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FAQ Spinnmilben - mit der Bitte um Korrektur + Vorschläge |
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Gluggsmarie  Pflanzendoktorin

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Gluggsmarie  Pflanzendoktorin

Beiträge: 3750
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vom: Fr 18 Feb, 2011 20:29 |
Spinnmilben, spider mites, Tetranychus urticae
Spinnmilben sind Pflanzenschädlinge aus der Familie der Spinnentiere. Sie leben auf Pflanzen und ernähren sich vom Zellsaft durch Aussaugen. Die häufigste in Wohnräumen vorkommende Art ist der Tetranychus urticae, weiße nahezu unsichtbare Tiere von etwa 0,3 mm Größe. Im Außenbereich hingegen ist die sogenannte „Rote Spinne“, Panonychus ulmi, häufiger. Sie ist ein landwirtschaftlicher Schädling, der häufig Obstbäume befällt. Darüber kommt sie häufig auch in Kübelpflanzen vor. Die Rote Spinne ist bis zu 1 mm groß und dadurch besser zu erkennen. Beim Abwischen der Blätter sind deutliche rote Streifen auf einem weißen Tuch sichtbar. Rote Spinnen vermehren sich zwar langsamenr (Generationszeit ca. 20 Tage), der Schaden den sie anrichten ist jedoch genauso groß.
Wie beuge ich Spinnmilben vor?
Erst einmal muss man sich darüber im Klaren werden, dass Spinnmilben ubiquitär vorkommen. Es gibt daher nicht die Möglichkeit, das Einschleppen von Spinnmilben zu verhindern, sehr wohl kann man aber einen Befall der Pflanzen verhindern. Ähnlich den tierischen Lebewesen haben auch Pflanzen ein (angeborenes) Immunsystem. Diese Abwehr funktioniert nur solange wie die Pflanze standortgerecht aufgestellt ist und sich gesund entwickelt. Am häufigsten anfällig für Spinnmilben sind tropische Pflanzen, die in zu trockenen Wohnräumen gehalten werden. Vor allem im Winter, wenn die Heizungsperiode beginnt aber auch die Pflanzen gleichzeitig Wachstum und somit die Abwehr stark runterregulieren, kommt eine Spinnmilbeninvasion zu Tage, die vielleicht schon das ganze Jahr existent war.
Um gesundes Wachstum zu fördern, gilt es daher:
1. Pflanzen standortgerecht aufstellen. Halbschattenpflanzen nicht zur Südseite und sonnenhungrige nicht in den Flur. Generell gilt, dass Licht das pflanzliche Gerüst und die Gesundheit stärkt.
2. Luftfeuchtigkeit anpassen. Tropenpflanzen nicht an die Heizung oder an zugigen Orten (Zugwind trocknet aus) aufstellen. Um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen kann man regelmäßig sprühen (stärkt Pflanzengesundheit, schwächt aber auch Spinnmilben die es trockener mögen) und/oder Pflanzen auf Untersetzern mit Tonkügelchen aufstellen, die man dann regelmäßig befeuchtet
3. Sonstige Pflege an die Bedürfnisse der Pflanze angepasst: Wasser- und Düngegabe, Schnittmaßnahmen, Entstauben der Blätter, Umtopfen usw.
Wie erkenne ich einen Spinnmilbenbefall?
Einen Spinnmilbenbefall zu erkennen ist recht schwierig. Dies liegt zum einen daran, dass die eine Größe von unter 1 mm Größe aufweisen und zum anderen keine sichtbaren Ausscheidungen produzieren, wie z.B. Honigtau bei Blatt-/Schildläusen. Erst wenn sich die Spinnmilben in nennenswerten Maßen vermehrt haben, sieht man die Folge des Befalls: Blättern bekommen eine Erscheinung, die auf den ersten Blick einem Stickstoffmangel ähnelt. Blattfarbe wirkt stumpf und aus der Nähe betrachtet silber-gelb gesprenkelt. Beim Einnebeln der Blätter erkennt man außerdem feine Gespinste, häufig sieht man Spinnmilben die sich entlang der Gespinste bewegen. Der Befall ist anfangs auf den Blattunterseiten und vor allem an sehr jungen Trieben. Triebe verkümmern oder fallen ab. Ein Abwurf von älteren Blättern ist bei Spinnmilbenbefall wiederum recht verzögert, übrigens auch ein Grund warum der Schädling spät erkannt wird.
Muss ich Spinnmilben bekämpfen?
Uneingeschränkt: Ja! Ein Spinnmilbenproblem erledigt sich erfahrungsgemäß nie von selbst. Schlimmer noch, während man zu Beginn nur hätte eine Pflanze behandeln müssen, züchtet man sich bei später Bekämpfung ein Nest heran, von wo aus auch bald weitere (Zimmer-)pflanzen befallen werden.
