keimt nämlich ein so genannter "Vorkeim", der sehr große Ähnlichkeit mit einem Lebermoos hat. In diesem Vorkeim-Stadium verweilt der Farn eine ganze Zeit lang.
(Er ist übrigens in diesem Stadium noch sehr empfindlich und wenn man Farne im Vorkeim-Stadium pikiert, muss man sie wirklich mit Samt-Handschuhen und wie rohe Eier behandeln...)

Irgendwann zeigt sich dann, dass das "Moos" (das keines ist) einen ersten Wedel bekommt und danach wächst der Farn (den man dann zweifelsfrei als solchen erkennen kann) wie ein Farn eben so wächst.
Wedel für Wedel...

Farn_imGlas_200718_(1).jpg
18. Juli 2020: ein Farn im Orchideentopf, rechtes Bild: vorsichtig freigelegt

So war das auch bei meinem kleinen Farn.
Der ist im Topf einer meiner Phalaenopsis aufgegangen, tarnte sich zunächst als Moos und Ende Juni/ Anfang Juli stellte ich dann fest: oh, es ist ein Farn!

Dem gefiel es im Orchideentopf scheinbar recht gut, aber ich habe auf einer anderen Seite gelesen, dass das Kultivieren eines Farns im Orchideentopf für die Orchidee eher weniger gut ist:
>> Beitrag aus dem Orchideenforum <<
Gut, ja, die Orchidee dort war eine Cattleya, aber der Unterschied zur Phal ist jetzt auch nicht soo hoch... Und es wird dort eben empfohlen, den Farn zu entfernen.

Hm, ja, gut...
Wohin aber nun mit dem Kleinen?
Ich muss gestehen, er gefiel mir sehr gut. Ich wollte ihn nicht wie "Unkraut" behandeln und im Müll entsorgen. Er konnte ja nichts dafür, sich den falschen Platz ausgesucht zu haben.
Irgendwie wollte ich ihn weiterkultivieren.

Nun sind Farne nicht so wirklich gute Zimmerpflanzen. Über kurz oder lang habe ich immer so den Eindruck, sie sterben irgendwann.
(Ich rede hier von den, sagen wir mal "Echten Farnen", nicht von Palmfarnen, Baumfarnen oder wie diese ganzen "Pseudofarne" heißen :wink: )
Sie wollen einfach eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit haben als es manch anderen Zimmerpflanzen (oder gar den Wänden! - Stichwort Schimmel) auf Dauer zuträglich ist.

Was also tun?
Die gespannte Atmosphäre im Topf der Orchidee schien ihm ja zu behagen. Vielleicht könnte ich den kleinen Farn ja in einem Glas beherbergen?!?

Ich recherchierte erstmal im Forum zu der Kultivierung von Zimmerpflanzen in geschlossenen Glasgefäßen und ich wurde tatsächlich fündig:
>> Flaschengarten, Wabi Kusa, Hermetosphaere <<

Und auch in den Weiten des Internets gibt es einige empfehlenswerte Seiten (falls sich wer darin einlesen möchte) über die "Hermetosphären":
>> Glas glühn - Hermetosphären <<
>> Keinsteins Kiste: Eine Welt im Glas <<

Eine besonders empfehlenswerte Seite ist die von Herrn Soltau, der sich mit der Kultivierung der Hermetosphären intensiv beschäftigt:
>> Ulf Soltau: Die Hermetosphäre <<

Der Farn im Glas - Überlegungen

Gut, dann sollte es also eine Hermetosphäre sein.
Nun hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Hermetosphäre angelegt, hatte also auch keine Erfahrungen, ob das so mit dem Farn funktionieren würde... Ein passendes Glas besaß da auch noch nicht, aber das war ja relativ schnell bei einem bekannten Ein-Euro-Laden gekauft. Ich wählte eins mit Glasdeckel, bei dem dann auch später genug Licht von oben hereinfallen kann. Fassungsvolumen ca. 350ml, ist also ein noch recht kleines Glas.
Aber der Farn war zu diesem Zeitpunkt ja auch noch nicht besonders groß...

