GinkgoWolfs Blog
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Anzucht einer Cherimoya (Annona cherimola)

permanenter Link von GinkgoWolf am Mi 26 Feb, 2020 21:03

Lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, selbst eine Cherimoya aus einem Kern heranzuziehen.
Warum ausgerechnet eine Cherimoya? Und was ist das überhaupt?

Die Cherimoya oder Rahmapfel oder Annone genannte Pflanze aus der Familie der Annonengewächse (Annonaceae), zugehörig zu den Magnolienartigen (Magnoliales). Ihre nächsten Verwandten sind unter Umständen nicht so unbekannt, wie man zuerst denken könnte:
Die Guanábana, oder Stachel-Annone (Annona muricata) genannt, ist einem vielleicht schon mal als Zusatz im Smoothie begegnet. Und die Dreilappige Papau oder Indianerbanane (Asimina triloba) gehört auch zu den Annonengewächsen.

Die Cherimoya wächst meist als kleiner Baum oder Strauch und wird ca. 5-9 Meter hoch. Optisch ist die Pflanze nichts allzu besonderes. Die Blätter sind ganzrandig, elliptisch oval und samtartig behaart (v.a. unterseits). Sie stehen wechselständig am Zweig.
Einmal im Jahr wirft die Cherimoya ihre Belaubung für wenige Wochen, manchmal auch nur wenige Tage ab. Das ist eine Anpassung an ihre Heimat, in der zu einer bestimmten Zeit wenig Regen fällt und damit ein Verdunstungsschutz. In der Wohnung gehaltene Pflanzen behalten diese Eigenart bei.
Die Cherimoya entwickelt im Alter einzeln stehende, duftende Blüten. Bei erfolgreicher Bestäubung (Flora Toskana schreibt, die Pflanzen seien selbstfruchtbar) entwickeln sich daraus etwa faustgroße, grünschalige Früchte, deren äußere Haut wie in Facetten eingedellt ist. Innen besitzen sie ein rahmweißes, sehr süßes und sahnig schmeckendes Fruchtfleisch mit zentimetergroßen schwarzen Kernen, die aber nicht essbar sind.
Außerhalb der Blüte- und Fruchtzeit ist die Cherimoya jedoch eine sehr unscheinbare Pflanze, die man im Zweifel mit einem mitteleuropäischen Baum verwechseln könnte.

Warum?

Warum möchte ich mir also ausgerechnet eine Cherimoya aussäen?
Es gäbe ja auch allerhand anderes exotisches Obst und Gemüse, das sich ebenfalls einer Aussaat lohnen würde, wie Mango, Avokado oder Papaya...

Um das zu verstehen, muss ich einen Exkurs in meine Studienzeit unternehmen.
Während ich im Bachelor- und später auch im Masterstudium meine Abschlussarbeiten verfasst habe, saß ich oft genug in einem Arbeitsraum meines damaligen Professors. In diesem Arbeitsraum stand ein recht imposanter Zimmerbaum (damals noch ohne Namen), den ich hier im Forum als Cherimoya bestimmen ließ.
>> Hier ist der Beitrag aus dem Forum <<
Ich machte mir damals Sorgen, weil dieser Baum "Herbst" spielte und man dies von "normalen" Zimmerpflanzen wie Ficus und Co. nicht kennt. Wenn ein Ficus Blätter en masse verliert, sollte man sich auch zu recht Sorgen machen...

Nach der geglückten Bestimmung und Namensfindung und erfolgter Pflegerecherche freundete ich mich mit dem Baum an. Ich fand es sogar etwas amüsant, dass er einmal im Jahr einmal "Rundumputz" macht und all seine Blätter abwirft, um für einige Zeit komplett nackig dazustehen und sich dann wieder neu einzukleiden. Als er Schädlinge hatte (Weiße Fliege) habe ich sogar die Schädlingsbekämpfung übernommen (in Rücksprache mit meinem Prof).

Ich hatte zu dem Baum eine besondere Verbindung. Immerhin saß ich manchmal für Stunden und dann tageweise, ach was wochenlang in diesem Raum und schrieb an meinen Abschlussarbeiten. Ich war sogar noch zu Zeiten da, wenn andere längst zu Hause waren. Da war der Cherimoyabaum meine einzige (wenn auch schweigsame) Gesellschaft.

Ich glaube, mehr muss ich dazu nicht mehr sagen, warum ich ausgerechnet einen Cherimoyabaum aussäen möchte...

