GinkgoWolfs Blog
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Aussaatwettbewerb 2017 - Melothria scabra (Zusammenfassung)

permanenter Link von GinkgoWolf am Mi 10 Jan, 2018 14:53

Mexikanische Minigurke

Die Heimat der Pflanze ist Mexiko. Dort ist sie an warme Temperaturen mit viel Sonne angepasst. Kurzfristige Substrat-Trockenheit wird von den Pflanzen vertragen, da sie Speicherwurzeln ausbilden. Die Minigurke ist wie ihre Verwandten (Kürbisse und Gurken) ein Starkzehrer, laugt den Boden also sehr aus.

Die Pflanze ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Blüten. Diese befinden sich aber auf ein und derselben Pflanze. Die männlichen Blüten stehen meist zu dritt, während weibliche Blüten einzeln ausgebildet werden. Die Bestäubung der Blüten erfolgt meist durch Hummeln oder Wildbienen. Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich die für die Pflanze typischen 2-3cm großen Früchte, die aussehen wie Mini-Wassermelonen. In ihrem Geschmack ähneln sie den Salatgurken, sind aber frischer und eine Spur säuerlicher.

Die Speicherwurzeln der Pflanze lassen sich kühl überwintern, sofern sichergestellt wird, dass sie nicht austrocknen. Eine absolut trockene Überwinterung wie bei Dahlien werde nicht vertragen, da die Haut der Knollen nicht allzu dick ist.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Melothria

März 2017

Von den etwa 13 Samen des Wettbewerbs wurden alle am 27. März ausgesät.
Zuvor wurden die Samen für ca. 12 Stunden (am Abend des 26. März) zum Vorquellen bei Zimmertemperatur geschickt. Für die Aussaat wurde kein besonderes Aussaatsubstrat verwendet. Die Samen wurden leicht mit Substrat bedeckt, da Melothria Dunkelkeimer sind. Weiterhin wurden die Minigurken in Töpfe ausgesät, wobei in jeden Topf zwei bis drei Samen gesetzt wurden. Topfaussaat ist bei den Minigurken immer zu empfehlen, da sie aufgrund ihrer zarten Wurzeln das Pikieren nicht besondes vertragen.

Die Aussaat erfolgte in einem Großgewächshaus. Das bedeutet, dass die Temperatur und die Helligkeit (Sonneneinstrahlung/ Schattenwurf) nicht separat steuerbar ist. Das bietet natürlich Vorteile (z.B. keine kurzfristig starken Temperaturschwankungen), hat aber auch Nachteile (erforderliche Schattierungen werden nur über den zentralen Steuerungskreis realisiert und nicht in kleinräumigen Maßnahmen).

April 2017

Die ersten Minigurken sind am 2. oder 3. April gekeimt, alle anderen am 5. April. Das Keimergebnis war auch sehr unterschiedlich: In zwei Töpfen standen sehr viele Pflanzen, in den restlichen nur einzelne.

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alle gekeimt (28. April)

Da die Minigurken durchaus recht zügig wachsen (traut man diesen zarten Pflänzchen nicht unbedingt zu), wurden sie Ende April von mir pinziert, also entspitzt. Das hat den Effekt, dass die Pflanzen buschiger wachsen, weil sie sich verzweigen müssen. Außerdem wird das Spitzenwachstum erstmal gebremst, denn die Neuaustriebe müssen ja auch erst gebildet werden. In den Gärtnereien wird diese Technik des Pinzierens auch sehr oft an Stauden oder Einjährigen angewandt, um möglichst kompakte Pflanzen zu bekommen.

Mai 2017

Am 7. Mai wurden die Minigurken umgetopft. Dabei fiel mir bei fast allen Pflanzen eine verdickte Wurzel unten am Erdballen auf. Nachfragen im Forum ergaben, dass Minigurken in ihren verdickten Wurzelteilen Wasser als Notrationen speichern, um trockene Phasen zu überstehen. Ähnliches kennt man ja auch von Grünlilien.

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getopft und gestäbt (7. Mai)

Im Zusammenhang mit dem Umtopfen wurden die Pflanzen aufgestäbt. Zunächst mussten die Pflanzen entwirrt werden, denn sie hatten sich mangels eigener Rankhilfe nach passendem Ersatz umgesehen. So hingen sie bereits in der Malve und kraxelten am Schalenrand herum. Nach dem Aufstäben wurden die Minigurken nochmals entspitzt, um das Längenwachstum wiederum zu drosseln.

Nach dem Umtopfen stand das Wachstum der Minigurken oberseits erstmal still (Umtopfen behagt ihnen ebenso wenig wie pikiert zu werden), sie berappelten sich dann aber wieder.
Mit dem Vorbeistreichen der Eisheiligen (Stichwort: Kalte Sophie am 15. Mai) zogen die Minigurken zusammen mit der Malve und einigen anderen Pflanzen am 23. Mai auf meinen Balkon um. Dort standen sie zunächst zur Eingewöhnung auf dem Außenfensterbrett und mussten sich an die veränderten Bedingungen gewöhnen. Es gab Wind, Sonnenschein, ... eben Dinge, die sie bis dato dank Gewächshaus nicht kannten.

