GinkgoWolfs Blog
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Anzuchttagebuch: Anzucht der Pinus pinea

permanenter Link von GinkgoWolf am Mo 21 Okt, 2013 21:22

Eine Pflanze aufwachsen und gedeihen zu sehen, zählen Natur- und Pflanzenliebhaber zu den bewundernswertesten Geschehnissen. Zu beobachten wie ein zarter grüner Keimling seine frischen Blättchen entfaltet und dem Lichte entgegenstreckt - ein Ereignis, wie es an vielen Orten jeden Tag zu jeder Sekunde geschieht, doch nur selten Beachtung findet. Um dem Wunder Pflanze auf die Spur zu kommen, lohnt es sich durchaus an ihrer Seite die ersten Momente zu erleben. Denn die Natur schreibt bekanntlich die allerschönsten Geschichten.

Etwa um die Weihnachtszeit beginnt auch die Pinienzeit. Wer die Augen offen hält und im richtigen Moment schnell genug ist, kann einen der großen Pinienzapfen ergattern. Die Samen - genannt "Pinien-Kerne" - kennt vielleicht jeder. Auf Gebäck, im Kuchen oder so zwischendurch sind sie ein besonderer Leckerbissen.
Doch mir geht es dieses Jahr um etwas anderes. Ich schaffe es tatsächlich meiner Mutter den Zapfen abzuschwatzen, denn ich will Pinien aussäen und ihre Entwicklung dabei fotodokumentieren.
Die erste Hürde ist genommen, der Zapfen gehört mir! Doch wie kommt man nun an die Samen?

Schritt 1: Die Vorbereitung

Der älteste Trick der Welt lautet Wärme. Einfach über die Tage den Zapfen in eine Schale setzen und auf die Heizung stellen. Bald ist das Knacken zu hören, mit dem sich der Zapfen Schuppe für Schuppe öffnet. Z.T. fallen die Samen bereits heraus. Aber leider nicht alle. Also muss ich da selbst noch ran.

Was wird gebraucht?

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> eine Arbeitsplatte
> etwas zum Drunterlegen(bei empfindlichen Oberflächen; der dunkle Staub ist sonst schnell mal überall 8-[ )
> eine Pinzette
> eine Nagelfeile (oder etwas anderes Spitzes - zum Stochern)
> eine Schale (die gepulten Samen müssen ja auch irgendwo hin)
> Taschenrechner(oder einen trainierten Kopf - zum späteren Zusammenrechnen, wie hoch die Ausbeute ist)
> Stift und Papier (zum Festhalten des Ergebnisses)
> und den Zapfen natürlich! *Augenrollen*

Schritt 2: Das Pulen
(06.01.12)

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Sollte wohl mein Lieblingsschritt sein. *lach* Ehrlich, ich pul gerne. Vielleicht muss man das auch, denn Pinienkerne sind gar nicht so einfach aus ihren Verstecken zu bekommen. Zumindest, so lange der Zapfen heil bleiben soll. Und das soll er. Solch große Zapfen kann man schließlich nicht alle Tage vom Baum pflücken.

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Doch die Samen stellen sich tatsächlich ziemlich störrisch an. Mit Pinzette und Hebelwirkung, notfalls auch mit Nagelfeilenspitze werden sie herausgehebelt. Gegen mich kommt keiner an.

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Samen um Samen landet in der Schale. Das gibt nachher Freude beim Auszählen!
Der schwarze Staub auf den Samen kann übrigens ganz leicht abgerubbelt werden. Aber Vorsicht! Der verteilt sich dementsprechend auch ganz gern.

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Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 109 Samen plus 8 Mini-Samen. Mehr gibt der Zapfen nicht her, aber reicht doch auch. So haben sich die Mühen des Pulens doch gelohnt.

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Anhand dieser zwei Samen sind die zurückgebildeten Flügelchen zu sehen, die typisch für die Piniensamen sind.

