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Tag der Deutschen Einheit |
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carla  Hauptgärtnerin

Beiträge: 250
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Marc83  Azubi

Beiträge: 20
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Loony  Pflanzendoktorin

Beiträge: 3287
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vom: Do 09 Okt, 2008 8:13 |
Moin, Moin,
eigentlich ist es doch traurig wie wenig uns (mich ) dieser Tag noch berührt, ehrlicherweise echt vergessen wird.
Für die Generation vor mir, die den Krieg mit der Teilung erlebt haben, war es immer ein großer Traum, ihre Hoffnung.
Als ich geboren wurde, stand die Mauer schon, ich kannte nix anderes.
1986 hab ich meine Abschlußfahrt mit der Schule nach Berlin gemacht. Das Gefühl, als der Zug die DDR Grenze überquerte mit den entsprechenden Kontrollen, oder beim Besuch von Ostberlin, werd ich nie vergessen. Auch nicht unsere Fassungslosigkeit, als wir es geschafft haben uns in Ostberlin beinahe zu verlaufen und eben nicht die großen "Sehenswürdigkeiten" besucht haben, sondern durch Gassen mit Kriegsruinen usw. gelaufen sind. In der Hand 25 DDR Mark und sie nicht ausgeben können. Wir haben unser Geld dann zusammen gelegt und der nächsten Person geschenkt, die uns über die Füße lief(mitnehmen oder zurücktauschen ging ja nicht).
Als im Fernsehen der Mauerfall übertragen wurde und die ersten Trabbis und Menschen zu Fuß über die Grenze kamen, habe ich geheult vor Freude. Ich glaub, vielen ging es so........
Und was ist übrig geblieben?
Manchmal glaub ich, nur Misstrauen, Vorurteile, Ablehnung.....bestenfalls Ignoranz
Fehler (z.T. ja wirklich schlimme) haben beide Seiten gemacht, wann werden wir wirklich ein Volk, das dafür auch dankbar ist?
Wir könnten ein Vorbild für Länder wie Nord- und Südkorea sein. Den Menschen dort Mutmachen, den Traum "wieder ein Volk zu sein" nicht aufzugeben, weil es sich lohnt
Der Satz meines Neffen (der ist in Sachsen Anhalt aufgewachsen und studiert jetzt in Köln) hat mich traurig gestimmt und doch auch Hoffnung geweckt.......Er meinte:
"Erst wenn Eure (also meine) Generation nicht mehr da ist (zumindest im öffentlichen Leben...) wird die Mauer wirklich weg sein. Für uns ist das kein Thema, wir kenne es nicht anders als ein Volk zu sein!"
Vielleicht schaffen wir es eher
Ich hoffe, ihr verzeiht mir meinen Roman.....er ist das Produkt einer schlaflosen Nacht und ich muß mich da auch an meine eigene Nase packen
Lieben Gruß
Loony
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steffi08  Gärtnermeister

Beiträge: 1212
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vom: Do 09 Okt, 2008 11:00 |
Ich habe im Herbst 1989 eine Weiterbildung gemacht und mit unserer Klasse sind wir am 8.11.1989 nach Leipzig gefahren (um erste Adventseinkäufe in der Großstadt machen zu können). Damals waren wir dann auch im Bereich der Nikolaikirche und sahen die Schilder "Diese Kirche ist für alle offen" und jede Menge ganz unauffällige Männer. Die haben uns auch fotografiert, als wir uns eine Fotowand mit Bildern von den Montagsdemonstrationen angesehen haben. Kurz und gut: eigentlich wollten wir erst am späteren Nachmittag zurück fahren, aber das war alles so beklemmend und wir haben uns so unwohl und unsicher gefühlt, dass wir bereits mittags wieder zurück fuhren.
Ja und zu Hause war ich dann am Renovieren (mit Neuverlegung von Elektroleitungen) und habe am 9.11. weder Radio noch Fernseher angehabt.
Am 10.11. kam dann kurz nach 7:00 meine Freundin zu mir, und fragte, ob wir nicht mal fernsehen könnten, die Grenzen wären offen. Ich stand so auf der Leitung, dass ich garnichts begriffen habe und zuerst dachte, die Grenze zur Tschechei wäre wieder offen. Jedenfalls haben wir dann den Fernseher an die einzige funktionierende Steckdose in der Küche angeschlossen, haben Ewigkeiten auf dem Fussboden gesessen und vormittags geguckt.
Es war schon wirklich ein eigenartiges Gefühl, irgendwie unwirklich.
Und als wir dann Ende Dezember erstmals in Westberlin waren und unser Begrüßungsgeld abgeholt haben, konnte man auch noch nicht wirklich daran glauben. Irgendwie dachte ich immer, spätestens zum Jahresende ist es wieder vorbei und war mit dem Westgeld auch ganz sparsam. Essen hatten wir mit, mein Sohn bekam ein Matchboxauto (und hat sich gefreut wie einkleiner König), aber zum Karussellfahren sind wir dann in den Osten gefahren.
Loony, mein Roman ist jetzt auch nicht kürzer als deiner
Aber daran mus ich immer denken, wenn der 3.10 wieder ran ist.
LG
Steffi
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Loony  Pflanzendoktorin

