GinkgoWolfs Blog
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Vom 0815-"Insektenhotel" zur vollwertigen Bienennisthilfe

permanenter Link von GinkgoWolf am Sa 11 Aug, 2018 20:53

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das gekaufte "Insektenhotel" vom Ald* (Bild vom 22. Juli 2013)

Seit dem 22. Juli 2013 hatte ich auf meinem Balkon ein "Insektenhotel" stehen, denn es war von Anfang an eines meiner Anliegen, Nützlingen und Wildbienen ein passendes Zuhause dort bieten zu können. Ein bepflanzter Balkon ist meiner Ansicht nach nämlich auch immer ein Biotop. Bild
Um die Nützlinge zu unterstützen holte ich also ein "Insektenhotel" mit dazu. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht sonderlich viel Ahnung von Nisthilfen im Besonderen wie im Allgemeinen... Deshalb wunderte ich mich natürlich, weshalb die Nisthilfe nicht so den Zuspruch bei den Tierchen fand. Zum Beispiel fand ich hinter der roten Klappe niemals irgendwelche Florfliegen (obwohl die rote Farbe sie angeblich anlocken soll...) und auch als ich dahinter Holzwolle deponierte, konnte ich nie Ohrenkneifer dort finden (die wohnten lieber unter meinen Töpfen und Kübeln). Das machte mich nachdenklich...

Es gibt ja auch einige Seiten, die sich mit den Vor- und Nachteilen dieser "Insektenhotels" beschäftigen (wobei die Nachteile meistens überwiegen, da die Qualität der "Insektenhotels" oft zu wünschen übrig lässt...)
>> wildbienen.info - untaugliche Nisthilfen
>> wildbienen.info - Test von käuflichen "Insektenhotels" (mit Beobachtungsprotokoll)
>>naturgartenfreude.de - Sinn und Unsinn von Lochziegeln
>>naturgartenfreude.de - "Baumarktgrauen"

Es offenbarte sich für mich also, dass auch ich dieser Vermarktung der "Insektenhotels" aufgesessen war und mein "Insektenhotel" eigentlich nichts taugte... Und das war natürlich sehr ärgerlich!
Bild

Vom 0815-"Insektenhotel" zur vollwertigen Bienennisthilfe!

Was also tun?
Für mich blieb nur ein Umbau übrig, denn Wegwerfen war für mich trotz Unbrauchbarkeit des "Insektenhotels" keine Option! Bild
Ich wollte ja was nützliches für meinen Balkon und unter der Maßgabe, für wen sich eine Nisthilfe überhaupt anbietet (nämlich nur für hohlraumbesiedelnde Solitärbienen und -wespen), musste umgebaut werden! Eine passende, spätere Nisthilfe (unter den Vorgaben, also "Rahmenbedingungen" meiner eigenen Nisthilfe) könnte zum Beispiel so aussehen: Beispiel

Hinsichtlich der Abmessungen brachte mein jetziges "Insektenhotel" folgende Vorgaben mit:
- für den rechteckigen Bereich: 10,8cm x 10,5cm x 24cm (Breite x Tiefe x Höhe)
- für den "Dachboden": 12,6cm x 10,5cm x 4,5cm (Breite unten x Tiefe x Höhe)

Einzig brauchbarer Teilbereich der Nisthilfe war der "Dachboden" mit den hohlen Stängeln, die sich auch in den vergangenen Jahren als besiedelbar für die Wildbienen erwiesen haben. Für den Umbau mussten also alle anderen Bereiche (das Untergeschoss mit den quer liegenden Stängeln, das "Florfliegen-Quartier" mit der roten Klappe und der Nistklotz mit den schlampig gebohrten Löchern) entfernt werden. Der Nistklotz wurde auch deshalb entfernt, weil er vermutlich aus Weichholz (und nicht aus Hartholz) bestand und an den gebohrten Löchern auch bereits Risse zu sehen waren. Weiterhin hat Weichholz den Nachteil, dass es bei Feuchtigkeitseinfluss aufquillt und den sich dort entwickelnden Bienennachwuchs zerdrücken kann.
Die hohlen Pflanzenstängel im "Dachboden" dagegen waren bei den Wildbienen so dermaßen beliebt, dass sie sich teilweise schon um die wenigen (bevorzugten) Röhrchen prügelten! Dementsprechend wollte ich meine Nisthilfe mit weiteren Röhrchen bestücken, damit die lieben Bienchen sich nicht dauernd gegenseitig vermöbeln (müssen)... Bild