Aussaat

Saatgutgewinnung: aus einer reifen Frucht, gekauft im Supermarkt
Aussaat-Termin: 26.02.2019, abends gegen 22 Uhr
Anzahl: ca. 20 Stück
Vorbehandlung: keine
Aussaatsubstrat: Kokos-Quelltabletten
sonstige Hilfsmittel: Zimmergewächshaus

Das Saatgut der Cherimoyas ist nicht sonderlich lagerfähig. Am besten ist es also, sofort nach dem Essen der Frucht die Samen auszusäen. Der Keimvorgang selbst kann einige Zeit in Anspruch nehmen, denn die Schale ist ja doch recht hart.
Ich hatte keine Zeit für Vorbehandlungen wie Vorquellen lassen oder an Sandpapier aufrauen... ich wollte die Samen so schnell wie möglich unter die Erde bringen. Meine Arbeitszeiten sind da auch nicht sehr "gärtnerfreundlich": abends bin ich oftmals zu müde, um mich dann noch mit Aussaaten zu beschäftigen...
Deshalb also keine Vorbehandlung. Sollte bei diesem ersten Versuch nichts keimen, könnte ich es beim nächsten Versuch ja mit einer der genannten Vorbehandlungsmethoden wieder versuchen.

Als Aussaat-Substrat wählte ich Kokos-Quelltabletten. Die "liefen" mir letztens beim Einkaufen über den Weg. Waren in irgendwelchen Restestapeln im Gärtnerbedarf übrig geblieben. Also eine mitgenommen. Kokossubstrat zum Aufquellen als Blumenerde kennt man ja schon, warum nicht also auch als Quelltabletten? Immerhin werden dafür keine Moore abgebaut. Und wenn's feinkrümelig bleibt wie die Kokoserde, ist's auch ein gutes Saatbett.

Der Aussaat-Ort war ein gewöhnliches Zimmergewächshaus. Da ich keine Heizmatte besitze, habe ich das Gewächshaus auf ein zusammengefaltetes Handtuch gestellt (wegen der "kalten Füße" auf dem Fensterbrett). Unter der Fensterbank befindet sich übrigens die Heizung... wie das so typisch ist, bei zentralgeheizten Neubauwohnungen...

Ich säte also aus, wobei ich in jede Quelltablette je einen der dicken schwarzen Samen hineinlegte (mit einem Pikierstäbchen das Loch vorgedrückt) und mit Erde bedeckte. Sind ja Dunkelkeimer. Und nun hieß es... warten...

Anzucht-Tagebuch Cherimoya

13.04.2019

Cherimoya_190413.jpg
13.04.2019: im Zimmergewächshaus tut sich was...

Da ich Ende Februar 2019 ausgesät habe, rechnete ich nicht damit, dass die erste Pflanze bereits Mitte April ihr zartes Köpfchen aus der Erde strecken würde.
Aber genau so war es!
Unter den zwanzig Samen war tatsächlich ein Frühstarter dabei, der es nach nicht mal 1,5 Monaten kaum abwarten konnte, endlich keimen zu können. :lol:

Cherimoya_190413_.jpg
13.04.2019: Cherimoya keimt

Allerdings... es gab ein Problem.
Offenbar hatte sich die Kleine irgendwie "verkantet" oder "verheddert", jedenfalls kam sie tagelang nicht aus ihrem Samenkorn heraus. Sie machte nur einen Buckel mit ihrem Stielchen, der Rest (einschließlich Keimblätter) steckte im Samenkorn fest...
Ich machte mir Sorgen, traute mich aber nicht irgendetwas zu unternehmen - aus Angst, irgendwas kaputt zu machen.

26.04.2019

Cherimoya_190426_.jpg
26.04.2019: endlich befreit (allerdings ohne zweites Keimblatt)

Schließlich, fast zwei Wochen später, gelang es dem jungen Keimling dann doch irgendwie, sich aus seiner Hülle zu befreien. Allerdings hatte dabei eines der beiden Keimblätter dran glauben müssen...
Daraus machte sich die junge Cherimoya aber nicht so viel, sondern schob stattdessen ihr erstes richtiges Blatt. Ehrlich, ich bewunderte die Kleine insgeheim. Sie war jung und zart, aber schon erstaunlich zäh: wenn sie etwas wollte, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie es in die Tat umsetzte.
Den "Buckel", den ihr Stielchen durch die Tortur in ihren ersten Lebenstagen gemacht hatte, behielt sie übrigens noch eine ganze Weile bei...

29.04.2019

Cherimoya_190429.jpg
29.04.2019: endlich im neuen Topf

Ca. drei Tage später habe ich die Kleine samt Kokos-Quelltablette eingetopft. Als Substrat verwendete ich nichts allzu besonderes... Ich habe da eine Erde (sie heißt Terrasan), die ist eine torfreduzierte Erde, die auch nicht so stark aufgedüngt ist und die ich mit ein paar Handvoll Lavasplit (was man als Winterstreugut zu kaufen kriegt :wink: ) gemischt habe.
Cherimoya mögen es auch nicht so gerne zu düngerlastig. Sie sind eher genügsam, diese Rahmäpfel...
Das einzig verbliebene Keimblatt war nun schon abgefallen (Cherimoya: "brauch ich nicht mehr"), dafür hatte sie inzwischen zwei neue Blättchen, die sich gerade entfalten wollten.