Beiträge: 3287
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Kassandra980  Hauptgärtnerin

Beiträge: 470
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vom: Sa 11 Okt, 2008 14:03 |
Ich finde Eure Erinnerungen sehr beeindruckend.
Ich war als 17 jährige mit dem Deutschkurs in Berlin und den damaligen Ausflug in den Osten werd ich nicht vergessen. Ich fand vieles dort seltsam, traurig und bedrückend, vor allem die Grenzkontrollen und die vielen VoPos in ihren langen Ledermänteln. Ein erheblicher Teil dieser Bedrückung mag Einbildung gewesen sein.... als junges Landei weiß man ja eh nicht viel vom Leben, schon gar nicht in einer Großstadt.
Trotzdem, ich bin froh, dass das alles vorbei ist. Hätte nie gedacht, dass ich den Tag erlebe, an dem die Mauer fällt. Aber 1,5 Jahre später fiel sie.
Am 9.11.1989 hatte ich grad mein Studium begonnen und bekam die Nachricht an der Uni. Geschnallt hab ich es absolut nicht. Ich erinnere mich nur noch, dass es ein Tag war, an dem ich Freitags noch lange Uni hatte, ich meine, es war ein Freitag. Ich hatte noch Latein und entsetzlich schlechte Laune (verständlicherweise) und hab mich überhapt nicht gefreut. Ich wollte auch nicht Fernsehen.
Mit 18 hat man sowas von keine Ahnung, was wirklich vor sich geht.
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Marc83  Azubi

Beiträge: 20
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vom: Mo 13 Okt, 2008 19:45 |
Loony hat Folgendes geschrieben:
...Und was ist übrig geblieben?
Manchmal glaub ich, nur Misstrauen, Vorurteile, Ablehnung.....bestenfalls Ignoranz
Fehler (z.T. ja wirklich schlimme) haben beide Seiten gemacht, wann werden wir wirklich ein Volk, das dafür auch dankbar ist?
...
Der Satz meines Neffen (der ist in Sachsen Anhalt aufgewachsen und studiert jetzt in Köln) hat mich traurig gestimmt und doch auch Hoffnung geweckt.......Er meinte:
"Erst wenn Eure (also meine) Generation nicht mehr da ist (zumindest im öffentlichen Leben...) wird die Mauer wirklich weg sein. Für uns ist das kein Thema, wir kenne es nicht anders als ein Volk zu sein!"
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Interessant, dass sich die Ansicht deines Neffen mit der Meinen und auch mit der vieler meiner Freunde deckt. Ich glaube auch, dass die berühmte "Mauer in den Köpfen" noch 1 bis 2 Generationen braucht, bis sie verschwunden ist. Allerdings fehlt mir da auch ein wenig die Differenzierung: Als "Ossi" im "Westen" kann ich - und es ist schön, dass es so ist - nur behaupten: mir ist nie irgendwelche Feindschaft entgegengeschlagen (und ich treib hier auch schon 7 Jahre mein Unwesen - Quasi Aufbau West ). Sicher kommt dann und wann mal ein Kommentar, nur wenn man ehrlich ist, gibt es diese Kommentare genauso auch andersrum. Ich glaube, dass man sich viel zu oft an Einzelsituationen hochzieht. Einzelne, unbelehrbare gibt es "hüben wie drüben" ob man sich gerade mit denen auseinandersetzen muss, weiß ich nicht, wer partout nicht will, wird es auch bei den besten Argumenten nicht einsehen.
Was mir aber immer wieder auffällt: die "Ossis" haben meiner Meinung nach mehr Vorurteile als die "Wessis". Jedenfalls habe ich diesen Eindruck; wenn ich mal in meiner Heimatstadt bin, habe ich immer dieses Gefühl. Wichtig: Auch hier sicher nur eine Minderheit, und villeicht achte ich dort auch mehr darauf, aber es fällt mir auf.
Wie auch immer: one (world) country - one future. noch 40 Jahre, was geschichtlich gesehen nichts ist, dann spricht keiner mehr davon.
Edit sagt: so! und da ich jetzt wieder nicht richtig zitiert habe, schreib mir bitte ein Mod, was ich falsch mache. Ist ja grauenhaft. In anderen Foren mecker ich immer, wenn jemand das nicht hinbekommt und hier stell ich mich selbst an wie der Herr Depp persönlich.
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