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in ihrem endgültigen Kübel (28. Mai)

Am 28. Mai bezogen sie dann ihren endgültigen Kübel mit Südost-Ausrichtung. Nach Westen, der Hauptwetterrichtung, ist der Balkon mit einer Wand begrenzt, um Regen von den Gurken fernzuhalten. Wasser auf den Blättern, das nicht abtrocknen kann, mögen sie ebenfalls nicht. Dann bekommen sie schnell Pilze.

Im Kübel standen nun vier Pflanzen aus zwei Töpfen (eine aus einem Topf und drei aus einem anderen Topf). Die anderen Pflanzen wurden verschenkt.

Juni 2017/ Juli 2017

Anfang Juni begannen die Minigurken damit, ihre neue Rankhilfe zu erobern. Sie wuchsen und wuchsen und hörten den ganzen Juni gar nicht mehr damit auf. Dazu begann sie ab Mitte Juni (ab 16. Juni) Blüten zu bilden und zu öffnen.

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sie sind ganz schön gewachsen (29. Juni)

Ende Juni nahmen die Minigurkenpflanzen die ganze Balkonecke für sich in Beschlag. Sie blühten genauso unentwegt wie sie wuchsen. Allerdings waren bis zu diesem Zeitpunkt noch keine reifen Gürkchen dran. Möglicherweise hatten die Hummeln, die sonst die Jahre vorher immer die Bestäubung übernommen hatten, die Gurkenblüten noch nicht entdeckt.

Auch einen halben Monat später (10. Juli) hatte ich zwar jede Menge Gurkenansätze, aber keine reifen Gürkchen. Andere im Teilnehmer am Wettbewerb meldeten sich mit ihren ersten Früchtchen und ich beschloss aus Ungeduld selbst Bienchen zu spielen (Wattestäbchen). Gegen Ende Juli (20. Juli) konnte ich dann auch die ersten Gurken ernten.

August 2017/ September 2017

Anfang August (4. August) bekam ich dann summende Unterstützung: die Hummeln besuchten die Gurkenblüten und sie fanden wirklich jede Blüte und war sie auch im allerhintersten Winkel versteckt! Dank der Hummeln hatte ich nun mehr Gurken zu ernten als ich auf die Schnelle essen konnte. Die Pflanzen selbst waren super buschig und schön gewachsen.

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4. August
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viele Früchte (4. August)

Das Wetter 2017 war ja sehr stürmisch und regnerisch. Wir hatten zwei sehr starke Unwetter, wo der Wind mir die Feuchtigkeit auf den Balkon bis an die Fensterscheibe drückte (und das, obwohl mein Balkon mit Seitenwänden ausgestattet und dazu noch überdacht ist!). Die Minigurken standen eigentlich sehr geschützt, zumindest verglichen mit anderen Pflanzen auf meinem Balkon, aber in bei diesem Wetter nutzte mir das leider auch wenig. Durch die Überdachung "stand" die Feuchtigkeit auf meinem Balkon (es war wirklich sehr schwül warm) und förderte das Entstehen von Pilzkulturen.

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Pilzbefall :( (20. August)

Gegen Ende des Sommers breitete sich ein starker Pilzbefall an meinen Minigurken aus. Es begann (wie immer) recht harmlos mit einzelnen Pilzflecken auf den Blättern. Ab dem 20. August starben reihenweise die Blätter ab, wurden erst fleckig und anschließend grau ausgetrocknet. Die verpilzten Blätter wurden von mir entfernt, sodass die einst stolze Pflanze nur noch ein trauriges Gerippe war.
Im Zusammenhang mit dem Entfernen der Pilzblätter wurden alle noch vorhandenen Gürkchen geerntet. Es kam eine stolze Menge zusammen: ein ganzer 500gr-Tomateneimer konnte gefüllt werden! Das Gewicht betrug aber "nur" 469gr.

Gegen Mitte September (13. September) stellte ich fest, dass die Minigurken von unten neu austrieben. Allerdings ließen die sehr herbstlich kühlen Temperaturen kein allzu starkes Wachstum mehr zu.

Oktober 2017/ November 2017

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Speicherwurzeln (26. Oktober)

Am 26. Oktober wurden die Speicherwurzeln der Minigurken aus der Erde gehoben und vermessen. Gemessen an den dicken "Rettichen" war es abgesehen vom Wetterteufel und seinem Pilzbruder ein gutes Jahr für die Gurken.

P.S. Ich habe die Melothrias nicht überwintert. Ich hatte sie nach dem Vermessen auf dem Balkon in einem Eimer gelagert und dann schlichtweg "vergessen". Mit den ersten kalten Temperaturen waren sie hin...

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Bilder
"Das ist die Hoffnung", sagte Ginkgo zu Wolf. "Es wird immer einen Weg geben, immer weiter gehen. Leben, das heißt in Bewegung zu sein."
(Ginkgo und Wolf: Bifröst und das Darüber hinaus)

Wichteln 2018