10.05.2019

Cherimoya_190510.jpg
10.05.2019: die ersten beiden Folgeblättchen haben sich entfaltet

Die beiden ersten Folgeblätter sind entfaltet und strecken sich dem Licht entgegen. Es wird bereits an weiteren neuen Blättern gearbeitet.
Mit dem ehemaligen "Buckel-Bogen" im Stämmchen sieht die Kleine fast so aus, als würde sie sitzen... findet ihr nicht auch? :lol:

25.05.2019

Cherimoya_190525.jpg
25.05.2019: die nächsten Folgeblättchen kommen

Weiteres Wachstum...
Bei den anderen tat sich derweil... nüscht. Weswegen ich die restlichen Kokos-Quelltabletten samt Saat weggeworfen habe...

31.05.2019

Cherimoya_190531.jpg
31.05.2019: man kann ihr beim Wachsen förmlich zusehen...

Sie wird langsam aber sicher immer größer und länger, die Kleine...
(Cherimoya: "endlich habe ich herausgefunden, wie das geht... juhuu, jetzt kann mich nichts mehr aufhalten!")

Danach habe ich irgendwie keine Bilder mehr gemacht... :-k Ich kann euch aber versichern, dass meine kleine, feine Cherimoya wuchs und wuchs und wuchs... Irgendwann hatte ich sie mal gemessen (weiß leider nicht mehr an, wann das war...), da maß sie schon 30 Zentimeter Höhe.
Im Sommer habe ich sie dann vorsichtig mit ein paar Krümelchen Bio-Dünger versorgt (Marke Aries, NPK 7-3-6). Aber Wachstum fand dann nicht mehr nennenswert statt. Ich wollte damit vor allen Dingen Mangelerscheinungen aus dem Weg gehen.

Ein Update gibt's erst wieder aus dem neuen Jahr:

09.02.2020

Cherimoya_200209.jpg
09.02.2020: ganz schön groß geworden, die "Kleine"

Das ist die "kleine" Cherimoya. Ganz schön groß geworden!
(Cherimoya: "ja, ich bin gut gewachsen...")

Cherimoya_200209_.jpg
09.02.2020: Zeit zum Umtopfen

Nun ist es Zeit umzutopfen. Also vorsichtig aus dem Topf genommen... Schönes verzweigtes Wurzelwerk, aber auch noch etwas Platz im Topf... egal, nun bekommt sie einen neuen Topf, der nur ein bisschen grüßer als der alte ist.
Sprunghaft anwachsende Töpfe mögen Cherimoyas auch nicht soo gern. Also lieber etwas langsamer angehen lassen...
(Cherimoya: "ja genau! ich bin ja kein D-Zug!")
Das alte Vlies, das als Sicherheitslage im alten Topf diente (damit das Erdsubstrat nicht ausgeschwemmt wurde), wurde natürlich entfernt. Ein bisschen von dem alten Substrat selbstverständlich auch. Im neuen Topf hat sie jetzt eine ca. 1cm hohe Drainageschicht aus Blähton.
Nasse Füße mögen Cherimoyas nämlich überhaupt nicht.
(Cherimoya: "nein, ganz und gar nicht!")
Das Substrat ist wieder Terrasan Erde mit Lavasplit gemischt, das lief ja zuletzt auch ganz gut. Dann hat sie ein Stäbchen als Anlehnhilfe ins Töpfchen bekommen, angegossen und wieder an ihren Fensterplatz gestellt.

20.02.2020

Was war es für eine Überraschung, als ich eines der Blätter meiner Kleinen in der Hand hatte.
Ich hatte mich nur über die gelblichen Blattränder gewundert und als ich eines der Blätter näher untersuchen wollte, hatte ich es - schwupps! - auch schon in der Hand. Nun will die Kleine wohl in ihren arttypischen Trockenschlaf gehen, denn es sind noch ein paar mehr Blätter abgefallen. Die anderen sehen auch noch so aus, als wollten sie demnächst abfallen...

Cherimoya_200220.jpg
20.02.2020: jetzt geht sie in ihren Trockenschlaf

Nun, meine Kleine, dann werde ich Sorge dafür tragen müssen, dass du auch wieder aus deinem Trockenschlaf erwachen kannst.
(Cherimoya: "da mach dir mal nicht so viele Sorgen. ich pack das schon!
Mit Fingerspitzengefühl weiter gießen, das reicht mir schon; du weißt, ich mag nicht so viel Wasser."
)

Dann bleiben wir gespannt, wie's mit der Kleinen weitergehen wird!
:D
(Cherimoya: "Jo!")

Update:

Aktuell treibt meine Cherimoya wieder aus.
Im Zuge dessen konnte ich das "Rätsel der verschollenen Knospe" lösen Bild
>> hier zu lesen <<
Bilder
"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Ich kenn viele Pflanzen! Aber noch nicht alle^^