Da ich nicht ausreichend hohle Pflanzenstängel übrig hatte, wählte ich als Baumaterial meiner "Bienen-Sozialwohnungen" Bambusröhrchen. Die Vorteile von Bambus sind: er ist sehr stabil; ein nachhaltiger Rohstoff, der sehr schnell nachwächst und sehr langlebig. Ich kaufte für relativ kleines Geld Bambusstäbe bei einem Schnäppchenmarkt, wobei ich darauf achtete, dass die Stäbe auch tatsächlich hohl waren (sehr oft werden in solchen Bündeln sowohl hohle als auch ganze Stäbe verkauft, deshalb unbedingt drauf achten!). Weiterhin schaute ich genau auf die Durchmesser: die meisten Mauerbienen bevorzugen Durchmesser von (6)7-9mm, kleinere Arten wie die Maskenbienen oder Scherenbienen nehmen dagegen eher die geringeren Durchmesser von 2-4mm an. Deshalb sollte man in einer guten Nisthilfe eine möglichst große Bandbreite unterschiedlichster Durchmesser anbieten.

Für alle, die Interesse daran haben, ihr 0815-"Insektenhotel" umzubauen bzw. "aufzupeppen" - hier eine ausführliche Material-Liste:

Was wird gebraucht?

für den Umbau und das Neubestücken des Häuschens:
- Säge
- (Schlag-)Bohrmaschine mit verschiedenen Stärken Holzbohrern
- Hammer
- eine robuste Zange und ggf. eine Drahtzange
- Bambusröhrchen verschiedener Durchmesser (z.B. hohle Bambusstäbe als Aussgangsmaterial)
- Handbohrer bzw. Vorbohrer (werden v.a. zum Aushöhlen der markgefüllten Bambusröhrchen gebraucht)
- Raspel und Feile (u.a. zum Glätten der ausgefransten Enden der Bambusröhrchen)
- Holz-Kaltleim (zum Verkleben der Röhrchen mit den Wänden der Nisthilfe)

Wer will, kann natürlich noch mit Schleifpapier die gereinigten Löcher der Bambusröhrchen ganz glatt ausschleifen, sozusagen "spiegelglatt". Ich habe lange genug mit meinen Handbohrern an den Bambusröhrchen herumgearbeitet, sodass ich mir das Nachschleifen mit Schleifpapier sparen konnte.

Vorgehensweise

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ausgeräumtes "Insektenhotel" ohne unteres Fach und ohne "Florfliegenquartier"

In einer ersten Maßnahme wurden am "Insektenhotel" die beiden untersten Fächer leer geräumt, also der Bereich mit den quer liegenden Stängeln und der Bereich mit der roten Klappe. Vom untersten Fach wurde zunächst mit einer Drahtzange das Kükengitter entfernt. Die Stängelabschnitte konnten so ausgeräumt und für eine spätere Verwendung weggelegt werden. Die Florfliegenklappe wurde (nicht sonderlich zimperlich übrigens) mit einer kräftigen Zange entfernt.

Da mein "Insektenhotel" eine Tiefe von 10,5cm aufweist, wurden alle Bambusröhrchen auf etwa dieselbe Länge geschnitten, denn sie sollten möglichst bündig mit der vorderen Kante abschließen. Einige von denen hatten ein geschlossenes Ende, weil Bambus (wie alle Gräser) auch Knoten hat und diese Stücken dann eben Knoten als Ende hatten. Ungefähr ebenso viele Bambusröhrchen waren vorne wie hinten "offen". Das ist an sich nicht weiter schlimm und man kann diese Röhrchen trotzdem verwenden, wenn man sie hinten an der Rückwand der Nisthilfe anklebt. Dann haben sie nämlich auch ein Ende. In einigen Fällen bauen die dort einziehenden Bienen auch zuerst eine Rückwand, bevor sie die erste Brutzelle einziehen.