Als Substrat wählte ich Kokohum aus, weil das nährstoffarm ist und der Farn ja doch recht langsam in seinem Glas wachsen soll.
(Der Tipp stammt übrigens von Andrea alias Roadrunner hier aus dem Forum.) Ein paar wenige Pinienrinde-Stückchen mischte ich auch noch dazu, denn die kennt er ja bereits aus dem Orchideentopf.
Als Drainage wollte ich Aquarienkies verwenden. Den habe ich vor seiner Verwendung mehrere Male gut durchgespült. Allerdings ist mir schon der Gedanke durch den Kopf gegangen, dass ich den Kies vorher hätte abkochen sollen... gegen etwaige Keime oder Algensporen.... Vielleicht beim nächsten Mal...

Es ist ja vor allem erst mal ein Versuch, ob es so funktioniert. Ich hatte ja bisher keine Hermetosphäre. Der "Farn im Glas" ist jetzt meine erste.

Auch habe ich keine Destruenten ins Glas eingesetzt, weil ich a) nicht so genau wusste, woher ich tropische Springschwänze bekommen sollte (inzwischen weiß ich zumindest, dass es in Berlin-Neukölln einen Fachladen für Terraristik geben soll, Stichwort "Insektendealer" - kein Scherz, übrigens! :lol: ) und b) ich in meinem ersten Versuch erstmal ohne welche auskommen wollte.
Mein 350ml-Glas erschien mir dazu auch noch recht klein zu sein, um da noch irgendwelche Springschwänze drin zu beherbergen.

Ich wollte erstmal sehen, wie sich alles entwickeln würde.
Sobald der Kleine sich übermäßig gut entwickeln täte, sollte er ein größeres Glas bekommen, mit mehr Platz und dann würde ich auch ein paar Springschwänze dazuholen.
Aber erstmal musste der kleine Farn aus dem Orchideentopf heraus...

Ab ins Glas! - ein Farn zieht um

Gerade der Umzug gestaltete sich nicht so einfach wie es jmd. im Orchideenforum am Bsp. der Cattleya beschrieben hatte:
Da war nichts mit vorsichtig ziehen und dergleichen!
Ich bekam ja die Finger nicht mal in den Topf, auch nicht, wenn ich etwas von dem Substrat rausnahm und den Farn so vorsichtig freilegte.
Tjaaa....

Mir blieb tatsächlich nichts anderes übrig, als die Orchidee vorsichtig auszutopfen und dann den kleinen Farn vorsichtig aus ihrem Substrat und zwischen ihren Wurzeln hervorzupulen...
Er war zu diesem Zeitpunkt auch noch sehr zart, also ging ich dementsprechend vorsichtig zu Werke.
Da das Gefäß samt Inhalt da noch nicht fertig vorbereitet war, musste ich den Kleinen erstmal "zwischenlagern": Ich legte ihn also auf einen kleinen Untersatz, befeuchtete ihn mit etwas Wasser und deckte anschließend Frischhaltefolie drüber.

Farn_imGlas_200719_(2).jpg
19. Juli 2020: Bereitstellen der benötigten Utensilien; der Farn in der Unterschale unter der Frischhaltefolie
Farn_imGlas_200719_(3).jpg
19. Juli 2020: als erstes Aquarienkies als Drainage einfüllen
Farn_imGlas_200719_(4).jpg
19. Juli 2020: dann das Substrat (hier: Kokohum mit Pinienrinde) einfüllen
Farn_imGlas_200719_(5).jpg
19. Juli 2020: Fertighöhe des Substrates ca. 4cm

Dann kümmerte ich mich erstmal um das Glasgefäß.
Zuerst füllte ich eine Schicht Aquarienkies hinein, ungefähr 1,5cm stark.
Darüber füllte ich Kokohum ein und gab auch ein paar Pinienrinde-Stückchen mit hinein (so im Nachgang gesehen hätte ich ggf. auch diese mit heißem Wasser überbrühen sollen? :-k ). Da mein Glasgefäß ein Weithals-Gefäß ist, brauchte ich zum Durchmischen des Kokohums mit der Pinienrinde keine Spezialwerkzeuge... - eine herkömmliche ehemalige Plastikgabel tat es als "Grabegabel" auch :lol: Das Kokohum ist ungefähr 2,5cm stark; insgesamt sind also ca. 4cm des Gefäßes gefüllt und die restlichen 6cm sind frei verfügbarer Luftraum zum Wachsen für den Farn.
(Wobei ich allgemein sowieso eher den Eindruck habe, dass Farne mit Vorliebe in die Breite statt in die Höhe gehen.)

