GinkgoWolfs Blog
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(Un)Bekannte Flora: Tetradium daniellii (Stinkesche)

permanenter Link von GinkgoWolf am Fr 28 Feb, 2020 22:08

In dieser Serie "(Un)Bekannte Flora" möchte ich Einblicke in die faszinierende Welt der Pflanzen geben und insbesondere weniger Bekannte(s) vorstellen. Einige der vorgestellten Pflanzen könnten durchaus bereits bekannt sein (insbesondere für Arbeitnehmer in Baumschulen oder Botanischen Gärten :lol: ), aber ich sehe die Serie auch als Porträts für Menschen, die diesen Pflanzen nicht so häufig begegnen. Ich beziehe meine Informationen zu den Pflanzen aus der Literatur, v.a. aus Büchern, Zeitschriften etc.; diese werden als Quellen am Ende des Beitrags aufgeführt.

In der ersten Folge habe ich die Gewürzsträucher (Calycanthus species) vorgestellt. In der zweiten Folge wenden wir uns einem bestimmten Baum zu:

Tetradium daniellii, die Samthaarige Stinkesche

Der ein oder andere kennt die Pflanze, die im Übrigen ein sehr großer Baum werden kann, wahrscheinlich noch unter ihrem alten Namen Euodia hupehensis oder unter ihrem deutschen Zweitnamen "Bienenbaum". Stellenweise ist auch die Namensbezeichnung Euodia daniellii recht häufig zu finden. Tatsächlich wurde dieser Baum noch vor einiger Zeit in einer eigenen Gattung namens Euodia geführt.
In einigen Quellen wird sogar unterschieden; demnach handele es sich bei Euodia hupehensis und Euodia daniellii um zwei verschiedene Arten, wobei erstgenannte E. hupehensis etwas größer als die zweitgenannte werden soll. Zu diesen Rückschlüssen gelangte man, als die Pflanze um 1905 aus Korea als Euodia daniellii und um 1907 aus China (vermutlich dieselbe Art) als Euodia hupehensis eingeführt wurde.

Der heute offizielle Name der Pflanze lautet jedoch Tetradium daniellii. Auch wird nicht mehr in zwei verschiedene Arten (oder Formen) unterschieden. Darüber hinaus steht der Bienenbaum in der Gattung Tetradium nicht mehr allein, sondern mit acht weiteren Arten. Des Weiteren ist Tetradium mit Arten der Gattung Phellodendron (Korkbaum) verwandt.

Seine ursprüngliche Heimat liegt in den Bergwäldern Chinas und Koreas. Der Baum liebt sonnige, warme Standorte, mag aber keine windexponierten Plätze. Mit städtischem Klima hat er kein Problem.
Der Boden sollte nur mäßig trocken sein; insgesamt mag die Stinkesche gern etwas frischere Böden. Aufpassen sollte man auf ihre Wurzeln: sie liegen nahe an der Oberfläche und durchwurzeln den Boden mitunter stark.
Die Winterhärte ist mit ca. -17,7° bis -15,0°C angegeben: bis USDA-Zone 7a ist er ausreichend winterhart.

Der Baum kann 15 Meter, manche Quellen sagen sogar bis zu 20 Meter hoch werden. More und White schreiben zu diesem Baum, dass er nach 10 Jahren ca. 3 Meter, nach 20 Jahren ca. 8 Meter und als Endhöhe ca. 20 Meter hoch werden kann, wobei sich die Angaben auf optimale Standortbedingungen beziehen. In jedem Fall kann man feststellen, dass es dieser Baum mit dem Wachstum nicht sonderlich eilig hat, wenn er nach ca. 10 Jahren nur 3 Meter hoch ist.
Im Alter entwickelt dieser Baum eine sehr ausladende Krone und kann fast ebenso breit wie hoch werden. Das sollte man beim Pflanzen im Auge behalten, damit der Baum später keinen stört. Er ist also nichts für kleine Gärten :wink:

Die Blätter ähneln unseren Eschen: sie sind unpaarig gefiedert und stehen gegenständig am Zweig. Oberseits sind sie dunkelgrün, unterseits eher blassgrün. Zerreibt man sie, entsteht ein strenger, aromatischer Geruch.
Der Bienenbaum treibt erst spät im Jahr aus, ungefähr im Mai kann man den ersten Austrieb entdecken. Er ist sommergrün und wirft die Blätter im Herbst, nachdem sie sich gelb verfärbt haben, ab.

Bis hierhin betrachtet ist der Baum keine allzu interessante Besonderheit. Doch zur Blütezeit zeigt der Baum dann, was in ihm steckt!

Die Einzelblüten als solche sind nicht weiter auffällig: sie sind ca. 3-4 Millimeter groß und weiß, allerdings stehen sie zu vielen in dichten Schirmtrauben zusammen, die insgesamt eine Oberfläche von jeweils 10-16 Zentimetern pro Schirmtraube aufweisen. Dazu geben die Blüten einen sehr auffälligen Duft ab. Sein ursprünglicher Name "Euodia" bezieht sich auf diese Duftorgie: das griechische Wort "euodes" bedeutet es so viel wie "wohlriechend".
Der deutsche Name "Stinkesche" klingt jedoch nicht so sonderlich vertrauenerweckend und tatsächlich muss man den "Duft" der Blüten mögen, ansonsten riecht er für feinfühlige Nasen eher penetrant bis schwer (ähnlich wie Engelstrompeten).
Den Bienen jedenfalls gefällt's!
Sie bekommen es mit, wenn in ihrer Nachbarschaft ein solcher Baum blüht und fliegen ihn scharenweise an! Manchmal sind so viele Bienen, Hummeln und sonstige Bestäuber an den Blüten unterwegs, dass man unter einem solchen Baum stehend meinen könnte, man stünde in einem Bienenstock! :lol: So laut summt und brummt es darin!
Der Baum blüht von Juli bis August und damit in einem Zeitraum, wo leider für viele Bienen und andere Insekten kaum anderes mehr blüht. Dazu hat der Baum einen immens hohen Nektarwert: er entwickelt reichlich Nektar (Stufe 4 in der Einteilung 1 bis 4; wobei 4 die höchste Stufe ist).
Kein Wunder also, dass sie sich alle auf ihn stürzen!

Die Früchte sind nicht weiter spektakulär. Nach erfolgter Bestäubung setzt der Baum etwa erbsengroße, bräunlichrote Früchtchen an, die bis November reifen. Für die heimische Tierwelt sind sie jedoch nicht weiter von Bedeutung.


Quellen:

Baumschulkatalog der Baumschule Lorenz von Ehren (2014), 4. Auflage, Hamburg, Seite 235-236
Cheers (2003): Botanica. Das ABC der Pflanzen. 10 000 Arten in Wort und Bild, Edition Könemann, Seite 880
Coombes, Allen J. und Debreczy, Zsolt (2012): Blätter und ihre Bäume. 600 Porträts, Haupt Verlag, Seite 495
Genaust, Helmut (2012): Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, 3. Auflage, Nikol Verlag, Seite 240
More, David und White, John (2005): Die Kosmos Enzyklopädie der Bäume. 2100 Arten und Sorten, Verlag Kosmos, Seite 591
Schütt, Schnuck und Stimm (2007): Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik, Nikol-Verlag, Seite 453 [Stichwort: "Rutaceae"]
Bilder
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solitär stehender Tetradium daniellii in einem Wohngebiet
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Habitus mit breit ausladender Krone
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Blütenstände
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Biene im Anflug
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die reichlich Nektar spendenden Blüten sind teilweise von Insekten übersät
"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Ich kenn viele Pflanzen! Aber noch nicht alle^^