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zugeschnittene Bambusröhrchen: links noch unbearbeitet, rechts mit glatt geschliffenen Außenkanten

Beim Zuschneiden der Bambusröhrchen fiel mir auf, dass man beim Bearbeiten auf vollständig (!) unversehrte Bambusstäbe achten sollte. Wenn ein Bambusstab nämlich auch nur den kleinsten (und sei es, einen so gut wie unsichtbaren...) Riss hat, dann ist die Gefahr groß, dass er beim Zuschneiden splittert. Gesplitterte Röhrchen taugen nicht mehr als Bienenwohnung, da sich die Insekten dort ihre zarten Flügelchen zerschlitzen können! Für eine Wildbiene oder Solitärwespe, deren Flugfähigkeit überlebensnotwendig ist, wäre das tödlich! Auch müssen alle Röhrchen nachgearbeitet, heißt: außen glatt geschliffen werden, damit auch dort die Verletzungsgefahr gebannt ist. Erst dann sind alle Röhren ohne Risiko bewohnbar.

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Mark aus den Bambusröhrchen kratzen: links mit Mark, rechts frei von Mark

Einer der bedeutsamsten Fehler bei "Insektenhotels" ist, dass verwendete Röhrchen oftmals nicht vollständig leer innen sind. Das ist aber wichtig, denn die künftigen Bewohner suchen nur wirklich leere Röhren auf! Wildbienen, die in markhaltigen Stängeln wohnen, suchen eben nur vollständig markhaltige Stängel auf, die zusätzlich dazu auch noch senkrecht angebracht sein sollten! Teils, teils funktioniert also schon mal gar nicht...
Deshalb müssen alle verwendeten Röhrchen innen komplett frei gekratzt werden: egal, wie viel Mark da tatsächlich drin enthalten ist! Es gibt nämlich auch Bambushalme, die früher (vermutlich als sie noch lebten) von irgendwelchen Tierchen befallen wurden (erkennbar an den kleinen Bohrlöchern außen) und deshalb ein dunkelbraun bis schwarz verfärbtes Mark (wie dünnes Pulver) haben. Für gewöhnlich ist das Mark nämlich weiß und fluffig (siehe Bild)...

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Nistklötzchen mit der Bohrmaschine "umbohren" und schließlich mit dem Hammer rausschlagen

Das mit dem Zuschneiden der Bambusröhrchen machte ich meistens nebenbei, also so wie ich Zeit hatte (war auch fast schon meditativ, die Röhrchen auszukratzen). Die Nisthilfe für das Bestücken vorzubereiten war dagegen ein "Knochenjob" mit teils schwerem Werkzeug... Ehrlich! Das Entfernen des Nistklotzes (der ja wohlgemerkt nur aus Weichholz bestand) stellte mich vor eine Wahnsinns-Herausforderung! Ich dachte zuerst, der wäre nur angeklebt, aber weit gefehlt!! Tatsächlich war er seitens der Hersteller mit kleinen Drahtstiften befestigt! Von außen war davon nichts zu sehen, ich merkte es nur daran, dass ich mit der Säge nicht weiterkam und sie verkantete. Ärgerlich so was! Scheint allerdings auch gängige Praxis zu sein...
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Nun hatte ich aber schon mal angefangen und wollte es auch zu Ende bringen, deshalb fuhr ich härtere "Geschütze" auf. So wurde mit der Bohrmaschine erledigt, was für die Säge bestimmt war und als ich "einmal rum" war, schlug ich das ehemalige Nistklötzchen mit dem Hammer raus. Nächste Überraschung war, dass das Klötzchen nur knappe 5cm tief war (also gerade mal halb so tief wie die Nisthilfe selbst) und weiterhin dass nur die großen Bohrlöcher durchgängig gebohrt waren, die anderen aber nicht (die endeten nach max. 3cm). Da hat es der Hersteller wohl auch nicht so genau mit genommen... *kopfschüttel*

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Zwischenboden raus(ge)schlagen

Überstehende Grate wurden zunächst mit einer Raspel und anschließend mit einer Feile geglättet. Schließlich wurde der Zwischenboden, der bisher das unterste Abteil vom mittleren Teilbereich abgetrennt hatte, ebenfalls entfernt (sonst hätte ich eine Reihe weniger Bambusröhrchen unterbringen können). Auch hier war ich nicht zimperlich: mit der Zange machte ich den Boden "klein"...

