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Pflanzen & Botanik

Pflanzen & Botanik? Das Thema Pflanze mit allen Details...
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"mastig" ???

Jule35 Offline
Pflanzendoktorin
Pflanzendoktorin


Beiträge: 3182
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 14:20
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Hallo zusammen,

ich habe mal eine - vielleicht etwas doofe - Frage.

Im Stöbern hier im Forum lesen ich immer mal wieder etwas von "mastig gewachsen" bzw. sinngemäß "nicht so viel düngen, sonst wird die Pflanze zu mastig".
z.B. hier

Was genau bedeutet das eigentlich?
Eigentlich verstehe ich unter mastig sowas wie "buschiges Wachstum", "viel Blattmasse" - eben abgeleitet von "Mastschwein" HaHaHa

Ist an "mastig" auf Pflanzen bezogen irgendwas falsch?
Oder interpretiere ich "mastig" die ganze Zeit falsch?

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Peg01 Offline
Pflanzenprofessorin
Pflanzenprofessorin


Beiträge: 5877
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 14:37
Hi Jule,

ich würde das mal so interpretieren:

Die Pflanze ist überfüttert mit Nährstoffen
aus Boden und Dünger. Sie wächst zwar
sehr schnell, aber dadurch wird sie sehr
anfällig für Krankheiten. Im schlimmsten
Fall geht sie ein.
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daylily Offline
Pflanzenprofessorin
Pflanzenprofessorin


Beiträge: 5701
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:15
Also mastig ist bei Zierpflanzen auf jeden Fall negativ, weil man ja nicht einfach besonders viel Blattmasse haben will, sondern die Pflanze lieber gut proportioniert und ästhetisch schön aussehen soll.
Wenn man eine Pflanze zu viel düngt (meist zuviel Stickstoffdünger) wächst sie unnatürlich schnell und stark, sodass die Zellwände zu dünn werden. So ist die Pflanze dann auch anfälliger für Krankheiten und Schädlinge aller Art. Besonders Blattläuse lieben die weichen Triebe von mastigen Pflanzen.

Zusätzlich neigen Blühpflanzen dazu weniger oder gar nicht zu blühen, wenn sie zu mastig sind.
Häufig sind Pflanzen aus Massenproduktionen (z.B. die großen Topfe, die als Saisonware im Supermarkt angeboten werden) sehr mastig. Sie wurden schnell und mit viel Dünger herangezogen. Fehlt diese Optimumversorgung und sie befinden sich dann bei einem zu Hause, bekommen sie oft Schädlinge und selbst eigentlich mehrjährige Pflanzen kommen nicht über den Winter.

Es gibt außerdem viele Pflanzen, an deren natürlichen Standort sehr wenig Nährstoffe zur Verfügung stehen (z.B. die meisten Kräuter, Wüstenpflanzen, Steingartenpflanzen). Werden diese zu stark gedüngt, werden sie mastig: d.h. sie verlieren ihren eigentlichen Habitus, die Blätter werden heller und unnatürlich groß, usw.

Ich hoffe, das konnte dir etwas weiterhelfen.

LG Theresa
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Rouge Offline
Hadassa
Hadassa


Beiträge: 11334
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:17
Nachdenken
Also so ganz stimmt das mit dem Anfällig-werden-für-Krankheiten durch Dünger bzw. Mästen eben nicht! Das wäre dann das Phänomen bei Vergeilen: Dünger + Lichtmangel -> führt oft zur Vergeilung, weil die Pflanzen TROTZ schlechter Bedingungen Nährstoffe bekommen und deshalb mehr Kraft haben, Licht zu suchen und noch vergeilter wachsen.

Mastig: Düngen sollte man z.B. Sämlinge erst mal gar nicht, damit sich die Wurzeln entwickeln können! Düngt man sie in dieser Zeit schon, bekommen sie ja schon alle Nährstoffe, konzentrieren sich dann auf das "Oberirdische" und vernachlässigen die Wurzelbildung! -> Phänomen Weihnachtsstern, die werden so künstlich hochgeputscht, damit sie möglichst schnell verkauft werden, mit Wurzelbildung ist da keine Zeit mehr!

Eben auch bei dem Link mit der Olive! In den südlichen Ländern sind die Böden, auf denen die Olive wächst, nicht unbedingt immer die fruchtbarsten! Düngt man die Pflanze jetzt, wird zwar die Krone immer schöner, aber sie konzentriert sich nimmer auf das Wesentliche, nämlich auch die Wurzeln zur Nahrungssuche und -aufnahme mit heranzuziehen.

Pflanzen, die herangemästet werden, sind also nicht unbedingt anfälliger für Krankheiten, sie bekommen nur einen regelrechten Entzugsschock, wenn plötzlich der Dünger wegfällt und sie sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen müssen - die dann kaum oder nur verkümmert da sind. Daß dann auch Krankheiten folgen, steht auf einem anderen Blatt Wink
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daylily Offline
Pflanzenprofessorin
Pflanzenprofessorin


Beiträge: 5701
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:25
Hallo Rouge,

also uns haben sie in der Gärtnerlehre schon beigebracht, das zu starke Stickstoffdüngung für zu schnelles Wachstum und zu weiche Zellen sorgt. Und dann sind die Pflanzen anfälliger! Auch ohne Lichtmangel! Wenn der auch noch dazukommt wirds natürlich noch schlimmer.