Farn_imGlas_200719_(6).jpg
19. Juli 2020: der fertig eingesetzte Farn, einmal von oben und von der Seite fotografiert

Nachdem das neue Zuhause meines Farns eingerichtet war, konnte der Kleine einziehen. Er hatte die Nacht auf dem Untersatz und unter der Frischhaltefolie sehr gut überstanden.
Also wieder gaaanz vorsichtig mit der Hand aufgenommen und ebenso behutsam in sein neues Zuhause gesetzt. Vorher ein bisschen Substrat mit einem Pikierstab zur Seite gemacht, den Farn eingesetzt und das Kokohum mit dem Pikierstab wieder an Ort und Stelle verbracht. Dann vorsichtig angedrückt (eher "angetupft").

Nun sollte angegossen werden. Hier empfiehlt sich immer Regenwasser oder destilliertes Wasser. Letzteres vor allem, damit sich keine Algen oder so was bilden.
Regenwasser hatte ich nicht und destilliertes Wasser schon gar nicht.
Tjaa... - was jetzt?
Ich wählte eine eher unkonventionelle Form. Ich kochte Wasser ab. Im ganz normalen Wasserkocher habe ich das Wasser sicher an die zehn Mal abgekocht und hinterher im kalten Wasserbad auskühlen lassen. Dann mittels Zerstäuberflasche "angegossen" oder eher gesprüht.

Farn_imGlas_200719_(7).jpg
19. Juli 2020: zu guter Letzt Anfeuchten mit der Sprühflasche

In einschlägigen Seiten wird das Angießen mittels Ballbrause empfohlen. Die habe ich zwar auch, aber bei dem kleinen Glas.... na ja...
Es soll ja auch nicht zu viel Wasser ins Glas hinein, sondern gerade so viel, dass das Substrat zwar nass ist, aber im Kies kein Wasser steht. Wäre letzteres der Fall, wäre das schon zu viel.
(Das sieht man übrigens daran, wenn das Glas ständig beschlagen ist. Wenn's Richtung Fenster beschlägt, ist es in Ordnung, aber zum Zimmer hin sollte es schon mal klar werden.)

Dann muss man den Deckel vorsichtshalber erst mal ab lassen, damit die überschüssige Feuchtigkeit raus kann.
Ist mir übrigens auch passiert. Also, dass ich zu viel Wasser (trotz Sprühflasche!) rein gegeben habe. Also musste ich lüften.
Da ich aber keine Trauermücken ins Glas lotsen wollte, steckte ich das Glas in eines dieser Frischenetze wie man sie im Supermarkt derzeit bekommen kann. Die sind nämlich so feinmaschig gewebt, da kommt keine Trauermücke durch!

Farn_imGlas_200719_(8).jpg
19. Juli 2020: der Farn an seinem Nordfensterplatz (links) und beim Belüften ohne Deckel und unter dem Frischenetz (rechts)

Ich lüftete das Glas in den ersten Tagen, allerdings nur über Nacht und tagsüber machte ich den Deckel drauf.
Nach einiger Zeit hatte sich das Niveau so weit eingepegelt, dass der Deckel nun draufbleiben kann.

Das Glas steht übrigens an einem Nordfenster.
Auch das ist wichtig! Denn an einem Fenster, wo die Sonne drauf scheinen kann, würde die Hermetosphäre (und die Pflanzen darin!) gekocht werden!!

Erste Ergebnisse

Farn_imGlas_200727_(9).jpg
27. Juli 2020: nach einer Woche in der Hermetosphäre macht er sich schon ganz gut

Der Farn brauchte verständlicherweise ein paar Tage, um sich mit seinem neuen Zuhause anzufreunden, aber inzwischen schiebt er neue Wedel.
Er sieht insgesamt gut aus!
Ich bin gespannt, wie er sich weiter so entwickeln wird.

Farn_imGlas_200802_(10).jpg
2. August 2020: der Farn hat sich eingelebt

Letztens bei Ikea habe ich mich um zwei größere Gläser (1,7l bzw. 1,8l) reicher gemacht, die dann später als seine neue Heimstatt fungieren könnten.
Dann wie gesagt auch mit Springschwänzen :wink:
Bilder
"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Ich kenn viele Pflanzen! Aber noch nicht alle^^