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Richtige Pflanzenpflege, schneiden und veredeln... Die richtige Pflege von Pflanzen umfasst das Düngen (welcher Dünger und wie oft düngen), Schneiden (wie schneiden und wann wird geschnitten), Wässern (wieviel Wasser und wie oft gießen), Standort der Pflanze (wieviel Licht oder Schatten), Boden (welche Erde oder Substrate), Überwinterung (wie überwintern und bei welchen Temperaturen, winterharte oder nicht), Veredelung (welche Technik zum veredeln, okulieren, anplatten oder pfropfen). |
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Der Erbcode im Samen und das Veredeln |
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Thira  Hauptgärtnerin

Beiträge: 171
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vom: Mo 23 Jul, 2012 13:27 |
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Hallo!
Wegen den Kirschsamen habe ich einen anderen Thread empfohlen bekommen, worin stand, dass aus einem Kirschsamen einer Fleischkirsche nicht unbedingt auch so ein Baum wird.
Die Kirschen könnten sauer und viel kleiner werden oder zumindest genießbar aber mit mehr Stein als Fleisch.
Das verstehe ich nicht, denn der Baum gibt doch sein Erbe in den Samen ab, wie kann aus so einem Samen nicht der gleiche Baum entstehen?
Bei Möhren und allem anderen geht es doch auch.
Jetzt stell ich mir die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, Aprikosen, Kirschen und weiß der Geier alles anzupflanzen, wenn ich dann garnicht das rausbekomme, was ich vorher gegessen habe, um an den Samen zu kommen. Ich kenne keinen der einen Aprikosenbaum hat, womit ich meine veredeln könnte.
Ein Kirschbaum wäre ja hier keine Seltenheit, aber wer hat schon einen Aprikosenbaum?
Was mich nach wie vor stutzig macht ist, dass ich aus Samen, die ich im Internet kaufe, die ja auch irgendwie aus einer Frucht stammen, gescheite Sachen bekommen soll, wie Cranberrys, Heidelbeeren...
Wo ist der Unterschied zwischen diesen Samen und denen einer Kirsche?
Wieso bekomme ich aus einem Samen einer gut schmeckenden Frucht nicht das gleiche heraus, was den Samen hervorgebracht hat? Das müsste doch bedeuten, dass die Kirsche das Urerbmaterial bekommt, statt dem Erbgut, die es selbst zu einer Fleischkirsche gemacht hat.
Kann mir das einer erklären?
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resa30  Pflanzendoktorin

Beiträge: 4760
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Thira  Hauptgärtnerin

Beiträge: 171
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Hobby_Gaertner  Gärtnermeister

Beiträge: 1710
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Ich versteh was am Veredeln nicht! |
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Thira  Hauptgärtnerin

Beiträge: 171
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vom: So 05 Aug, 2012 20:55 |
Hallo!
Ich verstehe was an der Veredelung nicht.
Und zwar beschäftigt mich noch immer die Sache mit meinen Kirschkernen, die ich eingepflanzt habe.
Man sagte, es würden sehr wahrscheinlich keine guten Kirschen rauskommen und dass das was mit der Mendelschen Vererbungslehre zu tun hat.
Angenommen ich habe also einen Wildkirschbaum als Basis, da er widerstandsfähig gegen Wetter ist - und veredle ihn mit einem Ast eines Kirschbaums mit besonders tollen Früchten.
Wieso liegt die Wahrscheinlichkeit über 50%, dass ich eher die Wildkirscheneigenschaften ernte als die des Veredlungsstückes? Es müsste doch 50/50 sein?
Und wenn ich dann aus der Frucht einer gelungenen Kirsche den Kern nehme und diesen einpflanze, um ihn dann mit dem gleichen Baum, der schon davor zum Veredeln genutzt wurde, veredele, müsste doch die Chance eine gute Kirsche zu bekommen bei 75/25 liegen?
Ist der Hinweis darauf, dass ich wahrscheinlich einen schlechten Fruchtbaum bekomme so gemeint, dass man auch noch die Erbanlagen des guten Fruchtbaums mit einrechnen muss, der irgendwann in seinem Leben auch mal ein Wildkirschbaum war, der veredelt wurde und letztendlich zum guten Fruchtbaum gezüchtet wurde?
Theoretisch kann ich also nur feststellen, was für einen Baum der Kern als Eltern hatte, indem ich sehe, welche Früchte gut und welche schlecht sind, wenn die Nachkommen des veredelten Baumes im Alter sind, wo sie Früchte tragen?
Um meinen eigenen guten Baum zu bekommen, müsste ich also entweder was von einem veredelten Baum abmoosen oder ich müsste über Jahre hinweg versuchen, das Saatgut "reinzuwaschen" ?
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Thira  Hauptgärtnerin