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Rudimentäre Flügelchen ohne Samen - hier wird deutlich, wie weit der Flügel zurückgebildet wurde. Offenbar hat die Flugverbreitung kaum eine Bedeutung für die Pinien. Im Vergleich dazu haben unsere Kiefern Langstreckenflügel, um weite Entfernungen durch die Luft zurücklegen zu können.

Schritt 2b: Das Aufbewahren

Weil eigentlich kein Schritt in dem Sinne.
Da es schon Abend ist, besteht keine Möglichkeit mehr, die Samen noch unter die Erde zu bringen. Sofern das Saatgut also nicht sofort ausgesät wird, muss es gut gelagert werden, damit die Keimfähigkeit nicht sinkt. Dazu verwende ich eine Schale mit Kokohum drin. Im trockenen (!) Substrat werden die gepulten Samen untergemischt und an einen nicht zu warmen, jedoch auch nicht zu kühlen Platz gestellt.
Pinien gehören nicht zu den Frostkeimern, eine zwischenzeitliche Kälteeinwirkung würde den Samen also eher schaden.

Schritt 3: Das Einweichen
(15.01.12)

Bevor die Pinien-Samen gesät werden können, müssen die Samen zunächst noch eingeweicht werden. Es handelt sich dabei um einen Gärtner-Trick, um die Keimdauer zu verkürzen. Bis so ein Same nämlich ausgekeimt ist, dauert es eine Weile, denn er muss erst eine gewisse Eigenfeuchte annehmen, die er aus dem Substrat bezieht. Ist der Same jedoch zuvor eingeweicht worden, wird dieses übersprungen. Folglich kann die Jungpinie wesentlich schneller auskeimen.

Was wird gebraucht?

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> eine Schale zimmerwarmes Wasser
> die Schale, in der die Pinien-Samen sind
> eine Pinzette
> Zeitungspapier etc. als Arbeitsfläche

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Die Schale mit den Pinien-Samen wird der Einfachheit halber ausgekippt und die Samen durch Ertasten aus dem Kokohum gefischt. Die Gefundenen landen dann gleich in der nächsten Schale und dürfen schwimmen.

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Nachdem alle Samen gefunden sind und so vor sich hin weichen, wird diese Schale für ca. sechs Stunden an einen Ort gestellt, wo sie nicht umkippen kann. Nach den sechs Stunden kann mit der Aussaat begonnen werden.

Schritt 4: Die Aussaat
(15.01.12)

Sechs Stunden sind vorüber, die Pinien-Samen können nun gesät werden.

Was wird gebraucht?

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> Aussaat-Substrat (in diesem Fall: Kokohum)
> Sand
> Töpfe
> Papier (um die Erde am Durchrieseln zu hindern
> Zeitungspapier als Arbeitsfläche
> ein Zimmergewächshaus
> Stift und Papier (um die Aussaatstärke zu erfassen
> Knieschoner (je nach Eigenbedarf; dieser Schritt erfordert jetzt eigentlich ständigen "Kniefall")
> die Wasserschale mit den einweichenden Pinien-Samen
> ein Sieb (um sie herauszufischen)

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Zuallererst müssen die Samen aus dem Wasser gefischt werden. Das geht am besten mit einem Küchensieb. Für die kleinen Pinienfreunde: Es muss nicht Mamas gutes Sieb aus dem Küchenschrank sein, ein schon etwas angerostetes geht auch. Ist meins ja auch.

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Während die Samen noch am Abtropfen sind, können die Aussaattöpfe vorbereitet werden. Ich verwende hier schwarze Plastiktöpfe. Natürlich können auch andere Behältnisse verwendet werden.
Die Töpfe werden von mir so angeordnet, dass sie den Platz im Zimmergewächshaus optimal ausnutzen.
Bitte beachten: Lieber niedrige Töpfe verwenden, damit genug Platz nach oben hin bleibt. Der Keimling soll sich ja schließlich noch entfalten können und nicht gleich mit dem Köpfchen gegen die Decke stoßen.