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Gluggsmarie  Pflanzendoktorin

Beiträge: 3750
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vom: Fr 18 Feb, 2011 20:30 |
Wie gehe ich bei der Bekämpfung vor?
Schritt 1: Quarantäne
Der erste und essentielle Schritt nach dem Erkennen eines Befalls mit Spinnmilben ist das Opfer abseits von anderen Pflanzen zu stellen. Nicht jede Pflanze ist gleich anfällig für Spinnmilben, wenn aber die Schädlingsdichte zu hoch wird, so überrennen sie auch andere gesunde/robuste Pflanzen.
Schritt 2: Minimieren der Populationsdichte
Um das Opfer grob von großen Spinnmilbenmengen zu befreien, empfiehlt sich erstmal ein grober Rückschnitt, falls machbar. Danach sollte man die erwachsenen Tiere weiter abspülen. Bei Pflanzen einer handlichen Größe kann man über den Topf eine Tüte ziehen, diese mit einem Gummiband am Pflanzenansatz befestigen und die Pflanze anschließend ordentlich abduschen. Einige Pflanzen kann man sogar richtig Baden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die jeweilige Pflanze tolerant für Wasser auf den Blättern ist (Usambaraveilchen dürfen beispielsweise nicht Wasser auf die Blätter kommen) und dass der Ballen sich nicht mit Wasser vollsaugt (vorsicht bei Erde die schwer durchtrocknet und bei Sukkulenten).
Schritt 3: Schädlingsbekämpfung
Die Bekämpfung funktioniert immer noch am zuverlässigsten mit systemischen Mitteln, d.h. Giften, die von der Pflanze in den Zellsaft aufgenommen werden. Beim Anzapfen der Pflanze werden die Schädlinge somit vergiftet. Hierdurch wird gewährleistet, dass man auch Schädlinge erwischt, die man durch reine Kontaktgifte nicht „treffen“ würde. Das systemische Gift kann man den Pflanzen entweder durch Sprühen einbringen oder über Stäbchen, die man in die Erde drückt. Der Vorteil der Stäbchen ist die Anwenderfreundlichkeit. Sie sind jedoch nicht empfehlenswert für Pflanzen, die trocken gehalten werden (Stäbchen löst sich nicht auf), bei zu groben Substraten (Orchideensubstrat) oder im Winter, wenn die Pflanzen aufgrund der Winterruhe kaum aktiv Nährstoffe bzw. Gifte in die Krone transportieren. Außerdem haben die Stäbchen gleichzeitig Düngerbestandteile, dadurch schließt sich eine Anwendung an salzempfindlichen Pflanzen aus, ebenfalls ist die Düngung in den Wintermonaten i.d.R. nicht empfehlenswert. Etwas umständlicher, jedoch wirkungsvoller sind Präparate zum Sprühen.
Systemische Präparate und ihre Wirkstoffe:
Spinnmilben sind, wie der Name schon sagt, KEINE Insekten. Gängige Insektizide, wie Imidacloprid/Thiacloprid/Acetamiprid wirken nicht gegen Spinnmilben. Wirksam sind jedoch Pyrethrin (Neudorff-Produkte), Methiocarb und Acequinocyl (Bayer), Fenpyroximat (Stähler).
Demnach sind die berühmten Lizetan-Produkte von Bayer bzw. Careo-Stäbchen von Celaflor nicht zur Spinnmilbenbekämpfung geeignet. Das Careo-Spray hingegen ist lt. Beipackzettel gegen Spinnmilben wirksam, diese Wirkung beruht jedoch auf „pflanzenverträglichem Öl“, welches nicht näher definiert ist.
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Gluggsmarie  Pflanzendoktorin

Beiträge: 3750
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vom: Fr 18 Feb, 2011 20:33 |
Habe ich die Schädlingsbekämpfung hiermit abgeschlossen?
Nein. Das A und O der Schädlingsbekämpfung ist die konsequente und regelmäßige Bekämpfung, bis alle Generationsstadien entfernt sind. Die Generationszeit der Milben liegt bei 5 bis 20 Tagen, je wärmer, desto schneller geht die Vermehrung von statten (Quelle ). Allerspätestens (!) nach 3 Wochen sollte man die Behandlung daher wiederholen, insgesamt 3-4 Bekämpfungen entsprechend ~12 Wochen sind für eine erfolgreiche Bekämpfung vonnöten. In dieser Zeit werden nicht nur die Milben beseitigt, sondern die Pflanze erholt sich ebenfalls von dem Befall. Wir erinnern uns, nur eine gesunde Pflanze ist gegen Neubefall gewappnet.