LG Theresa
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Rouge Offline
Hadassa
Hadassa


Beiträge: 11334
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:32
Das bestreite ich ja nicht Daylily! Wink Aber gerade die Pflanzen aus dem Discounter werden hochgemästet! Und wenn man das nicht weiß und dementsprechend handelt, wundert man sich, warum die Pflanzen dann bei normaler Pflege eingehen!

Pflanzen hochmästen bedeutet für mich in erster Linie, daß sie zwar einen schönen Habitus bekommen, aber das Wurzelwachstum eben aus genau diesem Grund auf der Strecke bleibt. Nachdenken
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daylily Offline
Pflanzenprofessorin
Pflanzenprofessorin


Beiträge: 5701
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:40
Okay, das weicht jetzt vom Thema ab, aber müsste man sie dann also langsam auf Entzug setzen und erst nochmal mehr düngen und wässern, als man das bei seinen normalen Pflanzen macht?
Dann könnten sie sich langsam umgewöhnen, mehr Wurzeln bilden und würden nicht eingehen, oder ist das Quatsch? Nachdenken
Vielleicht test ich das mal...

LG Theresa
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Rouge Offline
Hadassa
Hadassa


Beiträge: 11334
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:47
Mr. Green Theresa, die gleiche Frage habe ich mir auch grade gestellt. Vor allem, nachdem letztes Jahr das ad-hoc-Auf-Entzug-setzen beim Entstauchen meiner Hibisken in die Hose gegangen ist Nachdenken
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daylily Offline
Pflanzenprofessorin
Pflanzenprofessorin


Beiträge: 5701
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 16:52
Oje, ich hab auch drei Hibis aus dem Gartencenter! Einer ist schon vom letzten Winter, aber zwei hab ich im Laufe des Sommers gekauft. Geblüht habe sie wie verrückt, aber gewachsen sind sie nicht, obwohl sie umgetopft wurden. Und jetzt haben sie Spinnmilben wie Sau! Sind schon gespritzt, aber sie werden mir doch nicht hoppsgehen!? Heul
Ich könnt sie schon stauchen... Will aber nicht!
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

LG Theresa
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ZiFron Offline
Pflanzendoktor
Pflanzendoktor


Beiträge: 3465
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 17:04
Ich kanns anhand der Weihnachtssterne beobachten: Ein unerschrockener Rückschnitt wenn sie das Kränkeln anfangen, um die Balance zwischen Grün und Wurzeln wieder herzustellen hat total gut geholfen.
Leider hab ich von 3 Weihnachtssternen jetzt nur noch 1 - aber nicht weil sie eingegangen wären, sondern weil einer runtergefallen und nochmal abgebrochen ist. Das hätte er nicht überlebt und den zweiten hab ich schweren Herzens entsorgt, weil sich eine ganze Armada Trauermücken genau diesen einen Topf ausgesucht hatte. Bevor die sich verbreitet haben, hab ich ihn weg. Hatte keine Lust wieder alle Töpfe neu mit Sand abzudecken, Gelbsticker zu kaufen etc.
Aber der verbliebene treibt aus wie verrückt.

Bei den Hibisken hab ich ähnliches gehabt. Mein erster, gleiches Problem wie bei dir - nicht gewachsen, dann Spinnmilben und beinahe hin gewesen. Da hab ich ihn dann auch zurückgeschnitten im Februar und hell gestellt, das Holz dann noch gesprüht und er hat wieder ausgetrieben. Diesen Winter hält er sich viel besser, wächst und blüht. Wirft aber auch abund zu mal ein gelbes Blatt ab, so dass er jetzt schon etwas nackig ist (wenn auch nicht sehr) und ich ihn im März sicherlich der Form halber stutzen würde. Bei einem anderen, den ich letzten April gekauft habe beobachte ich diesen Winter das gleiche: Wenig wachstum, wenig bis keine Knospen, extrem viel Blattverlust und immer mal wieder Spinnmilben. ABer bisher bekommt er neue Blätter, ab und zu mal ne Knospe und ich denke ich bekomm ihn durch. AUch ihn werde ich aber im Frühling mal zurückschneiden.

Also, denke ich, man muss halt bei sehr übermästeten Pflanzen evtl wirklich zur Schere greifen, auch wenns weh tut um das Grünzeug dem Wurzelvolumen unter normalen Bedingungen anzugleichen.
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Rouge Offline
Hadassa
Hadassa


Beiträge: 11334
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 18:09
Ohja ZiFron - bei den Hibis kann ich das nur bestätigen ... und wenn sie das dann überleben, werden's richtig schöne, buschige Pflanzen - ganz ohne Stauchung und Mast!