Zuerst hatte ich erwogen, das oberste Abteil, sozusagen den "Dachboden" des Häuschens so zu lassen wie er war. Da die Schilfröhrchen aber sehr locker waren und hungrige Vögel die Röhrchen ganz einfach hätten herausziehen können, entschied ich, auch diesen Bereich leer zu räumen. Anders als bei den anderen Bereichen des Bienenhäuschens musste ich an dieser Stelle aber vorsichtiger arbeiten, denn einige der Röhrchen waren eindeutig bewohnt! Wohin also mit den besetzten Bienenwohnungen?

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"Dosenbienen" ;)

Die Lösung war genauso kreativ wie einfach: ich machte aus den Bienchen kurzerhand "Dosenbewohner"... Dafür hatte ich >HIER eine wunderbare Anleitung gefunden, wobei das Ergebnis dort wohl mehr her macht als meine neue Bienenwohnung... Aber meine funktioniert ähnlich, heißt: unten und an den Seiten sind die Röhrchen in der Dose angeklebt (mit UHU Alleskleber), sodass etwaige Federtiere dem Bienennachwuchs nicht gefährlich werden können.

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letzter Zwischenboden ist raus...

Vollkommen leer geräumt wurde auch der letzte Zwischenboden (der vom "Dachboden" nämlich) in meiner Nisthilfe entfernt, wobei meine Zange wiederum "Kleinholz" draus machte.

Finale

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Vorbereiten des Klebens: Häuschen, Bambusröhrchen und Kaltleim bereitstellen
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Einkleben der Bambusröhrchen mit Kaltleim

Endlich war es so weit! Die Bienennisthilfe war fertig zum Neubestücken! Ab hier braucht man nur noch das Häuschen, die vorbereiteten Bambusröhrchen und den Holz-Kaltleim (denn irgend womit müssen die Bienenwohnungen ja auch befestigt werden). Gut, gegen das Kleckern ist es auch ganz gut, wenn man ein paar Lagen Zeitungspapier ausbreitet, damit nichts daneben geht... Die Bambusröhrchen wurden hinten und an den Seiten mit Leim bestrichen (dick einstreichen ist übrigens besser als dünner, habe ich festgestellt) und dann in Position gebracht. So füllte sich das Haus bis oben hin...

Das fertige Ergebnis sieht so aus:

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fertig bestücktes Häuschen (links) und am Standort draußen auf dem Balkon (rechts)

Gut, ich muss dazu sagen, dass es zuletzt ein bisschen schwierig wurde, denn es waren noch einige große Lücken vorhanden, die irgendwie "gestopft" werden mussten. Ich wollte nämlich unbedingt verhindern, dass sich dort vielleicht noch irgendwelche Spinnen einisteten, die dann den eigentlichen Bewohnern der Nisthilfe hätten gefährlich werden können. Deshalb wurden in die restlichen Bereiche kürzere Bambusröhrchen und zugeschnittene Pflanzenhalme (also kürzer als 10,5cm) gesteckt und festgeklebt. Das sieht also sicher etwas "unordentlich" aus, weil einige der Pflanzenhalme (ausgerechnet) nach dem Stecken und Festkleben leider gesplittert sind... Ich habe das so gut es geht nachgearbeitet, aber nun ja... das Ergebnis seht ihr ja...
Bei der nächsten Bienennisthilfe kann ich genau darauf achten, um etwaige "Splittereffekte" zu vermeiden.

Fazit

Der Umbau war vor allem zeitaufwändig (was irgendwie klar ist) und ich hätte bestimmt einiges an Zeit einsparen können, wenn ich quasi ein leeres Häuschen einfach nur hätte bestücken müssen. Deshalb habe ich mich für die nachfolgenden "Bauarbeiten" zwecks "Sozialer Wohnungsbau für Wildbienen" dafür entscheiden, das nächste Quartier, sprich den Rahmen, selbst zu bauen. Ich habe nämlich noch eine ganz Menge Bambusröhrchen übrig und es wäre doch schade, wenn die einfach so ungenutzt herumliegen würden.

Obwohl... Mauerbienen sind ja mal so gar nicht wählerisch, was ihre Nistplatzwahl anbelangt:
zum Schmunzeln...Bild
Bilder
"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Ich kenn viele Pflanzen! Aber noch nicht alle^^