Spinnmilben sind wie auch die Bakterien r-Strategen, und wie Bakterien können daher auch Spinnmilben Resistenzen gegen die genannten Präparate entwickeln! Der Grund für eine Resistenzbildung ist eine
a. zu geringe Giftdosis
und/oder
b. inkonsequente Giftgabe
Offtopic am Rande: Dies ist der Grund, warum in den Industrieländern so viele bakterielle Resistenzen gebildet werden: Patienten die nur gelegentlich ihre Antibiotika einnehmen und diese auch noch Absetzen wenn sie meinen sie wären kuriert ermöglichen den Bakterien, das Antibiotikum zu „Beschnuppern“ und dagegen Resistenzapparate entwickeln, bevor sie vernichtet werden.
Hat eine Spinnmilbenpopulation eine Resistenz erlangt, so ist man gezwungen einen Wirkstoffwechsel vorzunehmen (z.B. Wechsel vom Bayer-Spinnmilbenspray zu Stähler-Milben-Ex)
EXKURS: Sind die genannten Schädlingsbekämpfungsmittel auch für Menschen und Tiere giftig?
Das Thema Giftigkeit ist immer eine Frage der Dosis oder um es in den Worten des berühmten Paracelsus zu sagen:
„Was ist das nit gifft ist? alle ding sind gifft und nichts ohn gifft.
Allein die dosis macht das ein ding kein gift ist.
Als ein Exempel ein jetliche speiss und ein jetlich getranck
so es uber sein dosin eingenommen wirdt
so ist es gifft, das beweist sein aussgang.
Ich geb auch zu, das gifft, gifft sey.“
Demnach ist auch schon die übermäßige Einnahme von Kochsalz (LD50 liegt bei 3g/kg Körpergewicht) giftig. Der LD50-Wert bezeichnet die Wirkstoffkonzentration, bei der 50% der Versuchstiere (meist schließt man hier von Ratten auf Menschen) sterben.
Die meisten Pestizide sind Nervengifte und zielen auf das Nervensystem der Schädlinge ab. Obwohl sie gegen Schädlinge wesentlich wirksamer, d.h. giftiger sind (Schlüssel-Schloss Prinzip), können sie auch für Tier und Mensch gefährlich sein: die können kanzerogene oder fruchtschädigende Wirkungen sein, oder auch „einfach“ nur allergische Reaktionen. Gerade die Langzeitwirkungen sind für die wenigsten Chemikalien abschließend geklärt. Daher gilt es, beim Sprühen der Pflanzen Handschuhe zu tragen (z.B. Einmalhandschuhe, erhältlich in der Drogerie) und entweder im Außenbereich zu lüften, oder im Anschluss gut zu lüften. Idealerweise sprüht man in der Badewanne, lässt überschüssiges ordentlich abtropfen und stellt die Pflanze dann weg.
Giftigkeit am Beispiel Acequinocyl (Wirkstoff aus dem Bayer Spinnmilbenfrei):
LD50= 5 g/kg, entspricht bei 70 kg Körpergewicht 350 g oral aufgenommene Chemikalie. Die Packung enthält übrigens gerade mal 4,5 g.
Methiocarb (Wirkstoff Bayer Spinnmilbenspray):
LD50= 20 mg/kg, entsprechend 1,4 g (oral bei 70 kg). Eine Dose enthält insgesamt 0,25 g.
Ergo, Vorsicht:Ja, Panik:Nein!!!
Gibt es alternative Bekämpfungsmethoden?
- Raubmilben: Nützlinge/Fraßfeinde der Spinnmilben. Vorsicht, Raubmilben sind ebenfalls empfänglich für Spinnmilbengifte. In zusammenhängenden geschlossenen Bereichen lassen sie sich gut ansiedeln (Wintergarten, Gewächshäuser), in Wohnräumen wohl eher nicht. Bezugsquelle: z.B. http://www.neudorff.de/produkte/katalog/pp-raubmilben.html
- Spritzen mit ölhaltigen Präparaten: verkleben Atemwege der Milben, aber auch die Spaltöffnungen der Pflanzen (vertragen nur die wenigsten Pflanzen) oder mit Seifen (Aufquellen der Milben). Rezepte hier im Forum: http://green-24.de/forum/ftopic18910.html
- Eintüten: Über die Pflanze wird eine Tüte gestülpt und so ein feuchtes Klima geschaffen. Achtung, regelmäßig lüften um Schimmel vorzubeugen und nicht in der Sonne aufstellen (Überhitzung). Die Prozedur hilft höchstens, die Vermehrung zu stoppen und ist nicht anwendbar bei großen Pflanzen.
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