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Nun müssen die Abzugslöcher der Töpfe bedeckt werden, damit das Substrat nicht herausgeschwemmt werden kann. Als leichtes Material, das sich ohne Probleme verwenden lässt, sind Papiertücher sehr zuverlässig. Taschentücher oder Toilettenpapier (natürlich sauber!) erfüllt den gleichen Zweck. Zeitungspapier sollte wegen der Druckerschwärze und anderen heimeligen Stoffen besser nicht verwendet werden.

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Nachdem die Abzugslöcher verdeckt wurden, kann das Anzuchtsubstrat (hier: Kokohum) eingefüllt werden.

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Die Pinien-Samen werden in gleichmäßigem Abstand voneinander verteilt auf das Substrat gedrückt und anschließend mit einer dünnen Schicht des Substrates bedeckt.

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Als allerletzte Schicht kommt noch Sand hinzu. Natürlich könnte der auch weggelassen werden. Aber auch hierbei handelt es sich um einen Trick aus dem Gärtner-Wissen.
Es gibt Pilze, die die so genannte "Umfallkrankheit" bei Keimlingen auslösen. Die befallenen Pflänzchen knicken um und vertrocknen. Um dem entgegenzuwirken, wird Sand gestreut. Sand wirkt dabei fast schon desinfizierend: Pilze mögen das Milieu im Sand nicht. Und der Keimling ist geschützt.
Und schließlich - wie später ausgezeichnet zu sehen sein wird - ist anhand der Sandoberfläche erkennbar, ob sich bereits etwas tut.

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Nun noch die Töpfe angefeuchtet mittels Sprühflasche, den Deckel des Gewächshauses darauf und ab an einen warmen Platz damit.
Kleiner Tipp: Bis die Pinien keimen und sich also etwas Grün zeigt, kann das gesamte Gewächshaus auch dunkel und warm gestellt werden. Wichtig ist nur, dass es an einen hellen Platz wandert, sobald sich der erste Keimling durch die Sandkruste arbeitet.
Mein Gewächshaus stand bis zur ersten Regung auf dem dunklen Fußboden (bei meinen Eltern hab ich nämlich Fußboden-Heizung, das wärmt die schön durch).

Der Vorteil der gleichmäßigen Wärmezufuhr dürfte auf der Hand liegen: Schnelle Keimung.

Update: 23.01.12

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Es tut sich etwas. Bei einiger Vergrößerung sind sie schon zu sehen - die Risse in der Sandschicht. Nun wird das Gewächshaus vom warmen, aber dunklen Fußboden an ein Fenster gestellt. Zur besseren Isolierung werden Styroporklötzchen untergelegt.

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Ein etwas deutlicheres Bild, die Pinzette zum Größenvergleich

Update: 24.01.12

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Genau einen Tag später ist es nicht mehr zu leugnen: Demnächst bin ich Pinien-Mama! \:D/

Update: 25.01.12

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Wieder einen Tag später sind die Pinien schon ein bisschen weiter. Auch bei den anderen Töpfen zeigen sich nun die ersten Risse. Bei den ersten beiden Stellen haben die Kleinen schon die Sandkruste abgesprengt.

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Wie schnell Pinien jedoch wachsen, zeigt sich noch am Abend desselben Tages: Das erste Grün ist von den ersten beiden Keimlingen zu sehen! *freu*

Update: 26.01.12

Wieder ist ein Tag vergangen und wieder kann ich die Fortschritte der Pinien präsentieren:

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Eine Nahaufnahme aus der "Kinderstube".

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Am Nachmittag hat sich genau diese Pinie so weit aus dem Substrat gepult, dass sie sich aufrichten und ihre jungen Nadeln entfalten kann. Ihr Geschwister kämpft dagegen noch mit dem Untergrund.

Upddate: 27.01.12

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"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Wichteln 2018