Beiträge: 171
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vom: So 05 Aug, 2012 21:52 |
hm, Danke Carsten.
Kapiert hab ich das aber nicht.
Ich kenne es nur von der Rosenzucht aus dem Fernseher.
Man nimmt eine "hässliche" Freilandrose als Basis und setzt eine "schöne" Blütensorte darauf an, sodass die daraus entstehende Rose die Eigenschaften einer Freilandrose hat, die resistent gegen Frost etc ist, aber schöner ist, als sie es gewesen wäre, wenn sie nicht veredelt wurde.
Also habe ich eine resistente schöne Rose.
Was ich nicht weiß ist nun, was passiert, wenn die verblühte Rose Samen bekommt.
Bekomme ich dann wieder zu 100% die Freilandrose raus oder die Schöne Rose?
Und was ist dann mit den Kirschen? Wieso kriege ich leckere Früchte, wenn die Veredelung doch dafür zuständig ist und nicht die Basis? Dann müsste doch jeder Kirschbaum Früchte bringen, die die Basis bekommen hätte und was hätte dann das Veredelungsstück noch für einen Nutzen?
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derFloris  Hauptgärtner

Beiträge: 398
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daylily  Pflanzenprofessorin

Beiträge: 7072
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vom: So 05 Aug, 2012 22:47 |
Thira, du vermischt da was!
Samen kann nur der Teil der Pflanze bilden der blüht, also bei veredelten Pflanzen die Veredelung.
Da ist nichts mit der Unterlage (du nennst es Basis) genetisch verschmolzen. Der Edelreis "benutzt" quasi nur die Wurzeln der anderen Pflanze, es gibt aber keine gemeinsamen Nachkommen.
Das andere ist die Aussaat der Samen der Edelsorte:
Die Edelsorte ist eigentlich immer eine Kreuzung aus anderen Sorten oder Wildarten und daher nicht reinerbig! Wenn man Samen davon aussät, kommen Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften heraus, weil ja das Erbgut neu gemischt wird. Da kann dann was Gutes rauskommen, muss aber nicht.
Und es kommt nicht genau dasselbe raus, wie die Mutterpflanze, da ja keine vegetative, sondern eine generative Vermehrung ist.
Nur bei der generativen Vermehrung (also z.B. bei der Veredelung) hat man einen Klon der Mutterpflanze mit genau denselben Eigenschaften.
So, ich hoffe, das war verständlich und ich hab auch nicht aus Versehen irgendwo bisschen was Falsches geschrieben. Falls doch, lass ich mich gerne verbessern und/oder ergänzen.
LG Theresa
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derFloris  Hauptgärtner

Beiträge: 398
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vom: So 05 Aug, 2012 22:48 |
ein wenig schon
Die Wetterrobustheit überträgt sich nicht vom Stamm auf das aufgepfropfte Reis. Im Wiki-Artikel steht drin, welche (geringfügigen) Auswirkungen die Unterlage haben kann.
Wie Carsten schon schrieb: Die Sorte bleibt genau die, die sie vorher auch war. Das ist ja schließlich der Grund für die Veredlung (in Wiki auch gut beschrieben).
Um beim Beispiel der Kirsche zu bleiben: Du mußt die Sorte die du haben willst, auf eine Unterlage aufpfropfen, weil das Sortenreis freiwillig selbst keine oder nicht ausreichende Wurzeln ausbilden wird. Mit der Wahl der Unterlage kannst du z. B. das Wuchsverhalten beeinflußen, aber wenn du ein Reis von 'Haumüller' aufsetzt und dieses anwächst, wirst du auch immer 'Haumüller' ernten.
Es ist wie bei einem Steckling: Der verändert sich ja auch nicht durch das Bewurzeln, sondern bleibt im Prinzip ein Abbild der Elternpflanze. Kann höchstens sein dass er größer wird oder kleiner bleibt, wenn die Standortbedingungen andere sind.
Ein veredeltes Reis ist halt auch nur ein Steckling, dem man fremde Wurzeln untergeschoben hat, weil er z. B. selbst keine bilden will oder kann.
Deshalb sind deine Annahmen in deinem Eingangspost zur Wahrscheinlichkeit von Veränderungen unzutreffend. Bei der Veredlung verändert sich beim Edelreis im Grundsatz nichts. Alle Veränderungen sind Modifikationen aufgrund unterschiedlicher Lebensbedingungen.
Diese Verhältnisse bei der Verteilung und Zuordnung von Eigenschaften gehören in die Vermehrung über Aussaat.
Wenn dir nicht einsichtig ist, warum der Sämling nicht der Pflanze gleicht von der der Kern stammt, dann vergleiche deine Erscheinung doch mal mit der deiner Eltern: Es ist unwahrscheinlich, dass du ein Abbild deiner Mutter bist. Auch wenn du die Eigenschaften deines Vaters noch dazu nimmst, wird noch einiges fehlen. Schließlich ist es wahrscheinlich, dass auch etliche Eigenschaften die bei deinen Großeltern und Urgroßeltern ausgeprägt waren, in deiner Person sichtbar werden, und zwar vermutlich in einer Kombination, die es vorher so noch nicht gab.
Grüße vom Floris
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Thira  Hauptgärtnerin