Nachdem die Entziehungskur ja beinahe schief gegangen war, habe ich die verbleibenden 3 von insgesamt 7 Hibis (2 Töpfe mit jeweils 3 und 4 bewurzelten Steckis Brick wall - da wird dem Kunden dann auch noch Fülle vorgegaukelt!) ins Wasserglas gestellt! Da stehen sie immer noch und treiben mittlerweile aus!

Und meine Weihnachtssterne haben mittlerweile auch keine Blätter mehr, aber die Neuaustriebe lassen schon grüßen! Ergo: Lieber auf Blätter verzichten und die Pflanze dann doch durchkriegen Wink
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Jule35 Offline
Pflanzendoktorin
Pflanzendoktorin


Beiträge: 3182
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 18:52
Ui - sooooooooooooooooooo viele Info! Shocked
Danke euch allen! Vielen Dank
Ich habe wieder ne Menge gelernt!
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Plantsman Offline
Pflanzendoktor
Pflanzendoktor


Beiträge: 2895
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 19:18
Moin,

zu stark mit Stickstoff gedüngte und "gepushte", also mastige Pflanzen, sind eindeutig anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge, es fehlt ihnen nicht nur an einem ausgeprägten Wurzelwerk. Durch den erhöhten Stickstoff-, also im Endeffekt höheren Eiweißgehalt der Zellen bzw. Zellsaftes, werden gemästete Pflanzen für Schädlinge und Krankheiten "attraktiver". Saugende Insekten siedeln sich auf derartigen Pflanzen schneller an, als auf härter gezogenen. Zusätzlich sind die Zellwände weicher, das bedeutet, das Schadpilze wie Mehltau mit ihren Haustorien schneller in diese eindringen können, genau so auch die Stechborsten der Insekten.
Die Pflanze aus dem Discounter sind aber nicht nur wegen der fehlenden Wurzelmasse schwieriger, sondern auch wegen des Klimas im hochtechnisierten Gewächshaus in dem sie produziert wurden. Dieses wird in der Temperatur, Luftfeuchte, Belichtung, Bewässerung und Düngung so gefahren, das die einzelnen Sätze schneller aus den Häusern raus sind. Diese Bedingungen führen ebenfalls zu einer Verweichlichung der Pflanzen und die Umgewöhnung an das Fensterbrett ist für die Pflanze schwer, sie muss erst neu erlernen, mit dem Mangel an Luftfeuchte, Licht, Wasser und Dünger umzugehen und deshalb verlieren derartige Pflanzen relativ schnell ihre Blätter, sie macht eine Metamorphose durch und stellt sich um.... seht euch mal Weihnachtssterne in Mexiko an!
Das die Pflanzen in der Gärtnerei nicht so befallen sind, trotz mastigem Wuchs, liegt an dem regelmässigen Einsatz von Pestiziden, wenn das nicht passieren würde, wären diese Pflanzen wegen ihrer höheren Anfälligkeit unverkäuflich, der Kunde möchte schliesslich billige, schöne, Schädlings- und Krankheitsfreie Pflanzen.
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Gluggsmarie Offline
Pflanzendoktorin
Pflanzendoktorin


Beiträge: 3568
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 20:25
Ihr habt jetzt alle die Discounter-Pflanzen so schlecht gemacht, da muss ich was zur Ehrenrettung tun Wink

Mir ist glaube noch nie eine Discounterpflanze eingegangen (zumindest nicht im ersten Jahr). Dabei habe ich beim Discounter so viele verschiedene Pflanzen gekauft: das reicht von Citrus über Sukkus bis zu Kletterern. Aber ich denke das liegt an zwei Dingen: zum einen sind Discounterpflanzen nicht gerade pflegeschwer (obwohl das Spektrum in den letzten Jahren größer geworden ist), zum anderen gehen die so schnell über den Ladentisch, dass da keine Zeit für Pseudo-Gärtner und -floristen bleibt, Sukkus zu ersaufen oder die trockenresistenz an Maranthen zu testen Rolling Eyes
Bei einer Gärtnerei schaue ich mir die Pflanzen die ich kaufe viel genauer an, nicht nur wegen dem erhöhten Preis, sondern auch wegen Schädlingen die ich mir trotz Pestizide oft eingeschleppt habe. Gerade Wollläuse und Spinnmilben scheinen typische Bioinvasoren zu sein.

liebe grüße
marie
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ZiFron Offline
Pflanzendoktor
Pflanzendoktor


Beiträge: 3465
Beitragvom: Sa 15 Jan, 2011 20:53
Ich mach die Supermarktpflanzen nicht schlecht. Einige meiner bestblühenden Phals, meine größte Banane und ein paar andere (Dracaena zB) sind dort her und ich habe auch noch nie Probleme gehabt.

Aber.... Aaaber ( Wink ) Ein paar Pflanzen wie Hibiskus oder eben den Weihnachtsstern gibt es, die wirklich EXTREM hochgemästet sind, und ein paar andere (Sukkulenten zB) stehen generell im falschen Substrat. Muss man halt wissen...
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