Beiträge: 171
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vom: So 05 Aug, 2012 23:32 |
Ok, jetzt habe ich schon vieles verstanden.
Es ging also nicht darum, dass ich meine Bäume veredeln MUSS, sondern nur dann, wenn sie z.B. Wildkirschen geworden sind und ich lieber Herzkirschen wollte?
Also habe ich mit dem Veredeln dann quasi die Mühe eingespart, nochmal zig Jahre zu warten, bis neue Kerne zu Bäumen geworden sind. So war das gemeint, ja?
Was ich jetzt aber noch nicht verstehe ist, wie ich einen Samen aufpfropfen soll, wenn er noch nichtmal ein Stämmchen hat.
Die Kirschen die ich eingepflanzt habe, hatten ja seltsamerweise noch keine Wurzeln, dafür teilten sie sich aber schon oben zu zwei fleischigen Blättchen... Ich glaube, da hab ich was falsch verstanden, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ein so junges Sämchen schon als Veredelung nutzen kann oder?
Wie ist denn das mit dem Veredeln? Angenommen ein Kirschbaum kann erst nach 10 Jahren Früchte tragen. Kann ich einen 10 Jahre alten Stamm nehmen und darauf einen 1 Jahr alten Stock draufsetzen, sodass mein 1 Jahr alter Stock dann schon im nächsten Jahr Früchte trägt?
Oder muss ich jetzt wirklich 10 Jahre warten, bis ich weiß, was aus meinen Kirschkernen rauskommt, wenn die dann endlich Früchte tragen?
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derFloris  Hauptgärtner

Beiträge: 398
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vom: Mo 06 Aug, 2012 21:35 |
Thira hat Folgendes geschrieben:
Ok, jetzt habe ich schon vieles verstanden.
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wie schön
Thira hat Folgendes geschrieben:
Es ging also nicht darum, dass ich meine Bäume veredeln MUSS, sondern nur dann, wenn sie z.B. Wildkirschen geworden sind und ich lieber Herzkirschen wollte?
Also habe ich mit dem Veredeln dann quasi die Mühe eingespart, nochmal zig Jahre zu warten, bis neue Kerne zu Bäumen geworden sind. So war das gemeint, ja?
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Da deine Sämlinge höchst wahrscheinlich Wildkirschen sind, solltest du veredeln wenn du Herzkirschen möchtest.
Da nach der Veredlung das Edelreis nach 2 - 3 Jahren blühen wird, hättest du damit eine Menge Zeit gespart.
Thira hat Folgendes geschrieben:
Was ich jetzt aber noch nicht verstehe ist, wie ich einen Samen aufpfropfen soll, wenn er noch nichtmal ein Stämmchen hat. ...ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ein so junges Sämchen schon als Veredelung nutzen kann oder?
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Du kannst auf einen Sämling veredeln, sobald dessen Stämmchen mindestens so dick ist wie das Edelreis das drauf soll. Das kann nach 2 - 3 Jahren der Fall sein, gute Edelreise sind bei Kirschen kleinfingerdick.
Thira hat Folgendes geschrieben:
Angenommen ein Kirschbaum kann erst nach 10 Jahren Früchte tragen. Kann ich einen 10 Jahre alten Stamm nehmen und darauf einen 1 Jahr alten Stock draufsetzen, sodass mein 1 Jahr alter Stock dann schon im nächsten Jahr Früchte trägt?
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Kannst du machen, das Edelreis wird allerdings vermutlich erst im übernächsten Jahr blühen, und evtl. im ersten oder zweiten Jahr die Früchte noch nicht bis zur Reife behalten. Das Reis stammt ja von einer schon älteren, blühfähigen Pflanze und behält diese Blühfähigkeit. Du mußt aber nicht warten bis die Unterlage selbst blühfähig ist, sondern nur, bis sie dick genug ist.
Thira hat Folgendes geschrieben:
Oder muss ich jetzt wirklich 10 Jahre warten, bis ich weiß, was aus meinen Kirschkernen rauskommt, wenn die dann endlich Früchte tragen?
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Ja das wirst du müssen, wenn du es wissen willst. Manchmal hängt aber schon etwas früher mal eine Frucht dran.
Wenn du aber einfach nur leckere Kirschen möchtest wirst du nicht warten was der Sämling bringt, sondern eben die Sorte deiner Wahl drauf veredeln und gut ist.
Grüße vom Floris
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Laubfröschli  Obergärtner

Beiträge: 770
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vom: Do 09 Aug, 2012 23:07 |
Hallo,
also wie oben schon mehrfach beschrieben, sollte somit dein Sämling (egal von welchem Kirschbaum) immer nur die Unterlage bilden. Da oben drauf veredelst du die Sorte deiner Wahl. Das kann eine Herzkirsche oder jede andere Sorte sein, die du essen möchtst.
Die umgekehrte Variante, dass man einen Sämling auf eine gute (meist schon veredelte) Kirsche setzt ist absolut unüblich und bringt eigentlich nix. Theoretisch machbar wäre das zwar schon, nur, du weißt ja dann immer noch nicht was dabei rauskommt an essbaren Früchten.
Sehr gute Erfahrung habe ich gemacht, wenn die stammbildende Unterlage und das Reis jeweils bleistiftdick sind. Wenn die Stängel dicker sind, ist meist zuviel Holz gebildet und es wächst nicht mehr so gut zusammen.
Gruß,
Carsten
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